Zuhälterei

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Berliner Zuhälter erwartet 1890 Prostituierte nach der ärztlichen Kontrolle

Nach der Definition des deutschen Strafgesetzbuches bedeutet Zuhälterei „die Ausbeutung einer Person, die der Prostitution nachgeht“ und „die gewerbsmäßige Förderung der Prostitution“. Zuhälterei ist in vielen Ländern, einschließlich Deutschland, Österreich und der Schweiz, unter verschiedenen Voraussetzungen strafbar.

Begriff[Bearbeiten]

„Zuhälter“ kommt ursprünglich von dem Wort „zuhalten“. Gemeint ist, „zu jemandem halten“, womit ursprünglich ein außereheliches Verhältnis zwischen Mann und Frau umschrieben wurde.[1]

Umgangssprachliche Bezeichnungen für Zuhälter sind Lude, Loddel oder Vollkaufmann, wobei letzteres als Verballhornung der Kaufmannseigenschaft nach dem HGB zu sehen ist. In Österreich bezeichnet man einen Zuhälter umgangssprachlich nach dem Wienerischen Dialekt als „Strizzi“ oder auch als bairisch „Peitscherlbua“. Im ausgehenden Mittelalter wurden Zuhälter auch als Frauenwirte bezeichnet.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Oft müssen Prostituierte Einnahmen an Zuhälter abtreten, weil sie sich in einem Abhängigkeitsverhältnis befinden oder aus Furcht vor Gewaltanwendung. Besonders in Ländern, wo Prostitution illegal ist, sind günstige Orte (Straßenstrich, Kontaktsauna, Rotlichtviertel) meist dem „Revier“ eines Zuhälters zugehörig. Dieser verteidigt sein Revier mit Gewalt gegen andere und verlangt von allen innerhalb des Reviers tätigen Prostituierten unter Gewaltandrohung Geld (eine Art der Schutzgelderpressung), wogegen sich diese nicht wehren können, da sie ja selbst einer illegalen Tätigkeit nachgehen. Im Gegenzug vermitteln manche Zuhälter aktiv Kunden und beschützen die Prostituierten vor gewalttätigen Freiern oder treiben Geld bei zahlungsunwilligen Freiern ein.

Andere Arten der Abhängigkeit, die Zuhälter ausnutzen, sind Drogensucht (der Zuhälter ist gleichzeitig Dealer) und die Notlage illegaler Einwanderer (oft im Zuge des kriminellen Menschenhandels).

Auch emotionale Labilität und allgemeine Notlagen werden teilweise ausgenutzt, um ein Abhängigkeitsverhältnis gezielt herzustellen: z. B. gaukelt der Zuhälter einer unerfahrenen jungen Frau (oder einem (homosexuellen) jungen Mann) zunächst Liebe vor und geht zum Schein sogar eine Partnerschaft mit seinem Opfer ein. Als „Liebesbeweis“ fordert er dann von seinem „Partner“, sich Dritten sexuell zur Verfügung zu stellen. Im niederländischen Sprachraum hat sich hierfür der Begriff Loverboy durchgesetzt, vgl. Loverboy-Methode.

Rechtliche Situation[Bearbeiten]

Zuhälterei ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz dann eine Straftat, wenn der Tatbestand der Ausbeutung und der Ausnutzung einer Person, welche der Prostitution nachgeht, feststeht.

Deutschland[Bearbeiten]

Der Straftatbestand der Zuhälterei ist in Deutschland in § 181a Strafgesetzbuch wie folgt geregelt:


§ 181a Zuhälterei

(1) Mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer

1. eine andere Person, die der Prostitution nachgeht, ausbeutet oder
2. seines Vermögensvorteils wegen eine andere Person bei der Ausübung der Prostitution überwacht, Ort, Zeit, Ausmaß oder andere Umstände der Prostitutionsausübung bestimmt oder Maßnahmen trifft, die sie davon abhalten sollen, die Prostitution aufzugeben,

und im Hinblick darauf Beziehungen zu ihr unterhält, die über den Einzelfall hinausgehen.

