William George Browne

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William George Browne (* 1768; † 1813 im Iran) war ein englischer Reisender, der als Privatier Ägypten und Darfur erkundete.

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn eines Weinhändlers in London, der aus einer in Cumberland ansässigen Familie stammte, genoss William George Browne eine ausgezeichnete Schulausbildung durch Privatlehrer sowie die Möglichkeit eines Studiums am Oriel College in Oxford. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften sollte er ein öffentliches Amt übernehmen, doch die Ära der Französische Revolution machte ihn zum Freidenker. Damit schwanden die Chancen seiner angestrebten Karriere. Als sein Vater 1791 starb, erbte der 23-jährige dessen Vermögen, verzichtete auf einen Studienabschluss und folgte seiner Neigung zu Entdeckungsreisen.

Reisen in Ägypten und nach Darfur[Bearbeiten]

1791 war in London der Bericht von James Bruce über seine Expedition ins Gebiet der Nilquellen gerade erschienen und wurde kontrovers diskutiert. Unter anderem, weil Bruce in Khartum, einen bedeutenden Nebenlauf des Stroms vernachlässigend, den östlichen Flusslauf zum Hauptstrom erklärt hatte. Dessen Ursprung stand - so die damalige Kenntnis - möglicherweise im Zusammenhang mit dem Strom, an dem Timbuktu liegen sollte.

Solchermaßen angeregt verfiel Browne auf die Idee, das Geheimnis der Quelle des Nils zu lüften. Kurzerhand buchte er eine Passage nach Ägypten. Den Versuch, mit dem Präsidenten der African Association, Sir Joseph Banks über ein solches Vorhaben zu sprechen, gab er ungeduldig auf, als er ihn nicht zuhause antraf. Browne begab sich im Dezember 1791 an Bord eines Handelsschiffes, das ihn nach Alexandrien brachte.

Bereits wenige Wochen nach seiner Ankunft schloss er sich am 2. Februar 1792 einer Karawane an, um die so genannte Ammon-Oase zu suchen. Dort hoffte er, Hinweise auf die von Alexander dem Großen im Jahre 331 v. Chr. aufgesuchte Orakelstätte zu stoßen, Reste des Jupiter-Ammon-Tempels zu finden. Siwa sei die dafür infrage kommende Region, so die Mutmaßung. Browne durchforschte das Gebiet der Oase und fand tatsächlich in Umm Ubaida 400 Meter südlich von Aghurmi Ruinen eines ägyptischen Tempels, den er fälschlich für den Orakel-Tempel hielt, und schuf die Grundlage für eine Verifizierung der Identität von Ammon-Oase und Siwa-Oase. Besonders bemerkenswert ist, dass der juristisch ausgebildete und aus eigenem Antrieb Reisende geographische Koordinaten bestimmen konnte. Für Umm Ubaida in der Siwa-Oase fand er 29° 12' N und 44° 54' O (bezogen auf den Nullmeridian von Ferro, der Kanarischen Insel Hierro). Das ist hinsichtlich der seinerzeit äußerst komplexen Bestimmung der Längengradmessung erstaunlich genau.

Von Fieber und Ruhr geplagt kam Browne am 2. April 1792 von Siwa erschöpft nach Alexandrien zurück. Bereits nach einem Monat setzte er seine Reise fort, ritt zu Pferde nach Rosette, dessen Gegend er als schön und fruchtbar lobt, nach Abukir, weiter nach Terené und von dort per Boot nach Bulak, dem Hafen vor al-Qahira (Kairo). Mitte Mai angekommen hielt er sich im Wesentlichen dort während der Sommermonate auf. Durch ausgedehnte Exkursionen lernte er unter anderem das Fayyum und Sues kennen. Er befuhr den Nil bis hinauf nach Assuan und kehrte entlang der Küste des Roten Meeres zurück, nachdem ihm eine Weiterreise nach Nubien vorübergehend zu gefährlich erschien.

Bei einem erneuten Versuch, sein erklärtes Ziel, den westlichen Quellfluss des Nil zu erforschen, ließ sich Browne von Kairo aus bis Asyut segeln. Dort schloss er sich einer Handelskarawane an, die ihn über Wahat Selima und Malha nach Darfur brachte. Ein dort herrschender Scheich hielt ihn fest, doch schließlich gelangte Browne über Syrien und Konstantinopel nach Europa zurück. Er nahm den Weg über Wien, Prag, Dresden, Leipzig, Potsdam und traf aus Hamburg kommend an Bord eines Seglers nach beinahe siebenjähriger Abwesenheit im September 1796 wieder in London ein. Er schrieb einen detailreichen Bericht seiner Reise, der 1799 gedruckt wurde. Er ergänzte seine Arbeit für eine zweite Auflage. Sein neues Reiseziel lautete Samarkand.

Reise nach Vorderasien[Bearbeiten]

Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bereiste Browne die Levante, hielt sich im Osten der Türkei auf und kam 1812 nach Armenien. In der Nähe von Tabriz im Iran starb er 1813 ausgeraubt durch Mörderhand.

Werke[Bearbeiten]

  • W. G. Browne: Travels in Africa, Egypt and Syria. London 1799 und 1806.
  • NN (Übers.): W. G. Browne: Reisen in Africa, Aegypten und Syrien. Bibliothek der neuesten Reisebeschreibungen, Bd. 1, Weimar 1800.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf Schulte: Browne und Hornemann in der Oase Siwa, in: Hildesheimer Universitätsschriften, Bd. 11 (2002), S. 149-161.