Wiegenbrett

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Diné-Kind in Wiegenbrett, Window Rock, Arizona, 1936

Das Wiegenbrett (englisch cradleboard) ist eine Tragevorrichtung für Säuglinge, und wurde besonders bei den Indianern Nordamerikas benutzt. Das Wiegenbrett wurde auf dem Rücken getragen, seitlich ans Pferd gehängt, im Tipi und Wigwam an Stangen befestigt, oder einfach aufrecht stehend irgendwo angelehnt. Es hatte die Form einer festen Tasche, die nur den Kopf und manchmal die Arme des Babys frei ließ. Das Wiegenbrett war im Rückenteil hinter dem Kopf gepolstert und mit Federdaunen, Moos, weichen Tierhäuten oder Baumwolle gefüttert. Je nach Stamm bestanden Wiegenbretter aus verschiedenartigen Materialien und hatten unterschiedliche Formen. Wiegenbretter bewahrte man in der Familie auf und verwendete sie immer wieder. Sie galten bei manchen Stämmen als heilig. Häufig schnitzte man die Zahl der Babys, die in ihr getragen worden waren, als Kerben hinein. Normalerweise blieb ein Baby etwa ein Jahr lang in der Wiege oder so lange, bis es laufen konnte. Starb das Baby jedoch, so wurde das Wiegenbrett häufig mit ihm bestattet.

Bei zahlreichen asiatischen Völkern gibt es ähnliche Tragevorrichtuingen für Kinder. Bei den Samen wird diese Tragewiege Komse genannt.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Ploß (1911), S. 277 u. Abb. S. 278. Zglinicki (1979), Abb. 151, ferner: Stichwort "Komse".

Literatur[Bearbeiten]

  • Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Vol. 15. Northeast. Smithsonian Institution Press, Washington D.C. 1978 ISBN 0-16-004575-4
  • Hermann Heinrich Ploß. Das Kind in Brauch und Sitte der Völker. Völkerkundliche Studien. Band 1. 3. Aufl. Leipzig 1911.
  • v. Zglinicki, Friedrich. Die Wiege. Volkskundlich - kulturgeschichtlich - kunstwissenschaftlich - medizinhistorisch. Eine Wiegen-Typologie mit über 500 Abbildungen. Regensburg 1979 ISBN 3-7917-0622-5

Siehe auch[Bearbeiten]