(2) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer die persönliche oder wirtschaftliche Bewegungsfreiheit einer anderen Person dadurch beeinträchtigt, dass er gewerbsmäßig die Prostitutionsausübung der anderen Person durch Vermittlung sexuellen Verkehrs fördert und im Hinblick darauf Beziehungen zu ihr unterhält, die über den Einzelfall hinausgehen.

(3) Nach den Absätzen 1 und 2 wird auch bestraft, wer die im Absatz 1 Nr. 1 und 2 genannten Handlungen oder die in Absatz 2 bezeichnete Förderung gegenüber seinem Ehegatten vornimmt.

Mit dem 2002 in Kraft getretenen Prostitutionsgesetz wurde die Rechtssicherheit von Prostituierten in Deutschland verbessert und Absatz 2 des Strafgesetzes in die jetzige Form geändert. Zuvor hieß es

„(2) Mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer gewerbsmäßig die Prostitutionsausübung einer anderen Person durch Vermittlung sexuellen Verkehrs fördert und im Hinblick darauf Beziehungen zu ihr unterhält, die über den Einzelfall hinausgehen.“

Österreich[Bearbeiten]

Die Vorschrift über Zuhälterei im österreichischen Strafgesetzbuch :


§ 216 Zuhälterei

(1) Wer mit dem Vorsatz, sich aus der Prostitution einer anderen Person eine fortlaufende Einnahme zu verschaffen, diese Person ausnutzt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr zu bestrafen.

(2) Wer mit dem Vorsatz, sich aus der Prostitution einer anderen Person eine fortlaufende Einnahme zu verschaffen, diese Person ausbeutet, sie einschüchtert, ihr die Bedingungen der Ausübung der Prostitution vorschreibt oder mehrere solche Personen zugleich ausnützt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu bestrafen.

(3) Wer die Tat (Abs. 1 und 2) als Mitglied einer kriminellen Vereinigung begeht, ist mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen.

(4) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren ist auch zu bestrafen, wer durch Einschüchterung eine Person davon abhält, die Prostitution aufzugeben.

Schweiz[Bearbeiten]

Im Schweizer Strafgesetzbuch sind strafbare Handlungen im Zusammenhang mit Zuhälterei unter dem Begriff "Förderung der Prostitution" beschrieben.


Art. 195 Förderung der Prostitution

Wer eine unmündige Person der Prostitution zuführt,

wer eine Person unter Ausnützung ihrer Abhängigkeit oder eines Vermögensvorteils wegen der Prostitution zuführt,

wer die Handlungsfreiheit einer Person, die Prostitution betreibt, dadurch beeinträchtigt, dass er sie bei dieser Tätigkeit überwacht oder Ort, Zeit, Ausmass oder andere Umstände der Prostitution bestimmt,

wer eine Person in der Prostitution festhält,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe bestraft.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Wiktionary: Zuhälter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten]

  • Clemens Amelunxen: Der Zuhälter. Wandlungen eines Tätertyps. Keip Verlag 1967.
  • Nikolaos Androulakis: Zur Frage der Zuhälterei, in: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft 1978, S. 432.
  • Michael Bargon: Prostitution und Zuhälterei. Zur kriminologischen und strafrechtlichen Problematik mit einem geschichtlichen und rechtsvergleichenden Überblick, Schmidt-Römhild Verlag 1982.
  • Martin Heger: 'Zum Einfluß des Prostitutionsgesetzes auf das Strafrecht, in: Strafverteidiger 2003, S. 350.
  • Ulrich Leo: Die strafrechtliche Kontrolle der Prostitution. Bestandsaufnahme und Kritik. Dissertation Kiel 1995.
  • Friedrich Christian Schröder: Neue empirische Untersuchungen zur Zuhälterei, in Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 1978, S. 62-67.
  • Philipp Thiée (Hrsg.): Menschen, Handel. Wie der Sexmarkt strafrechtlich reguliert wird. Verlag Vereinigung Berliner Strafverteidiger Berlin 2008. ISBN 978-3981221305

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel: Zuhälter In: Friedrich Kluge (Hrsg.): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24., durchges. und erw. Auflage, Berlin, New York 2002, S. 1018 ISBN 3-11-017473-1
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