Kapitänleutnant

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Deutsche Marine, Kapitänleutnant
Schulterstück zur Jacke (Dienstanzug) eines Kapitänleutnants der Deutschen Marine (Truppendienst) Ärmelabzeichen zur  Jacke (Dienstanzug) eines Kapitänleutnants der Deutschen Marine (Truppendienst)

Schulterklappe/Ärmelabzeichen

Dienstgradgruppe Hauptleute
NATO-Rangcode OF-2
Dienstgrad Heer/Luftwaffe Hauptmann
Dienstgrad Marine Kapitänleutnant
Abkürzung (in Listen) KptLt (KL)
Besoldungsgruppe A11/12 nach BBesO

Der Kapitänleutnant (KptLt, KL) bezeichnet in deutschsprachigen Marinestreitkräften einen Offizier der Dienstgradgruppe der Hauptleute. Der Dienstgrad ist mit dem Hauptmann in Heer und Luftwaffe vergleichbar. In der mündlichen dienstlichen Anrede ist auch die Kurzform Herr Kaleu / Frau Kaleu gebräuchlich. Historisch war in den deutschsprachigen Marinestreitkräften für den Kapitänleutnant auch die Alltagsanrede KaLeun oder KaLeunt gebräuchlich.

Deutschland[Bearbeiten]

In den deutschen Heeren, bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts, war Kapitänleutnant ein Dienstgrad zwischen Oberleutnant und Hauptmann. Diesen Dienstgrad, eine andere Bezeichnung war Stabskapitän oder Stabshauptmann, erhielten meist die tatsächlichen Führer von Kompanien, die nicht gleichzeitig deren Inhaber waren.

Deutsche Marine[Bearbeiten]

Der Kapitänleutnant der Deutschen Marine gehört zu den Besoldungsgruppen A 11 und A 12. Damit entspricht er dem Hauptkommissar bei der Polizei bzw. dem Amtmann bzw. Amtsrat im gehobenen nichttechnischen Dienst in der allgemeinen Verwaltung. Er ist zudem im Sanitätsdienst der Bundeswehr dem Stabsarzt, dem Stabsapotheker und dem Stabsveterinär vergleichbar.

Die Dienstgradabzeichen des Kapitänleutnants, die auf beiden Unterärmeln des Dienstjacketts oder als Schulterstücke getragen werden, bestehen aus zwei goldgelben Streifen, zwischen denen sich ein weiterer Streifen in derselben Farbgebung, jedoch in nur halber Breite befindet, und einem fünfzackigen Stern. Der Stern entfällt, wenn Dienstgradschlaufen getragen werden. Der Mützenschirm zeigt einen stumpf gezackten, goldfarbenen Streifen aus handgesticktem Metallgespinst.

Soldaten in diesem Dienstgrad können innerhalb der durch die Vorgesetztenverordnung (VorgV) gesetzten Grenzen Mannschaften, Unteroffizieren ohne Portepee, Unteroffizieren mit Portepee und den Leutnanten Befehle erteilen.

Der Kapitänleutnant entspricht gemäß NATO STANAG 2116 dem Rangcode OF-2 und somit z.B. dem Dienstgrad Lieutenant der US Navy. Allerdings entspricht der Verantwortungsbereich zum Beispiel als Kommandant eines Bootes (Minenjagdboot, Schnellboot) oder als Schiffseinsatzoffizier eher dem eines Lieutenant Commanders (OF-3). Mit der aktuellen Version der STANAG 2116 wurde die bislang aus Höflichkeit benutzte Übersetzung des Kapitänleutnants als Lieutenant Commander offiziell.[1]

Trivia[Bearbeiten]

Da die Bestickung des Mützenschirms nach Form und Farbe Assoziationen mit dem Rand eines bekannten Butterkeksgebäcks hervorrufen kann, wird diese Stickerei im kameradschaftlichen Spaß auch als Keksrand bezeichnet.[2]

Durch den bekannten Spielfilm Das Boot konnte die Dienstgradbezeichnung einen gewissen Bekanntheitsgrad auch bei Menschen erlangen, die ansonsten nur wenig Bezug zur Marine haben. Die Dienstgradbezeichnung ruft daher oft Assoziationen mit dem besagten Spielfilm hervor.

