Gräfenhainichen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gräfenhainichen
Gräfenhainichen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gräfenhainichen hervorgehoben
51.72916666666712.45555555555690Koordinaten: 51° 44′ N, 12° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Wittenberg
Höhe: 90 m ü. NHN
Fläche: 158,9 km²
Einwohner: 12.528 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 06772, 06773
Vorwahl: 034953
Kfz-Kennzeichen: WB, GHC, JE
Gemeindeschlüssel: 15 0 91 110
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
06773 Gräfenhainichen
Webpräsenz: graefenhainichen.de
Bürgermeister: Harry Rußbült (Die Linke)
Lage der Stadt Gräfenhainichen im Landkreis Wittenberg
Brandenburg Sachsen Dessau Landkreis Anhalt-Bitterfeld Annaburg Bad Schmiedeberg Coswig (Anhalt) Gräfenhainichen Jessen (Elster) Kemberg Oranienbaum-Wörlitz Lutherstadt Wittenberg Zahna-Elster Zahna-ElsterKarte
Über dieses Bild
Panorama bei Nacht
Stadtkirche Sankt Marien

Gräfenhainichen ist eine Stadt im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt Gräfenhainichen liegt jeweils ca. 25 km südwestlich von Wittenberg, südöstlich von Dessau und nordöstlich von Bitterfeld am Rande der Dübener Heide.

In der Nähe wurde im Zuge der Umgestaltung des ehemaligen Braunkohle-Tagebaus Golpa-Nord der Gremminer See geschaffen, an dessen Ufer sich das Industriedenkmal Ferropolis befindet. Am Südrand der Stadt findet sich außerdem der Gröberner See, der ebenfalls aus einem ehemaligen Tagebau entstanden ist.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Als Ortsteile der Gemeinde sind ausgewiesen:[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Gräfenhainichen wurde 1285 erstmals urkundlich als Lehen des Grafen Albrecht II. von Anhalt erwähnt. Der Ort hieß anfangs zu dem Hayne, dann Gravenalbrechtshayn, woraus schließlich der heutige Name entstand. 1454 wurden die Stadtrechte bestätigt, nachdem alle Urkunden von einem Feuer vernichtet worden waren. 1607 wurde der bedeutendste Sohn der Stadt, der evangelisch-lutherische Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt, geboren. 1637 erreichten die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auch Gräfenhainichen, das von schwedischen Truppen fast vollständig zerstört wurde.

Der Ortsteil Schköna war 1664 von Hexenverfolgung betroffen. Dorothea, Frau von Veit Tengel, geriet in einen Hexenprozess und erlitt den Feuertod.[3]

Nachdem 1859 die Bahnstrecke Wittenberg–Bitterfeld eingeweiht worden war, siedelten sich wegen der verkehrsgünstigen Lage immer mehr Industriebetriebe an. 1874 wurde die erste Druckerei gegründet. Bis 1990 arbeiteten in Gräfenhainichen teilweise bis zu vier Druckereien. Seit 1890 wurde in der Nähe von Gräfenhainichen, zunächst im Tiefbau, später im Tagebau Braunkohle gefördert.

Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurde im Betrieb Stolzenberg am Bahnübergang Richtung Gröbern durch die SA eines der frühen Konzentrationslager eingerichtet, in denen Mitglieder und Funktionäre der Arbeiterorganisationen terrorisiert wurden. Im August 1933 wurden die Häftlinge in das KZ Lichtenburg überstellt. Während des Zweiten Weltkrieges mussten zahlreiche Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern in der Elektrowerke AG und in der Grube Golpa Zwangsarbeit verrichten.

1952 wurde Gräfenhainichen Kreisstadt des damaligen Kreises Gräfenhainichen im Bezirk Halle für drei Städte und 27 Gemeinden (ab 1982 nur noch 26, da die Gemeinde Gremmin dem Braunkohlenabbau zum Opfer fiel).

Nach dem Ende der DDR, der Auflösung des Bezirkes Halle und der Wiedererrichtung des Landes Sachsen-Anhalt wurde der Kreis Gräfenhainichen bis zum 30. Juni 1994 erhalten. Im Zuge der Kreisgebietsreform 1994 verlor Gräfenhainichen den Status einer Kreisstadt. Bis 2010 war die Stadt der Sitz des Verwaltungsamtes der Verwaltungsgemeinschaft Tor zur Dübener Heide.[4]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 2007 wurde die Gemeinde Jüdenberg eingemeindet.[5] Möhlau, Schköna, Tornau und Zschornewitz wurden 2011 durch das Gesetz über die Neugliederung der Gemeinden im Land Sachsen-Anhalt eingemeindet.[4]

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 40,2 %
 %
50
40
30
20
10
0
42,9 %
38,2 %
8,2 %
8,0 %
2,7 %
Rathaus Gräfenhainichen

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat Gräfenhainichen besteht aus 28 Mitgliedern und dem Bürgermeister:

  • 12 CDU / UBG (Unabhängige Bürgergemeinschaft Dübener Heide) / FDP
  • 10 Die Linke
  • 4 WGM (Wählergemeinschaft Möhlau)
  • 2 SPD

Die letzte Stadtratswahl fand am 7. November 2010 statt.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 17. Dezember 1993 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt.

