Émile Roux

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Émile Roux (1927)

Pierre Paul Émile Roux (* 17. Dezember 1853 in Confolens im Département Charente; † 3. November 1933 in Paris) war ein französischer Mediziner, Bakteriologe und Wegbereiter der Mikrobiologie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roux ging in Aurillac und Puy zur Schule. Er studierte 1872 bis 1873 Medizin in Clermont-Ferrand, 1874 bis 1878 studierte er in Paris.

Zusammen mit Louis Pasteur, dessen Schüler er war, führte Émile Roux als Assistent wichtige Untersuchungen zum Auslöser von Infektionskrankheiten sowie den Prinzipien der Impfung durch. Am 1888 eröffneten Institut Pasteur gab Roux mikrobiologischen Unterricht und leitete den Service de Microbie Technique. Als Nachfolger von Émile Duclaux übernahm er 1904 die Leitung des Instituts.

Roux entdeckte 1889 das Diphtherietoxin und entwickelte ab 1894 die Serumtherapie insbesondere gegen Diphtherie. Zusammen mit Alexandre Yersin wies er 1888 nach, dass nicht die Bakterien selbst die Symptome der Pest bewirken, sondern das Gift, das unter Sauerstoffabschluss in Laborbehältern von den Bakterien ausgeschieden wird. Mit Edmond Nocard entdeckte er 1898 mit Mycoplasma mycoides, dem Erreger der Lungenseuche der Rinder, das erste bekannte Mykoplasma.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1917 wurde er mit der Copley Medal ausgezeichnet.

1899 wurde er zum Mitglied der Académie des sciences und 1913 zum auswärtigen Mitglied der Royal Society gewählt. 1925 wurde er Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. 1945 wurde das französische Militärhospital in Tübingen nach ihm benannt (bis 1982 in Betrieb). Das Kap Roux in der Antarktis trägt seinen Namen. In der Cité Pasteur, einer Wohnsiedlung der bis 1994 in Berlin stationierten französischen Garnison, wurde nach 1968 eine Straße nach ihm benannt.[1]

Zwischen 1901 und 1932 wurde Roux 115-mal für den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin vorgeschlagen, schaffte es aber nie diesen wie sein ehemaliger Laborassistent Gaston Ramon zu erhalten.[2] Ein möglicher Grund wird vom Virologen und ehemaligem Sekretär der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften Erling Norrby angeführt, wonach mehrere Nobelpreise bereits für Entdeckungen im Umfeld der Immunologie sowie Infektionskrankheiten vergeben wurden.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara I. Tshisuaka: Roux, Pierre Paul Émile. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1271.
  • A. Delaunay: Roux, Pierre Paul Émile. In: Charles Coulston Gillispie (Hrsg.): Dictionary of Scientific Biography. Band 11: A. Pitcairn – B. Rush. Charles Scribner’s Sons, New York 1975, S. 569.
  • Paul de Kruif: Roux und Behring. Gegen die Diphtherie! In: Paul de Kruif: Mikrobenjäger. (Originalausgabe: Microbe Hunters. Harcourt, Brace & Co., New York 1926) Orell Füssli Verlag, Zürich/Leipzig 1927; 8. Auflage ebenda 1940, S. 175–197.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pierre Paul Émile Roux – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rue du Docteur Roux. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  2. a b Declan Butler: Close but no Nobel: the scientists who never won. In: Nature. 11. Oktober 2016, doi:10.1038/nature.2016.20781 (englisch).