Wikipedia:Interessenkonflikt

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Autorenportal > Richtlinien > Grundprinzipien > Interessenkonflikt

Ein Interessenkonflikt liegt in der Wikipedia vor, wenn ein Autor eine enge persönliche Beziehung zum Gegenstand eines Artikels hat. Diese Beziehung liegt insbesondere dann vor, wenn der Autor über sich selbst, einen nahen Verwandten oder engen Freund schreibt, oder wenn der Autor vom Artikelgegenstand ökonomisch abhängig oder bevorteilt ist − zum Beispiel, wenn ein Angestellter eines Unternehmens über dieses schreiben würde. Weitere typische Interessenskonflikte können sich ergeben, wenn jemand mit sehr religiös geprägter Haltung oder einer polarisierenden politischen Position (etwa ein Kommunist oder ein „Neoliberaler“) versuchen, über diese weltanschaulichen bzw. ideologielastigen Themen zu schreiben. Alle vorgenannten Szenarien können zu einer Verletzung des Neutralitätsgebots, eines der zentralen Grundprinzipien der Wikipedia, oder zu anderen Verletzungen der Wikipedia-Richtlinien führen.

Siehst du deine Persönlichkeitsrechte durch falsche und verleumderische Informationen betroffen, solltest du den Artikel nicht selbst bearbeiten, sondern dein Anliegen auf der Diskussionsseite des Artikels schildern oder das Support-Team per E-Mail kontaktieren.

Generell ist es ratsam, keine Bearbeitungen im Interessenkonflikt vorzunehmen, und vor allem ist es sinnvoll, keine neuen Artikel im Interessenkonflikt anzulegen. Wenn du einen Artikel trotz des Interessenkonfliktes bearbeitest, drohen viele Enttäuschungen bis hin zur Löschung des Eintrags, dem Ausschluss aus der Community und im Einzelfall sogar ein öffentlicher Skandal bis hin zu Gerichtsverfahren. Um dies zu vermeiden, empfiehlt es sich, folgende Hinweise und Regeln zu beachten.

Risiken

  1. Alle Einträge in Wikipedia werden von den anderen Teilnehmern beobachtet und regelmäßig auch verändert. Jeder Eintrag wird einer – manchmal auch drastisch formulierten – internen Kritik ausgesetzt, die dann mitunter öffentlich in Suchmaschinen erscheint. Dies kann letztlich alles andere als werbewirksam sein. Beiträge von Selbstdarstellern prüfen die Wikipedia-Teilnehmer erfahrungsgemäß besonders kritisch und mit viel Misstrauen, die Kritik ist hier oftmals harscher als in anderen Fällen.
  2. Für Unternehmen kann die Mitarbeit in Wikipedia einen unlauteren Wettbewerb darstellen. Unternehmen, die im Bereich der Europäischen Union gewerblich tätig sind, sollten die Regelungen zum unlauteren Wettbewerb aus dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und der Richtlinie 2005/29/EG (Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken) beachten. Siehe auch OLG München · Urteil vom 10. Mai 2012 · Az. 29 U 515/12 und Wettbewerbsverstoß: Verschleierte Werbung in Wikipedia-Eintrag trotz zugehöriger Diskussionsbeiträge. Auch der Tatbestand der Behinderung eines Mitbewerbers (§4 UWG Abs. 10) kann durch das Bearbeiten eines Wikipedia-Artikels erfüllt sein, wie beispielsweise 2011 ein französisches Gericht entschieden hatte. Das Urteil hätte auch nach deutschem Wettbewerbsrecht ergehen können. Der auf das Wettbewerbsrecht spezialisierte Rechtsanwalt Jens Ferner kommt aufgrund des Urteils vom OLG München zu dem Schluss: „(...) derzeit ist Unternehmen nur abzuraten, selber Änderungen an Artikeln vorzunehmen – seien es produkt-/unternehmensbezogene oder auch allgemeine Artikel.“ (Stand 2013)

Wir raten – oft auch im Interesse des Betroffenen – von Eigendarstellungen dringend ab. Dagegen ist die Mitarbeit bei Artikeln aus dem entsprechenden Fachgebiet willkommen, solange sie die unter "Hinweise für die Unerschrockenen" genannten Punkte beherzigt.

