Wolfgang Gessenharter

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Wolfgang Gessenharter (* 25. Januar 1942 in Kaufbeuren, Allgäu) ist ein deutscher Politikwissenschaftler. Er ist Professor emeritus der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg.

Leben[Bearbeiten]

Wolfgang Gessenharter begann 1961 sein Studium zunächst in den Fächern Latein und katholische Theologie an der LMU München und wechselte nach zwei Jahren an die Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg im Breisgau, wo er von 1963 bis 1968 Politikwissenschaft, Geschichte, Soziologie, Philosophie und Staatsrecht studierte. Von 1968 bis 1973 war er wissenschaftlicher Assistent an der Universität Freiburg. [1] Er promovierte 1972 mit der Dissertation Soziale Umwelt: eine politikwissenschaftliche Begriffsanalyse.[2]

Werk[Bearbeiten]

Von 1973 bis 2007 hatte Wolfgang Gessenharter eine Professor für Politikwissenschaft an der Helmut-Schmidt-Universität inne. Seine Schwerpunkte in Lehre und Forschung waren Demokratietheorie und Politische Kultur, insbesondere Rechtsextremismus und Neue Rechte in Deutschland sowie Partizipation/Bürgerbeteiligung. Die 1978 publizierte Studie zum Thema Ist friedlicher Wandel in Südafrika möglich? am Arnold-Bergstraesser-Institut (ABI) in Freiburg machte ihn und seine Koautoren über die Grenzen der Wissenschaft hinaus bekannt. Seine folgende Studie, eine empirische Analyse der Einstellungen von studierenden Offizieren der Hochschule der Bundeswehr Hamburg sowie von militärischen und zivilen Vergleichsgruppen, ergab, dass circa 10 Prozent der Studenten an der Hamburger Bundeswehrhochschule rechtsautoritäre und antidemokratische Einstellungen hatten. In der Wissenschaft war die Reaktion auf die Studie fast einhellig positiv, die konservative Presse[3] hingegen sah darin einen Angriff auf die Bundeswehr. Seitdem hat sich Wolfgang Gessenharter kontinuierlich mit dem Phänomen des Rechtsextremismus in Deutschland, vor allem mit der intellektuellen Neuen Rechten auseinandergesetzt und diesem Thema etwa 60 Publikationen gewidmet.

Wolfgang Gessenharter hat eine Reihe von Bürgerbeteiligungen in Hamburg und anderen Städten durchgeführt, darunter in Buxtehude ein Projekt über das Zusammenleben mit Ausländern (1993/94); in Hamburg ein solches über Drogenprobleme am Hauptbahnhof (1998/1999) und ein Projekt über die Erweiterung und Modernisierung der Hamburger Messe (2000) sowie das Schulprojekt Dialogische Selbstbeobachtung an Schulen und in ihrem sozialen Umfeld (1998-2006); in Bremen u.a. ein Projekt mit dem Fußballverein Werder Bremen (2004/05). [4]

Schriften (Eine Auswahl)[Bearbeiten]

