Zygmunt Chychła

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Zygmunt Chychła 1948

Zygmunt Chychła, deutsch Siegmund Chychla, (* 6. November 1926 in Danzig; † 26. September 2009 in Hamburg, Deutschland) war ein polnischer Boxer kaschubischer Abstammung. Er war Olympiasieger 1952 in Helsinki und Europameister 1951 in Mailand und 1953 in Warschau der Amateure jeweils im Weltergewicht.

Werdegang[Bearbeiten]

Zygmunt Chychła begann im Jahre 1937 bei einem polnischen Boxklub in Danzig mit dem Boxen. Sein erster Trainer war dort Bruno Karnath. Nach der deutschen Besetzung Danzigs 1939 boxte er beim Polizei SV Danzig. Sein dortiger Trainer war H. Sommerfeld. 1942 startete er bei der deutschen Jugendmeisterschaft in Breslau. Er konnte dort einen Sieg über Pancek von „Heros“ Hamburg erzielen, sich aber nicht unter den Medaillengewinnern platzieren.

Kurz vor Kriegsende wurde er zur deutschen Wehrmacht eingezogen. 1944 konnte er in Frankreich der polnischen Armee des Generals Anders beitreten, dessen Zweiten Korps er bis 1946 angehörte. Er kehrte danach nach Danzig zurück und begann wieder mit dem Boxen. Bei einer Größe von 1,70 m war er zu einem Weltergewichtler mit einem Körpergewicht von ca. 67 kg herangewachsen. Schon bald fiel er dem polnischen Nationaltrainer Feliks (Felix) Stamm auf, der ihn schon 1947 in die polnische Nationalstaffel berief.

Bereits 1947 wurde Zygmunt Chychła zur Europameisterschaft in Dublin entsandt. Dort konnte er sich aber noch nicht im Vorderfeld platzieren. Sein erster Einsatz in einem Länderkampf fand am 12. Oktober 1947 in Warschau statt. Er traf dabei auf den vielfachen sowjetischen Meister Sergei Tscherbakow, dem er nach Punkten unterlag.

1948 wurde Zygmunt Chychła erstmals polnischer Meister im Weltergewicht. Im selben Jahr nahm er dann in London an den ersten Olympischen Spielen der Nachkriegszeit teil. Er siegte dort im Achtelfinale über Alexander Obeyesekere aus Ceylon durch K.O. in der zweiten Runde, unterlag aber im Viertelfinale gegen den Italiener Alessandro d'Ottavio und blieb so ohne Medaille.

1949 wiederholte Zygmunt Chychła seinen Titelgewinn bei der polnischen Meisterschaft. Bei der Europameisterschaft in Oslo war er aber nicht am Start.

1950 gewann er seinen dritten polnischen Meistertitel. 1951 wurde er zur Europameisterschaft nach Mailand entsandt. Mit 24 Jahren war er dabei auf dem Höhepunkt seines Könnens angelangt. In Mailand siegte er im Achtelfinale über Fritz Biehler aus der Bundesrepublik Deutschland, im Viertelfinale über Pierre Wouters aus Belgien, im Halbfinale über Gert Strahle aus Schweden und im Finale über Hans Kohlegger aus Österreich jeweils nach Punkten und wurde damit Europameister.

1952 gewann Zygmunt Chychła zum vierten Mal die polnische Meisterschaft im Weltergewicht. Mit viel Selbstvertrauen fuhr er daraufhin zu den Olympischen Spielen nach Helsinki. Von Feliks Stamm hervorragend vorbereitet und eingestellt besiegte er dort Pierre Wouters und José Luis Davalos aus Mexiko sicher nach Punkten. Im Viertelfinale und im Halbfinale hatte er etwas Glück, dass ihm jeweils Punktsiege mit 2:1 Richterstimmen über Július Torma aus der Tschechoslowakei und Günther Heidemann aus der BRD zugesprochen wurden. Im Finale siegte er aber wieder klar mit 3:0 Richterstimmen über Sergei Tscherbakow und wurde damit Olympiasieger.

1953 fand die Europameisterschaft der Amateurboxer in Warschau statt. Er war dort wieder im Einsatz und wurde mit Siegen über Günther Heidemann, Nicolae Linca aus Rumänien und Sergei Tscherbakow zum zweiten Mal Europameister.

Nach dieser Europameisterschaft beendete Zygmunt Chychła seine Laufbahn als aktiver Boxer. Er hatte 264 Kämpfe bestritten und dabei 237 Siege erzielt. 1951 und 1952 war er zum polnischen Sportler des Jahres gewählt worden. Er machte eine Trainerausbildung und war danach als Trainer in Danzig tätig.

1957 stellte Zygmunt Chychła bei den zuständigen polnischen Behörden einen Ausreiseantrag in die Bundesrepublik Deutschland (Familienzusammenführung). Er durfte von diesem Zeitpunkt an nur noch kleinere und unbedeutende Klubs in der Umgebung von Danzig trainieren. Für die Genehmigung des Ausreiseantrages ließen sich die polnischen Behörden 15 Jahre Zeit, ehe Zygmunt Chychła Ende des Jahres 1972 mit seiner Frau und seinen drei Söhnen in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen durfte. Dort wurde er in Kassel ansässig. Dass er aber in Polen nicht vergessen war, zeigte sich 2003, als er von der Stadt Danzig eine hohe Auszeichnung erhielt.

Länderkämpfe Zygmunt Chychłas[Bearbeiten]

  • 1947 in Warschau, Polen gegen Sowjetunion, Punktniederlage gegen Sergei Tscherbakow,
  • 1947 in Prag, Tschechoslowakei gegen Polen, Punktsieger über Oldrich Koudela,
  • 1947 in Poznań, Polen gegen Ungarn, Punktniederlage gegen Jozsef Marton,
  • 1948 in Budapest, Ungarn gegen Polen, Punktsieger über Gustav Bene,
  • 1948 in Poznań, Polen gegen Tschechoslowakei, Punktsieger über Vojtech Krocak,
  • 1949 in Wrocław, Polen gegen Ungarn, Punktsieger über Laszlo Zahorsky,
  • 1949 in Gottwaldov, Tschechoslowakei gegen Polen, Abbruch-Sieger 2. Runde über Karel Blesak,
  • 1949 in Helsinki, Finnland gegen Polen, Punktsieger über Klaus Tiljander,
  • 1950 in Wrocław, Polen gegen Finnland, Punktsieger über Mauno Laine,
  • 1950 in Budapest, Ungarn gegen Polen, Punktsieger über Pál Budai,
  • 1950 in Łódź, Polen gegen Tschechoslowakei, Punktsieger über Oldrich Koudela,
  • 1952 in Poznań, Polen gegen Ungarn, Punktsieger über Laszlo Zahorsky,
  • 1952 in Moskau, Polen gegen DDR, Punktsieger über Josef Kachorowski,
  • 1952 in Moskau, Polen gegen Tschechoslowakei, Punktsieger über Frantisek Capl,
  • 1952 in Helsinki, Polen gegen Finnland, Punktsieger über Pentti Kuntola

Quellen[Bearbeiten]

  • Fachzeitschrift Box Sport aus den Jahren 1950 bis 1953,
  • Fachzeitschrift Box Sport Nr. 2 vom 17. Januar 1973, Seite 17,
  • BOX ALMANACH 1920–1980, Herausgeber Deutscher Amateur-Box-Verband e.V., 1980,
  • Website „amateur-boxing.strefa.pl“,
  • Website „www.wiezda.servis.pl“,
  • Website „www.olimpijski.pl“

Weblinks[Bearbeiten]