Wassernuss

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wassernuss
Wassernuss (Trapa natans)

Wassernuss (Trapa natans)

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Myrtenartige (Myrtales)
Familie: Weiderichgewächse (Lythraceae)
Gattung: Trapa
Art: Wassernuss
Wissenschaftlicher Name
Trapa natans
L.
Frucht
Frucht
Blüte und Blätter

Die Wassernuss (Trapa natans), wie die nicht verwandte Art Eleocharis dulcis auch Wasserkastanie genannt, ist eine einjährige Wasserpflanze, die in Deutschland vom Aussterben bedroht ist und seit 1987 unter Naturschutz steht. Sie kommt in gemäßigten und subtropischen Zonen Europas, Afrikas und Asiens vor.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung [Bearbeiten]

Die Wassernuss ist eine krautige Pflanze, die in stehenden Gewässern vorkommt und in 30 bis 60 cm Tiefe im Boden verankert ist. Ihre Blattstiele haben Schwimmkörper, so dass die fächerförmigen Laubblätter rosettenartig an der Wasseroberfläche schwimmen. Die Blätter tauchen jedoch erst im Juni auf, im Herbst verfärben sie sich rot und sterben dann ab.

Die Wassernuss blüht von Juli bis August. Ihre unscheinbaren Blüten sind weiß und radiärsymmetrisch. Es entwickelt sich eine dunkelbraune, hartschalige Frucht, die an zwei, oft auch an vier Enden mit spitzen Dornen bewehrt ist, mit dem sie sich im Seegrund verankern kann und einen weißen Kern enthält, der zu 20 % aus Stärke besteht.

Ökologie [Bearbeiten]

Die Wassernuss ist eine einjährige, sommerannuelle, wurzelnde Schwimmblattpflanze mit einem 1-3 m langen, durch die Frucht ankerartig im Schlamm befestigten Stängel. Die Spaltöffnungen der Blätter liegen oberseits. Daneben gibt es zipfelige untergetauchte Blätter ohne Spaltöffnungen. An der Blattunterseite wie am Stängel finden sich Säure abscheidende Drüsen, die als Fraßschutz gegen Wassertiere gedeutet werden. Es gibt paarig angeordnete Nebenwurzlen mit je 4 Reihen grüner, photosynthetisc] aktiver Seitenwurzeln.

Die Blüten sind Nektar-führende „Kleine Trichterblumen“; Selbstbestäubung herrscht vor. Blütezeit ist von Juli bis August.

Die Früchte sind 1-samige, steinfruchtartige, zur Reife von der vergrößerten Blütenachse eingeschlossene Nüsse. Die klappenförmigen Kelchblätter wurden zu 4 (selten 2) dornartigen, mit Widerhaken besetzen Fortsätzen umgebildet, die später zur Verankerung im Boden dienen. Es findet Schwimmausbreitung, Klettausbreitung durch Wasservögel und Menschenausbreitung statt, wodurch die Pflanze zum Kulturflüchter und Kulturrelikt wurde. Fruchtreife ist von September bis Oktober. Die Samen sind Wärmekeimer und haben selbst kein Nährgewebe. Von den beiden Keimblättern dient eines als Stärkespeicher und verbleibt in der Frucht, das andere ist schuppenförmig und tritt mit dem Keimstängel aus der Frucht. In seiner Achsel entstehen neben einem Seitenspross 2 sich später ablösende, der vegetativen Vermehrung dienende Beiknospen.

Verbreitung und Lebensraum [Bearbeiten]

Die Wassernuss ist im Mittelmeergebiet, in Mittel- und Osteuropa sowie Mittel- und Südasien, auf Taiwan, Japan und in Mittelafrika zu finden.

Der bevorzugte Lebensraum sind kalkarme, aber nährstoffreiche und sommerwarme Altwässer, Humusschlammseen und Teiche. Sie ist fast nur im Tiefland in wärmebegünstigten Regionen zu finden.

