Änne Koken

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Änne Kokens 1909 entworfener Hummer an der Mayonnaise als Markenzeichen der „Delikatessen-Grosshandlung und Nahrungsmittel-Fabrik“ Heinrich Wilhelm Appel (H.W.A.);
Zweifarb-Druck der Illustrirten Zeitung Nr. 3538 vom 20. April 1911.
Änne Kokens Jugendstil-Werbung für die „Cremosa Chocolade“ von Sprengel als beinahe DIN A3-Vierfarbdruck auf dem ersten Innentitel für den Zeitungs(-Sonderdruck) „Nummer 3538“ als Kooperation zwischen der Illustrirten Zeitung und dem Hannover Anzeiger im Jahr 1911

Änne Koken (* 28. Mai 1885 in Hannover; † 19. April 1919 ebenda) war eine deutsche Malerin und Universalkünstlerin. Sie war das zweite Kind des angesehenen Hannoveraner Kunstmalers Gustav Koken und seiner Ehefrau Bertha Marie Pauline Koken, geb. Voges (1858–1944). Neben Landschaftsbildern und Stillleben entwarf Änne Koken Glasfenster, Kleidung, Buchschmuck und diverse Gebrauchsgrafiken. Durch ihre Werke im Bereich der Gebrauchsgrafik und Reklamekunst, insbesondere für die Firmen Bahlsen, Günther Wagner[1] und Appel Feinkost, erlangte Änne Koken eine große Bekanntheit.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Änne Kokens Reklamemarken-Serie für die Firma Bahlsen (1913)

Änne Koken studierte in München-Planegg an der Schule für „Malerei und Dekorative Kunst“ von Hans Eduard von Berlepsch-Valendas. Änne Koken zu der Zeit, als der Gedanke „Kunst in Handel und Industrie“ aktuell zu werden begann, in der ersten Reihe der deutschen Gebrauchsgrafiker:[2]

„Das trotz der Kürze ihres Lebens umfangreiche Schaffen von Änne Koken auf so vielen verschiedenen Gebieten zeigt deutlich den allgemeinen Wandel der künstlerischen Betätigung um 1900: von der traditionellen Landschafts- und Stilllebenmalerei, der ‚wahren Kunst‘, zum Entwerfen von Plakaten, Reklame und Verpackungen für Industriewaren.“[3]

1909 entwarf sie das Markenzeichen mit dem Hummer, das von der Firma Appel Feinkost noch heute in ähnlicher Form verwendet wird. Ein Jahr später (1910) kehrte sie nach Hannover zurück und eröffnete ihr eigenes Atelier in der Lavesstraße. Koken war zunächst künstlerische Mitarbeiterin und später Mitglied des künstlerischen Beirats bei der Firma Bahlsen. Die Gestaltung eines Plakats, das das Bahlsen-Verwaltungsgebäude in der Podbielskistraße darstellt und in diversen Zeitschriften Erwähnung fand, erfolgte 1911. Sie war bis 1919 für Bahlsen tätig. Zwischen 1910 und 1911 prägte sie mit ihren Entwürfen das Firmenbild entscheidend. Ab 1912 folgten Entwürfe für Kleidung, Hüte und Textilkunst, die ab diesem Zeitpunkt regelmäßig in der Zeitschrift Neue Frauenkleidung und Frauenkultur erschienen.

1913 erschien ein Artikel von Rudolf Bleistein über Änne Koken in Das Plakat. 1912 wurden ihre Arbeiten in der Großen Ausstellung in Hannover und 1914 Glasbilder im Haus der Frau gezeigt. 1914 nahm sie mit grafischen Arbeiten im Bahlsen-Pavillon an der Ausstellung des Deutschen Werkbundes in Köln teil und wurde zur Beisitzerin im Vorstand des Kestner-Museums gewählt. 1918 war sie an der ersten Ausstellung der Hannoverschen Secession, einer Sonderausstellung der Kestner-Gesellschaft. Als Mitglied des Vereins für Deutsche Frauenkleidung und Kultur setzte sich die Künstlerin für Frauenrechte ein.

Ab 1919 hieß sie Änne Neuendorff-Koken und ein letzter Beitrag für die Zeitschrift Neue Frauenkleidung und Frauenkultur vom Januar/Februar 1919 erschien.

Änne Koken starb am 19. April 1919 in ihrer Geburtsstadt Hannover durch eine Lungenentzündung zwei Wochen nach der Geburt ihrer Tochter.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter F. Schubert: Hannoversche Gebrauchs- und Kunstgraphik. In: Hannoverland. Heft 8, 1915, S. 101 ff.; Ann. Heft 9, S. 113 ff.
  • Nekrolog Änne Koken. In: Der Cicerone. XI, 1919.
  • Christof Sprengemann: Änne Koken. In: Neue Frauenkleidung und Frauenkultur. Jahrgang 15, Heft 5, 1919, 14 f.
  • Das Plakat. Jahrgang 11, Heft 1, 1920, S. 3, 17, 24.
  • Sonderband zum 75-jährigen Firmenjubiläum der Firma Bahlsen (1889–1964). Heft Bahlsen Keksfabrik KG, Hannover (Hrsg.) 1964.
  • Hans Günther Reinstein: Bahlsen-Kekspackungen. In: Gebrauchsgraphik. Jahrgang 3, Heft 4, 1926, S. 64–65 (magazines.iaddb.org).
  • Koken, Änne. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 21: Knip–Krüger. E. A. Seemann, Leipzig 1927, S. 213.
  • Hiltrud Schroeder (Hrsg.): Sophie & Co. Bedeutende Frauen Hannovers. Biographische Portraits. Fackelträger Verlag, Hannover 1991, ISBN 3-7716-1521-6, S. 242 f.
  • Reiner Meyer: Die Reklamekunst der Keksfabrik Bahlsen in Hannover von 1889-1945. Diss.: Georg-August-Universität zu Göttingen 1999.
  • Hugo Thielen: Koken, (1) Änne. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 206 f.
  • Corinna Heins, Anne Jäger: Frauen in der List / Aenne Koken, Werbegraphikerin (1885–1919). In: Hannoversche Geschichtsblätter. Neue Folge Band 60, 2006, S. 242 f.
  • Babette Kaiserkern: Änne Koken – Einführung in Leben und Werk. Vortrag vom 17. Juni 2007 im Historischen Museum Hannover.
  • Breuer, Gerda, Meer, Julia (Hrsg.): Women in Graphic Design. Jovis, Berlin 2012, ISBN 978-3-86859-153-8, S. 487 und 489.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Änne Koken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hugo Thielen: Koken, (1) Änne. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 362.
  2. Koken, Änne. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 21: Knip–Krüger. E. A. Seemann, Leipzig 1927, S. 213.
  3. Babette Kaiserkern: Änne Koken – Einführung in Leben und Werk. Vortrag vom 17. Juni 2007 im Historischen Museum, Hannover.