Élie Lescot

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Élie Lescot

Élie Lescot (* 9. Dezember 1883 in Saint-Louis-du-Nord (Departement Nord-Ouest); † 20. Oktober 1974 in Laboule) war ein haitianischer Politiker und Präsident von Haiti.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berufliche und politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Schulausbildung begann er 1905 seine berufliche Ausbildung als Übersetzer bei der Zollbehörde von Port-de-Paix (Departement Nord-Ouest). Zu Beginn der Intervention der USA 1915 war er Rektor einer Highschool. Nach einer Tätigkeit als Diplomat in Kuba ließ er sich 1919 in Frankreich nieder.

Nach seiner Rückkehr nach Haiti wurde er zunächst Richter und danach von 1922 bis 1930 Erziehungs- und Landwirtschaftsminister. Nach einer weiteren Tätigkeit als Justizminister war er Senator sowie danach Gesandter in den USA. In dieser Funktion kam es im Juli 1939 zur Wiederannäherung an die benachbarte Dominikanische Republik nach dem Massaker an über 18.000 haitianischen Zuckerrohrarbeitern im Jahr 1937 bei einem Empfang für den dominikanischen Präsidenten Rafael Trujillo während dessen Staatsbesuchs in den USA.[1]

Präsident 1941 bis 1946[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Rücktritt von Präsident Sténio Vincent am 15. Mai 1941 wurde er von der Nationalversammlung als dessen Nachfolger für eine Amtszeit von fünf Jahren zum Präsidenten von Haiti gewählt.[2]

Außenpolitisch stand er während des Zweiten Weltkrieges nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 auf der Seite der Alliierten gegen die Achsenmächte. Ohne Zustimmung des Parlamentes erklärte er daraufhin am 8. Dezember zunächst Japan und dann am 12. Dezember 1941 Deutschland und Italien den Krieg. Für diese Haltung erhielt Haiti von den USA militärische und wirtschaftliche Hilfe.[3] Andererseits untersagte er es der United States Air Force Anti-U-Boot-Flugzeuge vom Flughafen von Port-au-Prince aus zu starten. Am 26. Juni 1945 gehörte Haiti als Unterzeichner der Charta der Vereinten Nationen zu den Gründungsmitgliedern der UNO.[4]

Durch seine enge Bindung zu den USA war es ihm möglich oppositionelle Tendenzen zu unterdrücken. Innenpolitisch wurde eine verstärkte Kampagne (Campagnes Anti-Supersitieuses) gegen den in Haiti ausgeprägten Voodoo vorgenommen,[5] deren Tempel (Ounfo) zerstört sowie Trommeln und andere religiöse Objekte beschlagnahmt. Seine Regierung wurde zunehmend von Tyrannei und Korruption geprägt. Später setzte er die Verfassung außer Kraft und nahm Notstandsrechte für sich wahr. Wie viele andere Präsidenten dieser Zeit, verlängerte er im Mai 1944 seine Amtszeit aufgrund des Weltkrieges von fünf auf sieben Jahre. Zugleich wurde auch die Wahlzeit der Abgeordneten der Nationalversammlung sowie der Senatoren um ein Jahr verlängert.[6] Darüber hinaus berief er 1943 seinen Sohn Gérard Élie Lescot zum Außenminister in seine Regierung.[7]

In dieser Zeit wuchs die Gegnerschaft zu seinem diktatorischen Regime in der Studentenschaft um Jacques-Stephan Alexis und René Depestre. Die von diesen angeführten Studentenaufstände und ein Militärputsch unter Major Paul Eugène Magloire führten schließlich am 11. Januar 1946 zum Sturz Lescots und seine anschließende Flucht ins Exil nach Miami (Florida).[8] Anschließend übernahm zunächst ein dreiköpfiger Militärischer Exekutivrat unter dem Vorsitz von Oberst Franck Lavaud die Macht.

Später kehrte er nach Haiti zurück, wo er sich jedoch nicht wieder politisch betätigte.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Squeeze Play“, TIME-Magazine 17. Juli 1939
  2. „Confinuismo Discouraged“, TIME-Magazine 28. April 1941
  3. „Ylang-Ylang Tree“, TIME-Magazine 16. Februar 1942
  4. Haiti (Memento vom 12. Mai 2004 im Internet Archive)
  5. Luca, Nathalie: „Religion Et Lien Social. L´Église Et L´État Moderne En Haiti“, Paris 2004
  6. „Small Change“, TIME-Magazine 8. Mai 1944
  7. Rulers.org: Biografische Notizen zu Gérard Lescot
  8. „Exit Lescot“, TIME-Magazine 21. Januar 1946

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VorgängerAmtNachfolger
Sténio VincentPräsident von Haiti
15. Mai 1941–11. Januar 1946
Franck Lavaud