Seekadett

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Dieser Artikel behandelt einen Unteroffiziersdienstgrad in der Marine zu weiteren Bedeutungen siehe Seekadett (Begriffsklärung)
Deutsche Marine, Seekadett
Schulterklappe eines Maat der deutschen Marine Ärmelabzeichen an der Jacke des Dienstanzugs eines Maat der deutschen Marine

Rangabzeichen
links Schulterklappe, rechts Ärmelabzeichen

Dienstgradgruppe Unteroffiziere ohne Portepee
NATO-Rangcode OR-5
Dienstgrad Heer/Luftwaffe Fahnenjunker
Dienstgrad Marine Seekadett
Abkürzung (in Listen) SKad (SK)
Besoldungsgruppe A5 nach BBesO

Der Seekadett (Abk.: SKad) bezeichnet in Deutschland einen Soldaten im Unteroffizierdienstgrad bei der Bundeswehr innerhalb der Laufbahngruppe der Offiziere der Deutschen Marine. In den anderen Teilstreitkräften heißt dieser Dienstgrad Fahnenjunker.

Soldaten in diesem Dienstgrad können innerhalb der durch die Vorgesetztenverordnung (VorgV) gesetzten Grenzen anderen Soldaten Befehle erteilen.

Deutschland[Bearbeiten]

Deutsche Marine[Bearbeiten]

Er bekleidet eine gemeinsame Dienstgradhöhe mit dem Maat.

Die mündliche Anrede lautet Herr Seekadett, in der weiblichen Form Frau Seekadett. In der Deutschen Marine, wie auch in den Marinen der angelsächsischen Länder, ist es zudem jedoch traditionell gebräuchlich, dass Soldaten in diesem Dienstgrad von dienstgradhöheren Soldaten ohne die Dienstgradbezeichnung angesprochen werden, also z. B Herr Müller anstelle von Herr (Dienstgrad).

Der nächsthöhere Dienstgrad ist Fähnrich zur See.

Kriegsmarine bis 1945[Bearbeiten]

Rangabzeichen Seekadett OA
Nazi Kriegsmarine Oberfahnrich zur See.png
Ärmelabzeichen
Kriegsmarine rank patch Matrose 3D.svg
Laufbahnabzeichen Offizier

Bereits in der Kriegsmarine der Wehrmacht wurden analog zu Heer und Luftwaffe die Rangbezeichnung Seekadett bzw. Fahnenjunker (OR-4) verwendet. Der nächsthöhere Rang für Offiziersanwärter (OA) lautede Fähnrich zur See (OR-5), an der Spitze der Unteroffiziere ohne Portepee; disziplinarrechtlich war er jedoch den Unteroffizieren mit Portepee gleichgestellt.

Im Dezember 1920 wurde mit dem Oberfähnrich beziehungsweise Oberfähnrich zur See (OR-7) ein zweiter Fähnrich-Dienstgrad geschaffen.

Der Seekadett der Kriegsmarine war dem SS-Junker (OR-4) der Waffen-SS gleichgestellt.

Anmerkung
  • OR – steht für das en Other (enlisted) Ranks (OR)[1]
  • Rangabzeichen Seekadett: eine runde goldene Tresse, darunter der für Offiziere der Marine typische fünfzackige goldene sog. Seestern.

Kaiserliche Marine[Bearbeiten]

In der Kaiserlichen Marine waren Kadett (ab 1899 Seekadett) und der (ranghöhere) Seekadett (ab 1899 Fähnrich zur See) Dienstgrade der Seeoffizieranwärter. Das Äquivalent im Kaiserlichen Heer war für beide Seeoffizier-Anwärterdienstgrade der Portepee-Fähnrich. Der Kadett rangierte zwischen Maat und Obermaat, der Seekadett (vor der Offiziershauptprüfung) als Unteroffizier ohne Portepee zwischen Obermaat und Vizefeldwebel. Nach der Offiziershauptprüfung stand der Seekadett als sog. „Säbel-Kadett“ (ab 1899 „Säbel-Fähnrich“) unmittelbar hinter dem Feldwebel und war nun ranggleich mit dem „Degen-Fähnrich“ des Landheeres (im Unterschied zu Portepee-Fähnrich waren „Säbel-Kadett/Fähnrich“ bzw. „Degen-Fähnrich“ keine dienstlichen, sondern umgs. Bezeichnungen).

