Walther Schwieger

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Walther Schwieger mit dem Pour le Merite (1917)
Gruppenfoto der Torpedolehrdivision von Walther Schwieger (unten rechts), 1906

Walther Schwieger (* 7. April 1885 in Berlin; † 5. September 1917 in der Nordsee) war ein deutscher Marineoffizier. Er kommandierte im Ersten Weltkrieg die U-Boote U 14, U 20 und U 88.

Leben[Bearbeiten]

Walther Schwieger stammte aus einer angesehenen Berliner Familie. Im Jahr 1903 trat er als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. 1904 wurde er zum Fähnrich zur See und 1906 zum Leutnant zur See befördert. Ab 1911 diente er bei der U-Bootwaffe. 1912 übernahm er das Kommando von U 14. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wurde er zum Kapitänleutnant befördert. Am 16. Dezember desselben Jahres bekam er das Kommando über U 20.

Während seiner siebten Fahrt versenkte Schwieger am 7. Mai 1915 den britischen Passagierdampfer RMS Lusitania der Cunard Line, wobei 1198 Menschen ums Leben kamen. Er sichtete den ostwärts dampfenden Luxusliner um 13.20 Uhr südlich des Kaps Old Head of Kinsale an der südirischen Küste und beobachtete seinen Kurs durch das Periskop. Um 14.10 Uhr gab er den Feuerbefehl, ohne das Schiff vorher gewarnt zu haben. Binnen achtzehn Minuten ging das große Passagierschiff unter, nur 761 Überlebende wurden gerettet.

Es wurde der Vorwurf erhoben, ob der deutsche Kommandant mit der Versenkung der Lusitania völkerrechtswidrig gehandelt hat. Demnach hätte er nicht nur ein wehrloses Passagierschiff angegriffen, sondern auf das sinkende Schiff noch einen zweiten Torpedo geschossen. Unmittelbar nach dem ersten Torpedotreffer erschütterte nämlich eine weitere Explosion das Schiff, die aber möglicherweise durch Munition, Kohlen-, Aluminiumstaub o. Ä. ausgelöst wurde. Die Lusitania führte angeblich keine Flagge und hatte eine größere Ladung Munition an Bord. Schwieger hatte, nach eigener Aussage, nur einen Torpedo geschossen und den Untergang des Schiffes nicht abgewartet.

Unter Historikern wurde auch darüber spekuliert, ob die USA die Versenkung der Lusitania nutzten, um an der Seite Großbritanniens in den Ersten Weltkrieg einzutreten.

Wegen dieser Tat wurde Schwieger sofort auf die Alliierten-Liste der Kriegsverbrecher gesetzt und ein entsprechendes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt.

Am 4. September 1915 versenkte Schwieger vor der irischen Küste ohne Vorwarnung den kanadischen Passagierdampfer RMS Hesperian der Allan Line, 32 Passagiere kamen ums Leben. Am 4. November 1916 lief U 20, auf der Heimfahrt vom 29. Einsatz, infolge einer Stromversetzung und dichten Nebels, fünf Seemeilen nördlich von Bovbjerg auf Grund. Sämtliche Bergungsversuche scheiterten. Das Boot wurde am nächsten Tag gesprengt. Schwieger hatte mit U 20 auf 21 Fahrten insgesamt 36 Schiffe mit 144.300 BRT versenkt. Am 7. April 1917 stellte Schwieger das neue U 88 in Dienst. Am 5. September 1917 lief dieses Boot zur dritten und letzten Fahrt aus, um in der Biskaya Handelskrieg zu führen. Voraus lief U 54 (Kapitänleutnant Heeseler). Beide Boote benutzten den Auslaufweg Gelb (Weg durch die deutschen Minenfelder). Am späten Abend gerieten sie an dessen Ausgang, nördlich der Insel Terschelling, in ein britisches Minenfeld. Beim Versuch, dieses getaucht zu unterfahren, berührte U 54 das Ankertau einer Mine, fuhr aber klar. Kurz danach vernahm man achteraus zwei Minendetonationen. Seitdem meldete sich U 88 nicht mehr. Es wurde Opfer der britischen Minensperre Nr. 56, die erst kurz zuvor ausgelegt worden war.

Walther Schwieger hatte von August 1914 bis September 1917 mit drei U-Booten auf 34 Einsätzen insgesamt 49 Schiffe mit 183.883 BRT versenkt. Er steht damit an sechster Stelle in der Liste der U-Bootkommandanten mit den meisten Versenkungen des Ersten Weltkrieges.

Das Boot U 139 wurde nach Walther Schwieger auch U-Kreuzer Kapitänleutnant Schwieger genannt.[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Kemp: Die deutschen und österreichischen U-Boot Verluste in beiden Weltkriegen. Urbes Verlag Hans Jürgen Hansen, Gräfelfing vor München 1998, ISBN 3-924896-43-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bodo Herzog: Deutsche U-Boote 1906–1966. Karl Müller, Erlangen, 1993, S. 69.
  2. a b c Rangliste der Kaiserlich Deutschen Marine für das Jahr 1916, Hrsg.: Marine-Kabinett, Mittler & Sohn Verlag, Berlin 1916, S.35