Zealandia

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Topographie von Zealandia. Die geradlinig verlaufenden Schwellen, die nach Nord-Nordosten und Südwesten von Neuseeland ausgehen, werden nicht als Teil Zealandias betrachtet, ebenso nicht Australien (oben links), Fidschi oder Vanuatu (obere Bildmitte)[1]
Karte von Zealandia

Zealandia (ziːˈlændiə), auch unter dem Namen Tasmantis oder Neuseeland-Kontinent, ist ein fast völlig unter Wasser liegender Kontinent im Pazifischen Ozean.

Geographie[Bearbeiten]

Zealandia bedeckt eine Fläche von dreieinhalb Millionen Quadratkilometern – größer als Grönland oder Indien –, und ist damit etwa halb so groß wie Australien. Seine Form ist langgestreckt und schmal. Seine Nordspitze liegt bei 19° südlicher Breite in der Nähe von Neukaledonien im Norden, die Südspitze liegt bei 56° südlicher Breite noch jenseits der New Zealand Offshore Islands.[2] Dies entspricht etwa der Strecke zwischen Haiti zur Hudson Bay oder vom Sudan nach Schweden. Etwa 93% von Zealandia liegen unter Wasser. Der höchste Punkt von Zealandia ist Neuseeland, gefolgt von Neukaledonien. Zealandia besteht im Wesentlichen aus zwei nahezu parallelen untermeerischen Schwellen, die durch ein ursprünglich zusammenhängendes, heute jedoch in zwei Teilen (New Caledonia Basin und Bounty Trough) vorliegendes, langgestrecktes Becken getrennt sind. Die Schwellen erheben sich etwa 1000 m bis 1500 m über das Niveau des umgebenden Meeresbodens. Einige felsige Inseln erreichen die Wasseroberfläche.

Die größten Bestandteile von Zealandia sind die Lord-Howe-Schwelle, das Challenger-Plateau, das Campbell-Plateau, die Norfolk-Schwelle und die Chatham-Schwelle. Kleinere Regionen sind das Louisiade-Plateau, die Mellish-Schwelle, das Kenn-Plateau, das Chesterfield-Plateau und die Dampier-Schwelle.[1][3] Der anscheinend isoliert liegende Gilbert-Seamount (nordwestlich von Fiordland) gehört ebenfalls zu Zealandia.[4] Unbekannt ist, ob Bollons Seamount (südlich der Chatham-Inseln) ebenfalls mit Zealandia in Verbindung steht.

Die Landmassen an beiden Enden von Zealandia, Neukaledonien im Norden und die neuseeländischen Inseln im Süden, liegen ebenso wie Neuseeland selbst im Schnittbereich dreier Florenreiche: dem Antarktischen, dem Ozeanischen und dem Australischen.

Zealandia ist der Fanggrund eines großen Teils der neuseeländischen Fischfangflotte und birgt Neuseelands größtes Erdgasfeld, das Maui Gas Field in der Nähe von Taranaki. Konzessionen für die Erdölerkundung im Great South Basin vor der Südinsel Neuseelands wurden 2007 erteilt.[5] Untermeerische Rohstoffvorkommen sind beispielsweise Eisensande, vulkanische Massiverze und Eisen-Mangan-Knollen.[6]

Geologie[Bearbeiten]

Der Untergrund von Zealandia besteht aus kontinentaler Kruste. Ihre tiefe Lage unter dem Meeresspiegel im Vergleich zu anderen Gebieten mit kontinentaler Kruste verdanken sie der Dehnung, die die Erdkruste stark ausgedünnt hat, so dass sie nur noch etwa 20 Kilometer mächtig ist und sich aus isostatischen Gründen nicht so weit aufragt wie sonstige kontinentale Kruste.

Nach der Lösung von Antarktika vor 85 bis 130 Ma und von Australien 60 bis 85 Ma sank Zealandia fast ganz oder vollständig unter den Meeresspiegel.[2] Möglicherweise lag er vor 23 Ma völlig unter Wasser.[7][8]

Vor etwa 25 Ma begann der südliche Teil von Zealandia, der von der Pazifischen Platte umgeben ist, sich im Vergleich zum nördlichen Teil, der von der Indo-Australischen Platte umgeben ist, nach Norden zu bewegen. Der sich daraus ergebende Versatz der geologischen Strukturen um etwa 500 Kilometer entlang der Alpine Fault ist auf geologischen Karten gut zu erkennen.[9] Die Bewegung an dieser Plattengrenze ist verantwortlich für den Versatz des New Caledonia Basin im Vergleich zu seiner ursprünglichen Fortsetzung, dem Bounty Trough östlich von Neuseeland. Die beiden Becken sind durch ins Stocken geratenes Seafloor-Spreading entstanden (Failed Rift).