  • mit Helmut Fröchling (Hrsg.): Atomwirtschaft und innere Sicherheit. Nomos, Baden-Baden 1989.
  • Die „Neue Rechte“ als Scharnier zwischen Neokonservatismus und Rechtsextremismus in der Bundesrepublik. In: R. Eisfeld, I. Müller (Hrsg.): Gegen Barbarei. Essays Robert M. W. Kempner zu Ehren. Athenäum, Frankfurt am Main 1989, ISBN 978-3-610-08537-7, S. 424–452.
  • mit Helmut Fröchling (Hrsg.): Minderheiten – Störpotential oder Chance für eine friedliche Gesellschaft? Nomos, Baden-Baden 1991, ISBN 978-3-7890-2327-9.
  • Kippt die Republik? Die Neue Rechte und ihre Unterstützung durch Politik und Medien. Knaur, München 1994, ISBN 978-3-426-80026-3.
  • mit Helmut Fröchling: Neue Rechte und Rechtsextremismus in Deutschland. In: Jens Mecklenburg (Hrsg.): Handbuch deutscher Rechtsextremismus. Elefanten Press, Berlin 1996, ISBN 978-3-88520-585-2, S. 550–571 (online).
  • mit Helmut Fröchling (Hrsg.): Rechtsextremismus und Neue Rechte in Deutschland: Neuvermessung eines politisch-ideologischen Raumes? Leske + Budrich, Opladen 1998, ISBN 978-3-8100-2053-6, S. 25–66.
  • Zur Funktion neurechter Freund-Feindbilder in Geschichte und Gegenwart der Bundesrepublik. In: Michael Th. Greven, Oliver von Wrochem (Hrsg.): Der Krieg in der Nachkriegszeit. Leske + Budrich, Opladen 2000, S. 197–211.
  • Intellektuelle Strömungen und Vordenker in der deutschen Neuen Radikalen Rechten. In: Thomas Grumke, Bernd Wagner (Hrsg.): Handbuch Rechtsradikalismus. Personen – Organisationen – Netzwerke vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft. Leske + Budrich, Opladen 2002, ISBN 978-3-8100-3399-4.
  • Extremismus. In: Martin Greifenhagen, Sylvia Greifenhagen, Katja Neller (Hrsg.): Handwörterbuch zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland. 2. Auflage, Westdeutscher Verlag, Opladen 2002, ISBN 978-3-531-13209-9.
  • Die Neue intellektuelle Rechte und ihre Unterstützung durch Politik und Medien. In: Stephan Braun, Daniel Hörsch (Hrsg.): Rechte Netzwerke – eine Gefahr. VS, Wiesbaden 2004, ISBN 978-3-8100-4153-1.
  • Mit Thomas Pfeiffer (Hrsg.): Die neue Rechte, eine Gefahr für die Demokratie? VS, Wiesbaden 2004, ISBN 3-8100-4162-9.
  • Der Schmittismus der Jungen Freiheit und seine Unvereinbarkeit mit dem Grundgesetz. In: Stephan Braun, Ute Vogt (Hrsg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden. VS, Wiesbaden 2007, S. 77–94 (Online: Dossier Rechtsextremismus, Bundeszentrale für Politische Bildung (Hrsg.)) 18. Dezember 2007
  • Was ist Rechtsextremismus? Zentrale Aspekte eines vielschichtigen Problems. In: Holger Spöhr, Sarah Kolls (Hrsg.): Rechtsextremismus in Deutschland und Europa. Aktuelle Entwicklungstendenzen im Vergleich. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2010 (online).
  • Bürgerbeteiligung vor Ort als Strategie gegen Rechtsextremismus. Einige Erfahrungsreflexionen. In: Henrique Ricardo von Otten, Manfred Sicking (Hrsg.): Kritik und Leidenschaft. Vom Umgang mit politischen Ideen. transcript, Bielefeld 2011, S. 117–131 (online).
  • Chancen und Grenzen von Bürgerbeteiligungen – Theorie und Praxis. In: Stephan Braun, Alexander Geisler (Hrsg.): Die verstimmte Demokratie. Moderne Volksherrschaft zwischen Aufbruch und Frustration. Springer, Wiesbaden 2012, S. 237–246 (online).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.prof-gessenharter.de/vita.html
  2. Stanford University Librarys
  3. zum Beispiel FAZ, Die Welt, vergl. Michael Minkenberg: „Citoyen als Wissenschaftler – zur Verabschiedung von Professor Dr. Wolfgang Gessenharter“, Rede am 19. April 2007, S. 5
  4. Michael Minkenberg: „Citoyen als Wissenschaftler – zur Verabschiedung von Professor Dr. Wolfgang Gessenharter“, Rede am 19. April 2007