Blasonierung: „In Silber zwei rote, durch eine Mauer verbundene, schwarz gefugte Türme mit schwarzen Dächern, wachsend aus einem goldenen Schild mit schwarzem Löwen, umrahmt von zwei grünen Lorbeerzweigen.“[6]

Die Türme symbolisieren in stilisierter Form die zwei Gräfenhainicher Stadttürme, die dazwischen liegende Mauer die Stadtmauer. Der meißnische Löwe als altes wettinisches Hoheitszeichen kennzeichnet die etwa 450-jährige Zugehörigkeit der Stadt zur markmeißnischen Landesherrschaft bzw. zu Kursachsen. Die Lorbeerranken gehen auf die ursprüngliche Damaszierung zurück.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Partnerschaften bestehen mit den Städten:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

→ Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Gräfenhainichen

  • Ferropolis: Freilichtmuseum und Veranstaltungsort, Bergbau- und Erlebnisbahn
  • Paul-Gerhardt-Kapelle: Gedächtniskapelle zu Ehren Paul Gerhardts, Grundsteinlegung am 9. Mai 1830, am 21. Oktober 1844 eingeweiht, im Mai 1992 als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum wiedereröffnet
  • Paul-Gerhardt-Haus (Karl-Liebknecht-Straße 17):, 1907–09 zum Gedächtnis an den 300. Geburtstag Paul Gerhardts als christliches Vereinshaus gebaut
  • Paul-Gerhardt-Denkmal (am Paul-Gerhardt-Haus): 1911 vom Bildhauer Friedrich Johannes Pfannschmidt geschaffen
  • Schlossruine: heute Veranstaltungsareal
  • Ehrenmal auf dem Städtischen Friedhof für die Opfer des Faschismus (1996 neu gestaltet) mit Skulptur und Schrifttafeln, u. a. für 18 sowjetische Opfer von Zwangsarbeit
  • Gedenktafel an der Grabstelle von zwei jüdischen Pogromopfern der jüdischen Landwirtschaftsschule Bomsdorf
  • Grabstätten auf dem Friedhof des Ortsteiles Strohwalde am Schleesener Weg für zwei namentlich bekannte sowjetische bzw. polnische Opfer von Zwangsarbeit aus dem Dorf Gremmin, das dem Braunkohletagebau weichen musste
  • Kursächsische Postdistanzsäule, rekonstruiert mit dem Originalschriftblock von 1728, diente - bis heute gut sichtbar - jahrzehntelang als Treppenstufe
  • Wasserturm
  • Buchdruckmuseum
  • Bockwindmühle

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Straße[Bearbeiten]

Gräfenhainichen liegt an der Bundesstraße 107 von Oranienbaum nach Bad Düben, an der Bundesstraße 100 von Wittenberg nach Bitterfeld und an der Landesstraße 136 nach Zschornewitz. Die Bundesautobahn 9 (MünchenBerlin), Anschlussstelle Dessau-Ost, ist ca. 17 km entfernt.

Schiene[Bearbeiten]

Der Bahnhof Gräfenhainichen liegt an der Bahnstrecke Berlin–Halle und wird von Regionalbahnen der DB Regio fahrplanmäßig angefahren.

Bus[Bearbeiten]

Seit dem 1. Juli 2008[7] verkehrt der Landesbus 331 über Oranienbaum nach Dessau, betrieben von dem Vetter Busunternehmen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gräfenhainichen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Gräfenhainichen – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2012 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Stadt Gräfenhainichen (PDF; 690 kB)
  3. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 471f.
  4. a b Gesetz über die Neugliederung der Gemeinden im Land Sachsen-Anhalt betreffend den Landkreis Wittenberg (GemNeuglG WB)
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
  6. Genehmigungsurkunde vom 17. Dezember 1993 durch das Regierungspräsidium Dessau
  7. Landesnetz: Linie 331 im Landkreis Wittenberg verknüpft Bahn und Bus