Vogelscheuche

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Dieser Artikel behandelt das Vergrämungsutensil. Für andere Bedeutungen siehe: Die Vogelscheuche
Vogelscheuchen auf einem Reisfeld in Japan

Die Vogelscheuche ist eine in der Regel menschenähnliche Figur aus Holzstangen und alten Kleidungsstücken, die durch ihre Silhouette und Bewegungen im Wind Vögel, beispielsweise Stare und Krähen, von Feldern oder Gärten fernhalten soll, um angebaute Samen, Pflanzen und deren Früchte zu schützen.

Umgangssprachlich wird der Begriff auch für Menschen verwendet, die als unordentlich und hässlich empfunden werden („sieht aus wie eine Vogelscheuche“).

Der Klapotetz ist eine steirische Variante einer Vogelscheuche, die Vögel durch ihr Klappern abschrecken soll.

Varianten und Wirksamkeit[Bearbeiten]

Wahrscheinlich sind Vogelscheuchen schon bald nach der Einführung des Garten- und Ackerbaus entstanden. Sie werden bis heute auch in asiatischen Reisfeldern oder in den USA eingesetzt, wo sie scarecrows heißen. Weltweit knüpfen sich volkstümliche Bräuche an sie. Shakespeare baute die Vogelscheuche in sein Stück Heinrich VI. ein, Heinrich Heine versicherte: „Doch lockt die Kirsche noch so sehr, die Vogelscheuche schreckt noch mehr“, Ludwig Tieck schrieb einen ganzen Roman mit dem Titel Vogelscheuche (1854).[1]

Da sich Vogelscheuchen ungebrochen gehalten haben, kann an ihrem Nutzen kaum gezweifelt werden. Allerdings schwankt ihr Erfolg je nach Machart und Einsatzort. Ein grundsätzliches Problem stellt der Gewöhnung der Vögel an dieses Abschreckungsmittel dar, so dass oft empfohlen wird, die Vogelscheuche hin und wieder zu verlegen oder gegen ein anderes Modell auszutauschen.

Traditionell setzt man beim „Betrieb“ von Vogelscheuchen vorwiegend auf Wind und Sonne[2], wird doch ihre Wirksamkeit, neben der abschreckenden Gestalt, vor allem von Bewegungs-, Licht- und Knalleffekten ausgemacht, wobei sich oft Kombinationen empfehlen, beispielsweise durch glitzernde Flatterbänder oder Ketten aus Blechdosen.[3] Die „klassische“ Vogelscheuche sollte also leicht bewegbare Ärmel oder Bänder und reflektierende Teile aufweisen.

Vogelscheuche im Weinberg

Hersteller von Vogel-Attrappen in Drachen-Form wollen systematisch herausgefunden haben, diese Abwehrmaßnahme sei die erfolgreichste.[4] Nach anderen Quellen lassen sich zumindest Krähen von Drachen kaum oder gar nicht beeindrucken.[5][6]

Jedenfalls sind dem Erfindergeist und dem technischen Aufwand auch in dieser Frage keine Grenzen gesetzt.[7][8][9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weitere fiktionale Vogelscheuchen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • „Bettina“ (Photos); Golowin, Sergius / Weiss, Hans (Texte); Steiner, Martin (Gedichte): Magie der Vogelscheuchen. Zürich: AS-Verlag 1997. 124 Seiten (Bildband) - ISBN 3-905111-19-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alle Angaben nach Natürlich, 2006 (PDF-Datei; 709 kB), abgerufen am 6. Juni 2012
  2. Natürlich, 2006 (PDF-Datei; 709 kB), abgerufen am 6. Juni 2012
  3. Näheres bei Hausgarten, abgerufen am 6. Juni 2012
  4. Taubenfrass (PDF-Datei; 160 kB), abgerufen am 6. Juni 2012
  5. Natürlich, 2006 (PDF-Datei; 709 kB), abgerufen am 6. Juni 2012
  6. Orgprints, 2001, abgerufen am 6. Juni 2012
  7. Patente, abgerufen am 6. Juni 2012
  8. Turbine, abgerufen am 6. Juni 2012
  9. Akustische Vogelscheuche, abgerufen am 6. Juni 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vogelscheuchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Vogelscheuche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen