Viereckschanze

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Viereckschanze von Terlach in Wernberg (Kärnten), Österreich
Viereckschanze von Terlach in Wernberg (Kärnten), Österreich
Viereckschanze von Sankt Peter am Bichl in Klagenfurt, Österreich
Viereckschanze von Sankt Peter am Bichl in Klagenfurt, Österreich

Als Keltenschanze oder Viereckschanze bezeichnet man die vor allem in Süddeutschland anzutreffenden Reste von quadratischen, manchmal auch rechteckigen, Gevierten mit Wall und umlaufendem Graben. Alleine in Bayern und Baden-Württemberg sind mehr als 300 dieser Anlagen bekannt. Daneben gibt es, wenn auch (bisher) deutlich seltener erkannt, Viereckschanzen in der Schweiz, in Österreich, in Böhmen sowie in Nordfrankreich.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Aufbau

Die Seitenwälle sind zwischen 80 und 140 Meter lang. Davor liegt ein Graben, dessen Aushub für den Wall verwendet wurde. Die Wallecken sind daher überhöht. Alle Viereckschanzen weisen ein meist nach Westen oder Osten, niemals ein nach Norden gerichtetes Tor und manchmal eine meist als Brunnen oder Opferschacht gedeutete Schachtanlage (Fanum) auf. Die Innenfläche liegt oft höher als das Außenterrain, was jedoch auf eine natürliche Überprägung des Geländes zurückzuführen sein dürfte. Im Inneren der Wälle ist der natürliche Bodenabtrag durch Erosion geringer als im Umfeld. Neuere Grabungen zeigen, dass im Inneren oft ein wiederkehrendes Bauschema auftritt, bei dem in den beiden dem Eingang gegenüberliegenden Ecken Gebäude anzutreffen sind.

[Bearbeiten] Forschungsstand

Nachdem lange Zeit nur wenige und zudem kleine archäologische Aufschlüsse aus Viereckschanzen vorlagen (z. B. Oberesslingen, Fellbach-Schmiden, Tomerdingen), konnten zahlreiche Rettungsgrabungen der Denkmalpflege einige Anlagen vollständig untersuchen (z. B. Eningen, Riedlingen, Bopfingen, Heilbronn). Dabei ist es zunehmend gelungen, auch das Umfeld der Viereckschanzen zu berücksichtigen. Damit ist deutlich geworden, dass die Anlagen in ein größeres Siedlungsgefüge eingebunden waren. In einigen Fällen konnten Vorgängeranlagen mit einer einfachen Zaun- oder Palisadeneinfassung erfasst werden. Die nach der Grabung in der Holzhausener Viereckschanze von Klaus Schwarz aufgestellten und in der Literatur noch häufig zitierten Vermutungen und Schlüsse werden heute angezweifelt.

[Bearbeiten] Ursprung und Funktion

Im 19. Jahrhundert wurden die Schanzen als römische Befestigungen oder Gutshöfe gedeutet. Inzwischen kann man die Viereckschanzen der jüngeren La-Tène-Zeit (etwa 200-15 v.Chr.) zuordnen.

Die Funktion dieser Bauwerke ist ungeklärt. Die Theorien reichen von Verteidigungsbauwerken über landwirtschaftliche Nutzung bis zum Heiligtum.

Relativ unwahrscheinlich erscheint die Deutung als Verteidigungsanlage. Keltenschanzen liegen nicht an militärstrategisch günstigen Punkten, auch wenn dies ggf. leicht erreichbar gewesen wäre. Gleichzeitige keltische Befestigungen (Oppida) sind wesentlich massiver gebaut. Keltenschanzen treten oft in Gruppen (Ensembles) auf, was für die Verteidigung nicht sinnvoll ist. In einem Fall, nämlich im Oppidum vom Donnersberg, wurde sogar eine Keltenschanze innerhalb der starken Stadtbefestigung gefunden.

Sie können keine Gutshöfe oder Herrenhöfe gewesen sein, da sich darin keine größeren Bauwerke befanden (Pfostenlöcher) und weil es keine Siedlungsfunde gibt (Abfallhaufen, Keramik, Münzen). Sie waren offensichtlich also nicht bewohnt. Gelegentliche geringe Funde können durch spätere Nutzungen erklärt werden. Keltenschanzen wären aber sehr gute Einfriedungen für das Vieh (oder Pferde) gewesen, um diese vor Raubtieren zu schützen. Nicht ganz dazu passt allerdings die aufwändige Anlage mit hohen Erdwällen, wo einfachere Zäune oder Palisaden gereicht hätten.

Zur Deutung als Heiligtum oder Kultplatz: Nach Julius Caesar waren die Heiligtümer der Kelten in der Natur (Wälder, Quellen). Aus spätkeltischer (gallorömischer) Zeit gibt es rechteckige aufwändige Plätze mit Wall und Steinbauten, die eindeutig als Kultplätze identifiziert werden können (z.B. Gournay-sur-Aronde in Frankreich). Die späten romanisierten Kelten hatten also Mischungen aus Keltenschanze und Tempel. In den Gräben fanden sich reichliche Überreste von Opferungen, was von Keltenschanzen nicht berichtet wird.

Folgende Details passen sowohl zur Deutung als Heiligtum wie auch zur Deutung als Viehpferch: Es gibt einen Eingang, der niemals nach Norden liegt. Es gibt dort unerklärte Schächte - bis zu 30m tiefe brunnenartige Löcher im Boden. Die Nähe zu Siedlungen.

Ein Einzelbeispiel: Die große, stark befestigte Keltenstadt Manching (7 km Wall-Länge) hatte eine etwa 500 m abseits liegende, dazugehörige Keltenschanze. Als Verteidigungsanlage wäre sie sinnlos. Als Viehpferch oder Pferdekoppel ist sie denkbar, aber dafür unwahrscheinlich aufwändig gebaut. Als Heiligtum oder Platz für bestimmte Rituale ist sie denkbar.

Vor allem in Esoterik-Kreisen blühen viele gewagte Interpretationen dieser „Schanzen“, etwa die von Gernot Geise aufgestellte These, dass mittels der in vielen „Schanzen“ zu findenden Schächte das Klima Mitteleuropas beeinflusst wurde. Wissenschaftlich sind diese Theorien indessen nicht abzusichern.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Haffner, Alfred: Heiligtümer und Opferkulte der Kelten, Stuttgart 1995, ISBN 3806211477
  • Reiser, Rudolf: Die Kelten in Bayern, Rosenheim 1984, ISBN 3475524570
  • Wieland, Günther (Hrsg.): Keltische Viereckschanzen, Stuttgart 1999, ISBN 3806213879
  • Wieland, Günther, Schwarz, Klaus: Die Ausgrabung in der Viereckschanze 2 von Holzhausen. Grabungsberichte von Klaus Schwarz. Zusammengestellt und kommentiert von Günther Wieland, Leidorf, 2005, ISBN 3896465368

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Andere Sprachen