Hinweise für die Unerschrockenen

Beim Schreiben sollte man insbesondere beachten:

  1. Lege deine Beziehung zum Artikelgegenstand offen und dokumentiere sie auf deiner Benutzerseite. Falls der Name deines Benutzerkontos den Eindruck erweckt, du wärst eine bekannte Persönlichkeit oder würdest für ein Unternehmen arbeiten, bietet sich dazu besonders die Benutzerverifizierung an.
  2. Vor dem Anlegen eines neuen Artikels ist es angeraten, zu prüfen, ob der Artikelgegenstand überhaupt die Relevanzkriterien erfüllt. Hilfe dazu gibt es beim Relevanzcheck.
  3. Wikipedia-Artikel sollten stets durch zuverlässige Quellen belegt sein. Die eigene Homepage reicht nicht aus, es müssen externe Belege (z. B. in Fachzeitschriften) angegeben werden.
  4. Suche selbst aktiv nach einer relevanten Kritik und lasse sie in den Artikel einfließen, um einen möglichst neutralen Standpunkt zu erreichen.
  5. Frage andere nach Feedback, sowohl zu fertigen Artikeln als auch zu Entwürfen oder (Abschnitts-)Überarbeitungen von bestehenden Artikeln: Entwürfe kannst du auf den Diskussionsseiten oder in deinem Benutzernamensraum zur allgemeinen Einsicht anlegen. Anlaufstellen für Feedback sind dein Bekanntenkreis, die Mentoren oder unter Umständen auch der „Review“ und die „dritte Meinung“.
  6. Unter „Weblinks“ kann man die Adresse der eigenen Homepage eintragen. Mehr als eine eigene Homepage-Adresse einzubinden, ist nicht erlaubt. Weblinks zu Webseiten, auf denen vor allem Produkte oder Dienstleistungen verkauft werden (z. B. Internetshops) oder die in überdurchschnittlichem Maße Werbung enthalten, entsprechen nicht den Prinzipien und Regeln der Wikipedia. Gleiches gilt für Weblinks zu Internetseiten, deren Betrachtung eine Bezahlung erfordert. Siehe auch Richtlinien für externe Verlinkungen.
  7. Werden Inhalte verwendet, die bereits an anderer Stelle (z. B. der Firmen-Website) zu finden sind, könnte dies zu den Problemen führen, die unter Wikipedia:Urheberrechte beachten aufgelistet sind. Nur in den seltensten Fällen ist es sinnvoll, Texte für die Wikipedia zu übernehmen, die für einen anderen Zweck entstanden sind.

Eigene Dokumente

Interessenskonflikte sind nicht nur auf Artikelgegenstände beschränkt, sondern schließen auch – in beliebigen Artikeln – die Nennung selbstgestalteter (externer) Dokumente ein, z. B. Literatur, Websites, Belege. Grundsätzlich ist in Wikipedia-Artikeln die Erwähnung hilfreicher Dokumente erwünscht. Diese sollten jedoch nicht von deren Urhebern, sondern von Unabhängigen hinzugefügt werden, die von ihrem neutralen Standpunkt aus zur Einschätzung gekommen sind, dass dadurch der betroffene Artikel verbessert wird.

Wer seine eigenen Werke für hinreichend geeignet hält, sollte vor dem Hinzufügen solcher Verweise Rücksprache mit anderen Wikipedianern halten (z. B. auf der zum Artikel gehörigen Diskussionsseite, in einem passenden Portal, einer Redaktion oder auf Wikipedia:Fragen zur Wikipedia). Andernfalls läuft der Betreffende Gefahr, als „Spammer“ oder „Selbstdarsteller“ angesehen zu werden.

Hinweise für Wikipedianer

Wikipedianer, die einen Text eines Selbstdarstellers entdecken, sollten zunächst prüfen, ob der vorliegende Text überhaupt die Basis für einen brauchbaren Artikel darstellen kann. Bei fehlender Relevanz oder nicht erhaltenswerten Texten ist ein Löschantrag zu stellen. Texte, die offensichtlich und überwiegend eine Werbung für ein Unternehmen oder ein spezielles Produkt darstellen und keine enzyklopädisch verwertbaren Inhalte enthalten, können auch zur Schnelllöschung vorgeschlagen werden.

Ansonsten ist zu überarbeiten. Selbstdarstellungen sind häufig sehr detailliert, aber fast nie im Sinne des neutralen Standpunktes verfasst, und meist fehlen unabhängige Belege. Was unbelegt, zweifelhaft oder nebensächlich ist, soll gekürzt werden. Wenn am Ende ein gesicherter Kurzartikel übrigbleibt, ist das besser, als wenn Falschinformationen oder Werbung im Artikel stehenbleiben.

Mängel im Artikel können mit Bewertungsbausteinen kenntlich gemacht werden. Besser ist es, stattdessen die Artikelqualität zu verbessern, selbst wenn das durch Kürzung geschieht.

Siehe auch

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