Walter Kappacher

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Walter Kappacher (2009)

Walter Kappacher (* 24. Oktober 1938 in Salzburg) ist ein österreichischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Aufgewachsen in Salzburg, absolvierte Kappacher nach dem Besuch der Volks- und Hauptschule Lehr- und Gesellenjahre als Motorradmechaniker. Er war einige Jahre lang begeistert vom Motorrad-Rennsport. Nach dem Militärjahr entwickelte er ein gesteigertes Interesse fürs Theater und begann eine Ausbildung in einer Münchner Schauspielschule, die er wieder abbrach. Als bestimmendes Interesse trat immer mehr das Lesen und Schreiben in den Vordergrund. Als Brotberuf wählte er die Tätigkeit eines Reisebüro-Kaufmanns.

Kappacher schreibt seit 1964. Erstmals veröffentlichte er 1967 einige Kurzgeschichten in der Stuttgarter Zeitung. 1978, nach seinem vierzigsten Geburtstag, entschloss er sich – mit einem Drehbuch-Auftrag in der Hand – zu kündigen und vom Schreiben zu leben. Er verfasste eine Reihe von Erzählungen und Romanen, aber auch Hörspiele und Fernsehdrehbücher. Gero von Wilpert charakterisiert Kappacher in seinem Lexikon der Weltliteratur als „realistischen Erzähler aus dem Berufsalltag der Arbeiter und Angestellten in schlichter Sprache“.[1] Erwin Chargaff würdigt den Stil von Walter Kappacher mit den Worten: „Er schreibt eine Art Hochquellprosa[2]. Unendlich viel Arbeit geht in einen Stil, den man zuerst nicht wahrnimmt.“[3] Innerhalb der weitgehend von Autorengruppierungen geprägten österreichischen Gegenwartsliteratur nimmt Kappacher eine der wenigen Einzelgängerpositionen ein.

Kappacher lebt in Obertrum. Er ist Mitglied des Österreichischen P.E.N. Clubs, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt sowie Träger hochrangiger Preise und eines Ehrendoktorats.

Werke[Bearbeiten]

  • Nur fliegen ist schöner. Salzburg 1973.
  • Morgen. Salzburg 1975.
  • Die Werkstatt. Salzburg 1975.
  • Rosina. Stuttgart 1978, Mit einem Nachwort von Armin Ayren, Deuticke, Wien 2010. ISBN 978-3-552-06147-7.
  • Die irdische Liebe. Stuttgart 1979.
  • mit Peter Keglevic: Die Jahre vergehen. Drehbuch, Salzburg 1980.
  • Der lange Brief. Stuttgart 1982.
  • Gipskopf. Graz 1984.
  • Cerreto. Aufzeichnungen aus der Toscana. Mit Zeichnungen des Autors, Salzburg 1989.
  • Touristomania oder Die Fiktion vom aufrechten Gang. Wien 1990.
  • Ein Amateur. Wien 1993.
  • Wer zuerst lacht. Wien 1997.
  • Silberpfeile. Wien 2000.
  • Selina oder Das andere Leben. Wien 2005.
  • Hellseher sind oft Schwarzseher. Erinnerungen an Erwin Chargaff. Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2007, ISBN 978-3-938743-52-2.
  • Der Fliegenpalast. St. Pölten Salzburg 2009.
  • Schönheit des Vergehens. Fotoband, Salzburg 2009.
  • Marilyn Monroe liest Ulysses. Notizen, Fundstücke und dreizehn Fotografien. Nachwort von Matthias Bormuth. Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2010, ISBN 978-3-938743-86-7.
  • Land der roten Steine. Hanser Verlag, München 2012, ISBN 978-3-446-23861-9. März 2012: ORF-Bestenliste
  • Die Amseln von Parsch und andere Prosa, Müry Salzmann, Salzburg - Wien 2013, ISBN 978-3-99014-073-4.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christina Höfferer: Ein Seltener. Walter Kappacher. ORF-Radiofeature 2009, 40 Min.[7]
  • Manfred Mittermayer und Ulrike Tanzer (Hrsg.): Walter Kappacher. Person und Werk. Müry Salzmann, Salzburg 2013. ISBN 978-3-99014-080-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gero von Wilpert (Hrsg.): Lexikon der Weltliteratur. Deutschsprachige Autoren; Kröner 2004, S. 321
  2. Der Ausdruck "Hochquellprosa" bedeutet so viel wie "Prosa vom Feinsten". Es ist eine Anspielung auf das hervorragend gute Wiener Hochquellwasser, welches in Österreich eine Art Goldstandard für Trinkwasser darstellt.
  3. SALZ Zeitschrift für Literatur - Nr. 93, Okt.1998
  4. NZZ vom 26. Mai 2009: Walter Kappacher erhält Georg-Büchner-Preis
  5. Walter Kappacher erhielt Georg Büchner-Preis bei salzburg.orf.at, 31. Oktober 2009
  6. Frankenpost, 9. Juli 2009
  7. http://oe1.orf.at/artikel/215738

Weblinks[Bearbeiten]