Die Ausbildung der Seekadetten dauerte rund 3 ½ Jahre. Die Bestimmungen zu den einzelnen Ausbildungsabschnitten (insbesondere zu den Bord- und Landzeiten) variierten im Lauf der Jahre. Die folgende Beschreibung gibt die Bestimmungen um das Jahr 1885 wieder: Der Anwärter wurde als Kadett (ab 1899 Seekadett) angestellt. Nach sechs Monaten praktischer Ausbildung auf einem Kadettenschulschiff und sechs Monaten Theorie an der Marineschule Kiel (seit 1910 in Mürwik) erfolgte die Ablegung der Seekadettenprüfung und die Beförderung zum Seekadett (ab 1899 Fähnrich zur See).

Während einer zweijährigen Schulschiffreise legte der Kandidat die erste Seeoffizierprüfung ab und wurde zum Unterleutnant zur See (ab 1899 Leutnant) ohne Patent befördert, wenn er a) ein günstiges Dienstzeugnis erhalten und b) ihn die Seeoffiziere seiner Marinestation für „korpsfähig“ hielten und dies in einer Wahl bekundeten (Kooptationsrecht der Offiziere).

Nach sechs Monaten praktischen Dienstes wurden die Unterleutnants zum Offizierskurs an der Marineschule kommandiert. Nach erfolgreicher Seeoffizier-Berufsprüfung erhielt der Unterleutnant das Offizierspatent. (Vgl. Allerhöchste Verordnung über die Ergänzung des Seeoffizierkorps vom 24. März 1885)
(Details zur Seeoffizier-Ausbildung nach 1900)

Uniformen[Bearbeiten]

Die Offizieranwärter (OA), auch Seeoffizieranwärter, trugen die Matrosenjacke mit drei Knöpfen auf den Ärmelaufschlägen und auf den Schultern eine schwarz-rot durchzogene Spange aus Silberlitze. Dazu ein weißes Hemd mit Eckkragen („Vatermörder“), schwarzer Binder und dunkle Hosen. Die Mütze ähnelte dem Modell der Seeoffiziere, doch fehlte beim Rangniederen die Eichenlaubstickerei um die Kokarde. Weiterhin gehörte zur Ausrüstung der Marinedolch mit weißem Elfenbeingriff angelegt, beim ranghöheren Offizieranwärter mit Portepee. Letzterem war nach bestandener Offiziersprüfung auf Antrag auch der Offizierssäbel am Offizierskoppel erlaubt.

Siehe dazu auch

Andere Länder[Bearbeiten]

In den Seestreitkräften der meisten Staaten werden in Anlehnung an die Rangbezeichnung Midshipman in anglophonen Streitkräften eigenstätige Rangbezeichnungen für Marinesoldaten während ihrer Ausbildung zum Offizier verwendet. Einige Beispiele sind nachfolgend aufgeführt:

k.u.k. Kriegsmarine[Bearbeiten]

In der k.u.k.Kriegsmarine Österreich-Ungarns war Seekadett der niedere der beiden Offizieranwärter-Dienstgrade. Der höhere Dienstgrad war dort der Seefähnrich.

Royal Navy[Bearbeiten]

Im Unterschied zur Kaiserlichen Marine kannte die sonst vielfach kopierte britische Royal Navy lange Zeit nur einen Seeoffiziersanwärter-Dienstgrad: den Midshipman, der dem deutschen Fähnrich zur See gleichgestellt war. Dieser genoss diverse Privilegien der Seeoffiziere, so das Tragen einer offiziersähnlichen Uniform und den Aufenthalt auf dem Achterdeck. Nach Bestehen des Offiziersexamens erfolgte die Ernennung zum Lieutenant (etwa Oberleutnant zur See).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Karl Hinrich Peter: Seeoffizieranwärter. Ihre Ausbildung von 1848 bis heute. Mürwik, 1969. (2009 bearbeitet mit einigen Nachträgen von 1973 von Peter Godzik: Download: PDF; 2,6 MB; 182 Seiten; online auf pkgodzik.de.)
  • Herbert Graubohm: Die Ausbildung in der deutschen Marine. Von ihrer Gründung bis zum Jahre 1914. Militär und Pädagogik im 19. Jahrhundert, Düsseldorf: Droste Verlag 1977, ISBN 3-7700-0477-9.
  • Herbert Graubohm: Historische Wurzeln der Ausbildung in der Marine. In: Werner Rahn (Hrsg.): Deutsche Marinen im Wandel. Vom Symbol nationaler Einheit um Instrument internationaler Sicherheit, München: R. Oldenbourg 2005, S. 113-126.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die im Bereich der NATO gebräuchliche Abkürzung "OR" steht für "englisch Other Ranks / französisch sous-officiers et militaires du rang / deutsch andere Ränge, Offiziere ausgenommen / russisch другие ранги, кроме офицероф".