William Wordsworth

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem Dichter William Wordsworth. Zum Komponisten siehe William Wordsworth (Komponist).
William Wordsworth

William Wordsworth (* 7. April 1770 in Cockermouth, Großbritannien; † 23. April 1850 in Rydal Mount, Großbritannien) war ein britischer Dichter und führendes Mitglied der englischen Romantikbewegung, die er 1798 durch die zusammen mit Samuel Taylor Coleridge verfassten Lyrical Ballads (Lyrische Gedichte) initiierte. Als sein Meisterwerk gilt das frühe autobiografische Gedicht The Prelude (Präludium).

Leben[Bearbeiten]

Er wurde als zweites von fünf Kindern eines Rechtsanwalts in Wordsworth House im Lake District geboren. Seine Schwester Dorothy Wordsworth, mit der er eng verbunden war und später zusammen - auch nach seiner Heirat - wohnte und mit der er mehrere Reisen unternahm, veröffentlichte später auch Gedichte. Sein älterer Bruder Richard war Anwalt, sein Bruder John Kapitän (er starb beim Schiffbruch seines Schiffs 1805) und sein Bruder Christopher Geistlicher und später Master des Trinity College in Cambridge. Nach dem Tod der Mutter 1778 (sein Vater starb fünf Jahre später) wurde Wordsworth auf die Hawkshead Grammar School geschickt und er studierte anschließend von 1787 bis 1791 an der Universität Cambridge (St. John’s College).

In seiner Studentenzeit begeisterte Wordsworth sich für die Französische Revolution und bereiste aus diesem Grund 1790 das revolutionäre Frankreich. Um seine Eindrücke zu vertiefen, unternahm er im folgenden Jahr eine weitere Reise durch Frankreich, die Alpen und Italien. Mit der Errichtung der Terrorherrschaft in Frankreich wuchs jedoch Wordsworths Enttäuschung, und er distanzierte sich zunehmend von den Zielen der Revolution. Seine Abkehr schlug 1798 in Gegnerschaft um, als französische Truppen die von Wordsworth geschätzte Schweiz eroberten – fortan bekannte Wordsworth sich zum Konservatismus.

In Orléans lernte er 1792 auch Marie-Anne (Annette) Vallon kennen[1], mit der er eine Tochter Caroline hatte, geboren im Dezember 1792. Ebenso wie ihre Familie war sie eine Royalistin. Finanzielle und andere Gründe verhinderten die Heirat, Ende 1792 reiste er wieder nach England und er konnte aufgrund der politischen Ereignisse (Kriegserklärung Februar 1793) erst viel später nach Frankreich reisen. Beide blieben in Briefkontakt und Wordsworth traf Anne Vallon und seine Tochter 1802 in Calais, zwei Monate vor seiner Heirat mit Mary Hutchinson. Wegen des neu ausgebrochenen Krieges hatten sie erst 1814 wieder Kontakt (brieflich über Wordsworth´s Schwester Dorothy). 1816 heiratete seine Tochter unter dem Namen Wordsworth mit der Einwilligung des Vaters.

1793 veröffentlichte Wordsworth mit den Sammlungen An Evening Walk und Descriptive Sketches seine ersten Gedichte. 1795 schloss er enge Freundschaft mit Samuel Taylor Coleridge; zwei Jahre später siedelte er sich in dessen Nachbarschaft an. Zusammen veröffentlichten sie 1798 die für die englische Romantik bedeutsamen Lyrical Ballads; sie enthielten einige der bekanntesten Werke der beiden Dichter, z.B. Wordsworths Tintern Abbey und Coleridges Ancient Mariner. Noch im selben Jahr unternahmen sie zusammen mit Wordsworths Schwester Dorothy eine Reise nach Deutschland. In Goslar begann Wordsworth die Arbeit an seinem autobiografischen Gedicht, das später unter dem Titel The Prelude bekannt wurde.

Zurück in England zog er mit seiner Schwester nach Grasmere im heimatlichen Lake District, weshalb er gemeinsam mit Robert Southey und Coleridge, der zeitweise im nahegelegenen Keswick (Cumbria) wohnte, zu den so genannten Lake Poets gezählt wird. In Grasmere heiratete Wordsworth auch im Jahre 1802 seine Jugendfreundin Mary Hutchinson. Mit ihr hatte er fünf Kinder, von denen zwei 1812 starben. Die Heirat wurde ermöglicht durch 4000 Pfund, die William Lowther, Earl of Lonsdale, als noch ausstehende Schuld für Wordsworth Vater auszahlte.