Volksmarine[Bearbeiten]

KptLt, Volksmarine
KptLt, Küstendienstlaufbahn

Der Kapitänleutnant war in der Volksmarine der DDR ein Dienstgrad in der Dienstgradgruppe der Hauptleute und vergleichbar dem NATO-Rangcode OF-2. Er entsprach dem Hauptmann der NVA.

Das Dienstgradabzeichen bestand aus Schulterstücken mit marineblauem Untergrund und parallel verlaufende silberfarbenen Schnüren. Auf dem Schulterstück waren vier viereckige goldfarbene Offizierssterne („Pickel“) angebracht. Das Ärmelabzeichen bestand aus zwei gelbfarbenen einfachen und einem schmalen Streifen. Darüber war ein fünfzackiger Stern aufgenäht, der den Offizier der seemännischen Laufbahn auswies. Im Unterschied zu allen übrigen deutschen Marinestreitkräften bedeckten die Ärmelabzeichen nur zu ca. 40 % den Ärmelumfang.

Dienstgrad
niedriger:
Oberleutnant (zur See)

Flag of warships of VM (East Germany).svg
Kapitänleutnant
höher:
Korvettenkapitän
Siehe auch

Dienstgrade der Nationalen Volksarmee, Volksmarine

Kaiserreich und Kriegsmarine[Bearbeiten]

Im Deutschen Kaiserreich und der Deutschen Kriegsmarine bezeichnete der Kapitänleutnant einen Dienstrang der Dienstgradgruppe der Hauptleute, vergleichbar dem damaligen Hauptmann.

Ingenieuroffiziere trugen an Stelle des Seesterns am Ärmel und auf den Schulterstücken ein Zahnrad, Sanitätsoffiziere den Äskulapstab, Marinewaffendienst 2 gekreuzte Rohre, Sperrwaffendienst eine Raise (symbolisierte Mine), Nachrichtendienst einen Blitz, Verwaltungsoffiziere den Merkurstab.

Im Kaiserreich trug der Kapitänleutnant nur 2 (mittel-) breite Streifen am Ärmel. Seeoffiziere an Stelle des Seesterns eine Krone.

KptLt, Kriegsmarine
Dienstgrad
niedriger:
Oberleutnant zur See

Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge)
Kapitänleutnant
höher:
Korvettenkapitän


Siehe hier

Bildtafel, Dienstgrade der Kriegsmarine

Frankreich[Bearbeiten]

In der französischen Armee des Ancien Régime war der „Capitaine-lieutenant“ der Chef einer Einheit der königlichen Garde, in der der oberste Rang der Capitaine war, welcher vom König selbst bekleidet wurde.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. STANAG 2116 vom 25. Februar 2010
  2. Kann nicht jeder tragen
  3. a b Die äquivalenten, ranghöheren und rangniedrigeren Dienstgrade sind im Sinne der ZDv 14/5 B 185 angegeben, vgl.  Der Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 14/5. Soldatengesetz. DSK AV110100174, Änderungsstand 17. Juli 2008. Bonn 21. August 1978, Dienstgradbezeichnungen in der Bundeswehr, S. B 185 (Nicht zu verwechseln mit dem Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten (Soldatengesetz). Die in der Infobox dargestellte Reihenfolge der Dienstgrade entspricht nicht notwendigerweise einer der in der Soldatenlaufbahnverordnung vorgesehenen regelmäßig durchlaufenen Dienstgradabfolgen und auch nicht notwendigerweise der in der Vorgesetztenverordnung beschriebenen Dienstgradhierarchie im Sinne eines Vorgesetztenverhältnisses).