Vulkanismus fand in Zealandia vor, während und nach dem Loslösen Antarktikas und Australiens von Gondwana statt. Auch wenn sich Zealandia bereits bis zu 6000 km von Antarktika entfernt hat, so weist das zu Grunde liegende Magma die gleiche Zusammensetzung auf wie das der vulkanischen Vorgänge in Australien und Antarktika. Vulkanische Bildungen sind weit verbreitet, aber abgesehen von den großen Schildvulkanen, die Banks Peninsula und Otago Peninsula formten, wurden nur geringe Mengen vulkanischer Produkte gefördert. Vulkanische Hauptphasen lagen in der Oberkreide und im Känozoikum. Die Ursache für den Vulkanismus ist unklar, möglicherweise geht er auf einen Mantelplume zurück, über den Zealandia hinwegzog, und der Hotspot-Vulkanismus auslöste. Auf diese Weise könnte die Kette der untermeerischen Vulkane der Lord Howe Seamount Chain entstanden sein.

Ein versteinerter Baumstamm am Ufer der Curio Bay

In der Curio Bay bilden versteinerte Baumstämme und in Lebendposition erhaltenen Wurzelstöcke einen versteinerten Wald. Die Bäume waren verwandt mit modernen Kauri-Bäumen und Araukarien und wuchsen im Jura vor 180 Ma, also noch vor der Trennung Zealandias von Gondwana.[10] Der Wald wurde von vulkanischen Schlammströmen überdeckt. Während der Diagenese des Schlamms wurde das pflanzliche Material von Kieselsäure ersetzt und so versteinert. Heute liegt es wieder an der Erdoberfläche, freigelegt von der Erosion durch die Meeresbrandung.

Während der letzten Eiszeiten muss ein größerer Teil von Zealandia über die Meeresoberfläche gereicht haben als es heute der Fall ist. Darauf weist der Fund eines Säugetier-Kiefers in der Gegend von Otago hin.[11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Figure 8.1: New Zealand in relation to the Indo-Australian and Pacific Plates. In: The State of New Zealand’s Environment 1997. 1997. Abgerufen am 30. Januar 2010.
  2. a b Keith Lewis, Scott D. Nodder and Lionel Carter: Zealandia: the New Zealand continent. In: Te Ara - the Encyclopedia of New Zealand. 11. Januar 2007. Abgerufen am 30. Januar 2010.
  3. Global Multi-Resolution Topography Data Portal. Abgerufen am 30. Januar 2010 (Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University).
  4. Ray Wood, Vaughan Stagpoole, Ian Wright, Bryan Davy and Phil Barnes: New Zealand's Continental Shelf and UNCLOS Article 76. Institute of Geological and Nuclear Sciences Limited; National Institute of Water and Atmospheric Research, Wellington, New Zealand 2003, S. 16: „Die durchgehende Bruchlinie im Untergrund, die Krustendicke und das Fehlen von Unregelmäßigkeiten im Seafloor-Spreading sind Beweise für die Verlängerung der neuseeländischen Landmasse bis zum Gilbert-Seamount. (The continuous rifted basement structure, thickness of the crust, and lack of seafloor spreading anomalies are evidence of prolongation of the New Zealand land mass to Gilbert Seamount.)“ Online:. Institute of Geological & Nuclear Science (NIWA), archiviert vom Original am 2. Juni 2010, abgerufen am 21. September 2014 (HTML, englisch, Originalwebseite nicht mehr verfügbar).
  5. Great South Basin - Questions and Answers. 11. Juli 2007. Abgerufen am 30. Januar 2010.
  6. New survey published on NZ mineral deposits. 17. Oktober 2006. Abgerufen am 30. Januar 2010.
  7. Searching for the lost continent of Zealandia, The Dominion Post. 29. September 2007. Abgerufen am 30. Januar 2010.  „Wir können nicht kategorisch sagen, dass hier immer Land gewesen sei. Die heute vorliegenden geologischen Beweise dafür sind zu schwach, so dass wir logischerweise dazu gezwungen sind, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, das ganz Zealandia versunken ist. (We cannot categorically say that there has always been land here. The geological evidence at present is too weak, so we are logically forced to consider the possibility that the whole of Zealandia may have sunk.)“ 
  8. Campbell & Hutching 2007, S. 166–167
  9. Figure 4. Basement rocks of New Zealand. In: UNCLOS Article 76: The Land mass, continental shelf, and deep ocean floor: Accretion and suturing. Abgerufen am 30. Januar 2010.
  10. Fossil forest: Features of Curio Bay/Porpoise Bay. New Zealand Department of Conservation (DOC), abgerufen am 16. Februar 2010.
  11. Campbell & Hutching 2007, S. 183–184