Wordsworths Grab in Grasmere, Cumbria

Seit Jahren plante Wordsworth ein langes philosophisches Gedicht in drei Teilen zu schreiben, das er The Recluse (Der Einsiedler) nennen wollte. 1798/99 hatte er mit einem autobiografischen Gedicht begonnen, das er nie benannte, aber als Gedicht für Coleridge bezeichnete, und das einen Anhang zum Einsiedler bilden sollte (später als The Prelude bekannt). 1804 begann er es auszuweiten und eher einen Prolog als einen Anhang daraus zu machen. Um 1805 hatte er das Gedicht vollendet, aber er wollte ein so persönliches Gedicht nicht veröffentlichen, bevor der gesamte Einsiedler komplett war. Leonardo da Vinci hatte bereits vor ihm mit ähnlichen Worten die Kraft der Einsamkeit beschrieben.

1813 zog Wordsworth nach Rydal Mount, Ambleside, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Im folgenden Jahr veröffentlichte er The Excursion als zweiten Teil des dreiteiligen Einsiedlers. Er hatte jedoch den ersten und dritten Teil nicht vervollständigt, was ihm auch bis zu seinem Lebensende nicht gelingen sollte. Moderne Kritiker haben ab 1815 einen Niedergang in Wordsworths Kreativität festgestellt. Um 1820 stieg jedoch sein Ansehen, weil die zeitgenössische Kritik seine frühen Gedichte positiver bewertete.

1843 wurde Wordsworth mit dem Ehrentitel Poet Laureate ausgezeichnet. Am 23. April 1850 starb der Dichter in Rydal Mount an einer Pleuritis und wurde auf dem Friedhof der St. Oswald-Kirche in Grasmere begraben.

Einige Monate nach seinem Tod veröffentlichte Wordsworths Witwe Mary sein langes autobiografisches Gedicht für Coleridge als The Prelude (Präludium). Das Werk erregte seinerzeit nur geringes Interesse, wird inzwischen aber als Wordsworths Meisterwerk betrachtet.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

William Wordsworth, Porträt von Benjamin Robert Haydon, 1842
  • Lyrische Balladen, mit einigen weiteren Gedichten (1798)
    • „Simon Lee“
    • „We Are Seven“
    • „Lines Written in Early Spring“
    • „Expostulation and Reply“
    • „The Tables Turned“
    • „The Thorn“
    • „Lines Composed A Few Miles above Tintern Abbey“
  • Lyrische Balladen, mit einigen weiteren Gedichten (1800)
    • Preface to the Lyrical Ballads
    • „Strange fits of passion have I known“
    • „She Dwelt among the Untrodden Ways“
    • „Three years she grew“
    • „A Slumber Did my Spirit Seal“
    • „I travelled among unknown men“
    • „Lucy Gray“
    • „The Two April Mornings“
    • „Nutting“
    • „The Ruined Cottage“
    • „Michael“
  • Gedichte in zwei Bänden (1807)
    • „Resolution and Independence“
    • „I wandered lonely as a cloud“
    • „My Heart Leaps Up“
    • „Ode: Intimations of Immortality“
    • „Ode to Duty“
    • „The Solitary Reaper“
    • „Elegiac Stanzas“
    • „Composed upon Westminster Bridge, September 3, 1802“
    • „London, 1802“
    • „The world is too much with us“
  • The Excursion (1814)
    • „Prospectus to The Recluse
  • Ecclesiastical Sketches (1822)
    • „Mutability“
  • The Prelude (1850, postum)
    • The Prelude; or, Growth of a Poet's Mind

Literatur[Bearbeiten]

Bibliographien[Bearbeiten]

  • N. S. Bauer, William Wordsworth. A Reference Guide to British Criticism, 1793-1899 (Boston, 1978).
  • D. H. Stam, Wordsworthian Criticism, 1964-1973. An Annotated Bibliography, Including Additions to Wordsworthian Criticism, 1945-1964 (New York, 1974).

Werkausgaben[Bearbeiten]

  • The Poetical Works Eds E. de Selincourt und H. Darbishire. 5 vols (Oxford University Press, 1940-1949).
  • The Prose Works of William Wordsworth Eds W. J. B. Owen und J. W. Smyser. 3 vols (Oxford University Press, 1974).

Biographien[Bearbeiten]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • J. F. Danby, The Simple Wordsworth. Studies in the Poems 1797–1807 (London, 1960; repr. 1968).
  • G. H. Hartmann, Wordsworth's Poetry 1787–1814 (Yale University Press, 1964; rev. 1971).
  • M. Jacobus, Tradition and Experiment in Wordsworth's Lyrical Ballads (1798) (Oxford University Press, 1976).
  • Herbert Lindenberger: William Wordsworths >The Prelude< und das Zeitbewußtsein. In: Willi Erzgräber (Hrsg.): Interpretationen Band 8 · Englische Literatur von William Blake bis Thomas Hardy. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. et al. 1970, S. 67-90.

Belletristik[Bearbeiten]

  • Val McDermid, Das Moor des Vergessens (2006) Knaur Taschenbuch Verlag (Roman)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: William Wordsworth – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Emile Legouis William Wordsworth and Annette Vallon, London, Dent 1922. George Harper Wordsworth´s french daughter, Princeton 1921