Auch in Deutschland war die Wassernuss früher weit verbreitet, darauf deuten unter anderem Funde am Federsee. Matthäus Prätorius berichtete um 1690 noch von großen Vorkommen in Ostpreußen. 1962 bezeichnete Horst Koehler in Das praktische Gartenbuch den Linkehner See bei Tapiau in Ostpreußen als eines der letzten „deutschen“ Vorkommen. In Baden-Württemberg gibt es noch zwei Bestände am Altrhein Kleiner Bodensee und am Rußheimer Altrhein,[1] in Bayern im Kloster Scheyern, in Brandenburg auf der Alten Spree, die in den Schwielochsee führt[2] und in Sachsen-Anhalt im Schönitzer See. Die Wassernuss steht in Deutschland in der Roten Liste gefährdeter Arten als stark gefährdet.

Gefährdete Pflanzenart auf lettischer Briefmarke

Verwendung [Bearbeiten]

Archäologische Untersuchungen finden insbesondere in Osteuropa große Mengen von Wassernüssen, die die umfangreiche Verwendung in der Ernährung spätestens seit dem Neolithikum belegen. Auch im Umfeld der oberschwäbischen Pfahlbauten etwa am Federsee haben sie offensichtlich neolithisch eine wichtige Nahrungsgrundlage gebildet.

Die Frucht der Wassernuss ist essbar, muss jedoch erhitzt werden, um die Giftigkeit abzubauen. In Japan heißt die Pflanze hishi () und wurde auch in der Volksheilkunde eingesetzt, eine medizinische Wirkung ist jedoch bisher nicht eindeutig wissenschaftlich belegt.[3]

Sonstiges [Bearbeiten]

An den Oberflächen der Wassernuss wird in Südostasien der Riesendarmegel (Fasciolopsis buski) des Menschen und des Schweins mittels seiner Cercarien übertragen.[4] Durch Rohverzehr von Wasser- und Sumpfpflanzen können auch verschiedene andere Parasiten übertragen werden.

Die annähernd tetraederförmigen, hartschaligen Früchte der Wassernuss bleiben meist mit einer Spitze nach oben liegen, wenn sie geworfen werden. Diese Eigenschaft machten sich die japanischen Ninja zu Nutze und verstreuten die Früchte hinter sich, wenn sie von Gegnern verfolgt wurden. Es war äußerst schmerzhaft, mit den damals üblichen Strohsandalen auf diese natürlichen Krähenfüße zu treten. Auch Bucheckern wurden von Ninjas auf ähnliche Art und Weise benutzt.

2011 wurde die Wassernuss in Österreich, Deutschland und der Schweiz zur Wasserpflanze des Jahres gekürt.

Systematik [Bearbeiten]

Es sind mehrere Varietäten der Art Trapa natans L. beschrieben:

  • Trapa natans var. bispinosa (Roxb.) Makino (Syn.: Trapa bispinosa Roxb.)
  • Trapa natans var. inermis Mao
  • Trapa natans L. var. natans
  • Trapa natans var. rubeola Maxim. f. viridis Sugimoto

Literatur [Bearbeiten]

  • J. Jäggi: Die Wassernuss, Trapa natans L. und der Tribulus der Alten. Naturforschende Gesellschaft in Zürich, Zürich 1883 (Naturforschende Gesellschaft in Zürich. Neujahrsblatt 86, ISSN 0379-1327).
  • R. Düll/ H. Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder, 7. Auflage, Quelle & Meyer-Verlag, 2011, ISBN 978-3-494-01424-1

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Trapa natans – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Lebendige Rheinauen – Wassernuss
  2. Zu den Spreewiesen südlich Beeskows (PDF; 213 kB) Nabu, abgerufen am 22. September 2011
  3. Y. Hijikata, A. Yasuhara, Y. Sahashi: Effect of an herbal formula containing Ganoderma lucidum on reduction of herpes zoster pain: a pilot clinical trial. In: Am J Chin Med., 2005, 33(4), S. 517–523, PMID 16173526.
  4. Dönges: Parasitologie, 1988
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!