William Cullen

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William Cullen

William Cullen (* 15. April 1710 in Hamilton, Lanarkshire; † 5. Februar 1790 in Kirknewton) war ein schottischer Mediziner und Chemiker.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

1751 wurde Cullen Regius Professor of Medicine and Therapeutics an der University of Glasgow, 1755 wurde er Professor für Chemie und Medizin an der University of Edinburgh. Im Jahr 1773 wurde er zum Präsidenten des Royal College of Physicians in Edinburgh ernannt und 1777 zum Fellow of the Royal Society of London gewählt. Cullen war Nachfolger von Robert Whytt (1717-1766). Die Universität Edinburgh wurde damals in Europa als führend auf dem Gebiet der Medizin angesehen. Whytt hatte aufbauend auf den Lehren des als „Vater der Neurologie“ betrachteten Thomas Willis (1621-1675) und derjenigen von Thomas Sydenham (1624-1689) eine Nerventheorie entwickelt, die zur pathogenetischen Grundlage der gesamten Krankheitslehre gemacht wurde. Der Empirismus der schottischen Philosophie kam den Erfolgen der Naturwissenschaften entgegen.

Cullens Werk Synopsis Nosologicae Medicae gilt als ein Vorläufer der ICD[1].

1776 wurde von Cullen der Begriff Neurose eingeführt. Mit diesem Begriff sollten in Abgrenzung von Neuritis alle nichtentzündlichen Erkrankungen des Nervensystems bezeichnet werden. Damit waren auch psychische Störungen gemeint.[2] Dies bedeutet nicht, dass mit dem von Cullen geprägten Begriff der Neurose auch schon eine Bedeutung von Neurose in unserem heutigen Sinne festgelegt wurde, etwa im Sinne der „Sprechstundenpsychiatrie“ bzw. der kleinen Psychiatrie. Vielmehr legte Cullen in seiner Krankheitseinteilung großen Wert auf die Neurophysiologie. Deren für die damalige Zeit neuartige Ergebnisse hatten mit Arbeiten von Georg Ernst Stahl (1659-1734), Friedrich Hoffmann (1660-1742) und Albrecht von Haller (1708-1777) eine europaweite Kontroverse ausgelöst.[3] [4] Cullens Hauptwerke waren First Lines of the Practice of Physic; Institutions of Medicine (1710) und Synopsis Nosologiae Methodicae (1785), in denen er eine nosologische Einteilung der Krankheiten in vier große Gruppen vornahm. Diese Gruppen waren:

  • Pyrexiae, d. h. fieberhafte Krankheiten wie z. B. Typhus
  • Neuroses, d. h. Nervenkrankheiten wie z. B. Epilepsie
  • Cachexiae, d. h. Krankheiten mit schlechter körperlicher Allgemeinverfassung (Kachexie) wie z. B. Skorbut
  • Locales, d. h. lokale Krankheitsursachen wie z. B. Krebs.

Damals ging man dazu über, psychische Krankheiten wie z. B. Hysterien nicht mehr in der Gebärmutter zu lokalisieren oder sie als unheilbare Besessenheit zu betrachten. Man fasste sie mehr und mehr als Nervenkrankheiten auf. Dennoch wurde Cullen von Philippe Pinel kritisiert, da er wie auch Erasmus Darwin, schon einfache Laster als Geisteskrankheiten ansah. Pinel sagte: „Ce serait convertir en Petites Maisons nos cités les plus florissantes.“ (Dies würde bedeuten, unsere blühendsten Städte in Privatirrenhäuser umzuwandeln.) Cullen vertrat mit dem Prinzip der Erziehung eine ähnliche Auffassung, wie sie sogar von Pinel selbst propagiert wurde und in Deutschland vor allem von der Gruppe der Psychiker aufgegriffen wurde. Nur war Pinel eher ein pragmatischer Charakter.[3]

Künstliche Kühlung[Bearbeiten]

Im Jahre 1756 experimentierte Cullen mit Diethyläther, welches er durch Unterdruck zum Verdampfen brachte. Der Umgebung des Reaktionsgefäßes wurde Wärme entzogen und es entstanden geringe Mengen Eis. Eine wirtschaftliche Bedeutung erlangten die Erkenntnisse dieses Experiments nicht.

Portrait des reifen William Cullen. Ölgemälde eines unbekannten Künstler

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. WHO (PDF; 152 kB)
  2. Bräutigam, Walter: Reaktionen, Neurosen, Psychopathien. Ein Grundriß der kleinen Psychiatrie. dtv und Georg Thieme, Stuttgart 1968, Seite 70
  3. a b Erwin H. Ackerknecht: Kurze Geschichte der Psychiatrie. Enke, Stuttgart 31985, ISBN 3-432-80043-6, Seiten 37, 43 (a); 42 f. (b);
  4. Dörner, Klaus: Bürger und Irre, Zur Sozialgeschichte und Wissenschaftssoziologie der Psychiatrie. [1969] Fischer Taschenbuch, Bücher des Wissens, Frankfurt / M 1975, ISBN 3-436-02101-6, Seiten 62-65, 67, 71, 80, 122, 152, 154f, 203