James Bruce

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James Bruce

James Bruce of Kinnaird (* 14. Dezember 1730 bei Kinnaird, Grafschaft Stirling in Schottland; † 27. April 1794 ebendort) war ein schottischer Naturwissenschaftler und Reisender. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Bruce“. James Bruce war eine auffällige Erscheinung (1,93 m) und mit außergewöhnlicher Begabung ausgestattet: Er sprach 11 Sprachen, war ein guter Geograph, Astronom, Historiker, Linguist, Botaniker, Ornithologe und Kartograph. Auch in der Medizin kannte er sich aus.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Bruce entstammte einem alten, schottischen Adelsgeschlecht. Seine Schulbildung erhielt er in Harrow und Edinburgh, wo er auch von 1747 bis 1750 Rechtswissenschaften studierte. Danach ging er nach London und arbeitete in einer Weinhandlung. Mit 24 Jahren heiratete er und führte die Weinhandlung seines Schwiegervaters. Nach dem Tod seiner Frau im gleichen Jahr gab er seine Tätigkeit auf und widmete sich mathematischen und astronomischen Studien in Spanien und Portugal. Er erlernte die arabische Sprache und bekam 1762 eine Stelle als Konsul beim Bey von Algier. Nach mehreren Reisen sowohl ins Innere Afrikas als auch an die Küsten des Mittelmeers ging er 1767 nach Asien und besuchte Baalbek und Palmyra. Er machte von den wichtigsten Denkmälern des Altertums Zeichnungen, die er der Königlichen Bibliothek in Kew schenkte.

Im Frühjahr 1768 begann er in Kairo mit den Vorbereitungen zu seiner großen Reise auf der Suche nach den Quellen des Nil. Der italienische Künstler Luigi Balugani sollte ihn als Assistent begleiten. Mit Unterstützung des Mamlukenherrschers Ali Bey reiste er z.T. als Türke verkleidet und verfolgte den Lauf des Nils stromaufwärts. Seine Expedition endete im Jahr 1773. Bruce besuchte Theben und das Tal der Könige, wo er einige Reliefs abzeichnete. Besonders bekannt wurden seine Zeichnungen aus dem Grab des Ramses III., das damals zwar offen, aber nicht dokumentiert war. Fortan hieß dieses Grab Bruces Grab. Er reiste weiter bis nach Assuan, kehrte nach Qena zurück und reiste mit einer Karawane bis Kosseir am Roten Meer. Als türkischer Seemann setzte er im Mai 1769 nach Dschidda über und hielt sich einige Monate in Arabien auf. Im September fuhr er mit dem Schiff nach Massaua. Von da brach er nach Abessinien auf. Seine Reise führte ihn über Aksum und Sire, von da aus südlich durch das Fluss-System des Atbara nach Gondar, der damaligen Hauptstadt von Abessinien, wo er Februar 1770 ankam.

In Gondar erregte er durch seine Körpergröße, sein selbstsicheres Auftreten und durch die Beherrschung der Landessprache Amharisch einiges Aufsehen. Er erwarb sich beim Ausbruch der Blattern großes Ansehen bei der Behandlung der Krankheit. Der äthiopische Kaiser Tekle Haymanot II. nahm ihn in seine Dienste. Über drei Jahre lang blieb er in Äthiopien, besuchte dabei auch die Quellen des östlichen Nilarms und umrundete den Tanasee. Er reklamierte die Erstentdeckung der Quellen für sich, obwohl diese schon 1618 vom portugiesischen Priester Pedro Páez entdeckt wurde, und auch später vom portugiesischen Priester Jerónimo Lobo 1622 aufgesucht und beschrieben wurden. James Bruce bezweifelte allerdings deren Berichte, da sie den genauen Punkt nicht mittels astronomischer Geräte vermessen hatten und ihre Berichte auch Übertreibungen enthielten. [1] 1772 brach er zu seiner Rückreise auf. Sie führte ihn westlich bis zum Blauen Nil und von da flussabwärts über Schandi bis zum 5. Katarakt, wo er auf den Karawanenenweg durch die Nubische Wüste abzweigte. Von Wasserstelle zu Wasserstelle ging es nordwärts bis Assuan. Mit dem Schiff setzte seine Reise bis nach Alexandria fort, wo er 1773 anlangte. Auf der gesamten Reise wurde er von Balugani begleitet.

Schließlich kehrte er nach elf Jahren Abwesenheit nach Schottland zurück, wo er sein Hauptwerk Travels to discover the sources of the Nile. 5 Bde. (Edinburgh 1790) veröffentlichte. Die äthiopischen Handschriften, u.a. das Henochbuch, und der nach ihm benannte Codex Brucianus, die Bruce mitgebracht hatte, eröffneten völlig neue Perspektiven für die Erforschung der Gnosis und der äthiopischen Sprachen und stellten diesen Zweig der Orientalistik auf eine viel sicherere Basis.

James Bruce starb am 27. April 1794 in Kinnaird.

Ehrungen[Bearbeiten]

1776 wurde Bruce als Mitglied („Fellow“) in die Royal Society gewählt. Ihm zu Ehren wurde die Gattung Brucea J.F.Mill. der Pflanzenfamilie der Bittereschengewächse (Simaroubaceae) benannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reisen zur Entdeckung der Quellen des Nils. Übersetzt von Johann Jacob Volkmann, 5 Bände, Weidmann, Leipzig 1790–1791 (Online: ULB Münster).
  • Zu den Quellen des Blauen Nils: Die Erforschung Äthiopiens 1768 - 1773 (= Alte abenteuerliche Reiseberichte.). Edition Erdmann, Stuttgart 2000, ISBN 978-3-522-60031-6.
  • James Bruce. In: Encyclopædia Britannica. 11. Auflage. Bd 4. London 1910–1911, S. 676.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Konzelmann: Der Nil - Heiliger Strom unter Sonnenbarke, Kreuz und Halbmond, dtv, München, 1985, Seite 210-220