Wilhelm Traugott Krug

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wilhelm Traugott Krug (1770–1842)

Wilhelm Traugott Krug (* 22. Juni 1770 in Radis; † 12. Januar 1842 in Leipzig) war ein deutscher Philosoph.

Biografie[Bearbeiten]

Grabstätte Wilhelm Traugott Krug auf dem Alten Johannisfriedhof in Leipzig
Detail vom Grabstein Krug

Geboren als Sohn des Pächters des Rittergutes in Radis, des späteren Kammergutsverwalters in Strohwalde und Rentamtmeisters in Gräfenhainichen Johann Christian Krug und seiner Frau Christiane (geb. Steude) besuchte er die Landesschule Pforta, wo er eine gründliche Ausbildung erlangte. Nach einem Studium der Philosophie und Theologie 1788 an der Universität Wittenberg, 1792 an der Universität Jena und 1794 an der Universität Göttingen, habilitierte sich Krug 1794 in Wittenberg als Adjunkt. Er hielt Vorlesungen über Philosophie und Enzyklopädie. Mit einem weiteren Lehrauftrag ging er 1801 als außerordentlicher Professor nach Frankfurt (Oder). Dort lernte er Charlotte Wilhelmine von Zenge kennen und heiratete sie am 8. Januar 1804 in der St. Marienkirche Frankfurt (Oder). Diese wiederum war seit 1800 verlobt mit dem Dichter Heinrich von Kleist.

Im darauf folgenden Jahr kam ihr gemeinsamer Sohn August Otto Krug zur Welt. Ab 1805 war Traugott Krug als Kants Nachfolger Professor in Königsberg. Seit 1809 wirkte er in Leipzig, wo er als Rittmeister unter den sächsischen reitenden Jägern in den Befreiungskriegen mitwirkte, 1830 das Rektorat der Universität verwaltete und – 1834 auf seinen Wunsch in Ruhestand versetzt – als philosophischer, publizistischer und rationalistisch-theologischer Schriftsteller, 1833 auch als liberaler Deputierter bis zu seinem Tod tätig war. Als Vertreter der Leipziger Universität war er 1833/34 Abgeordneter der I. Kammer des ersten konstitutionellen Sächsischen Landtags.[1] Er war Mitglied der Leipziger Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen. 1841 wurde ihm die Ehrenbürgerwürde Leipzigs verliehen.

Unter dem Rektorat von Krug 1830 wurde in Leipzig die tradierte Einteilung der Universität in die nationes aufgehoben und die Universitätsverfassung an die neue Staatsverfassung angepasst.

Zu seinen Studenten zählten die späteren Komponisten Robert Schumann und Richard Wagner.[2]

Philosophie[Bearbeiten]

Die Grundidee seines philosophischen Systems, welches er in seiner „Fundamentalphilosophie“ (Züllichau 1803; 3. Auflage, Leipzig 1827) als transzendentale Synthese des Seins und Wissens ('Transzendentaler Synthetismus') bezeichnet, ist, dass weder der Realismus noch der Idealismus die Vernunft befriedige, daher ein drittes System, welches von der ursprünglichen Verknüpfung des Seins und des Wissens im Bewusstsein als einer transzendentalen Synthese ausgehe, das allein zulässige sei.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Grundlinien zu einer allgemeinen deutschen Republik gezeichnet von einem Märtyrer der Wahrheit; Altona und Wien, 1797
  • Fundamentalphilosophie; Züllichau 1803, 3. Auflage, Leipzig 1827
  • System der theoretischen Philosophie; Königsberg 1806-10, 3 Bände; 1. Band, 3. Auflage 1825; 2. Band, 3. Auflage 1830; 3. Band, 2. Auflage 1823
  • Geschichte der Philosophie alter Zeit; Leipzig 1815, 2. Auflage 1826
  • System der praktischen Philosophie; Königsberg 1817-19, 3 Bände; 2. Auflage 1829-38
  • Handbuch der Philosophie und philosophischen Literatur; Leipzig 1820-21, 2 Bände; 3. Auflage 1828
  • Geschichtliche Darstellung des Liberalismus alter und neuer Zeit; Leipzig 1823
  • Grundlage zu einer neuen Theorie der Gefühle und des sogenannten Gefühlvermögens; Königsberg 1824
  • Dikäopolitik, oder neueste Restauration des Staats mittels des Rechtsgesetzes; Leipzig 1824
  • Allgemeines Handwörterbuch der philosophischen Wissenschaften nebst ihrer Literatur und Geschichte; Leipzig 1827-28, 4 Bände; 5. Band 1829-34; 2., verbesserte und vermehrte Auflage 1832-1838. - Reprint der 2. Aufl.: Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1970, ISBN 978-3-7728-0209-6
  • Universalphilosophische Vorlesungen für Gebildete beiderlei Geschlechts; Neustadt an der Orla 1831
  • Schelling und Hegel. Oder die neueste Philosophie im Vernichtungskriege mit sich selbst begriffen; Leipzig 1835 (komplett bei Google Books)
  • Gesammelte Schriften; Braunschweig und Leipzig 1830-1841, 12 Bände

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Josef Matzerath: Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte – Präsidenten und Abgeordnete von 1833 bis 1952, Sächsischer Landtag 2001, S. 45
  2. Mario Todte: Robert Schumann und die Universität Leipzig 1828/29, in: Der "akademische" Schumann und die Jenaer Promotion von 1840, (Schriftenreihe des Universitätsarchivs Leipzig Bd. 14), hrsg. von Joachim Bauer und Jens Blecher, Leipzig 2010, S. 9-22.