Österreich (Schiff)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Österreich
Österreich nach der Renovierung 2019 (Michael Häfner)
Österreich nach der Renovierung 2019 (Michael Häfner)
Schiffsdaten
Flagge OsterreichÖsterreich Österreich
Schiffstyp Passagierschiff
Heimathafen Bregenz (seit 1945)
Lindau (1938–1945)
Reederei Museumsschiff Oesterreich GmbH (ab 2016)
Vorarlberg Lines-Bodenseeschifffahrt (2006–2015)
Österreichische Bundesbahnen (1947–2006)
Deutsche Reichsbahn (1938–1945)
Österreichische Bundesbahnen (1928–1938)
Bauwerft Schiffswerft Korneuburg
Indienststellung 29. Juli 1928
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
54,4 m (Lüa)
Breite 9,8[1] m
Tiefgang max. 1,75 m
Verdrängung 366[2]
Maschinenanlage
Maschinen-
leistung
600 PS (441 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
15,7 kn (29 km/h)
Propeller 2 × Zeise-Propeller
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl 600[3]
von 2015 bis 2019 wurde das Schiff auf den Stand von 1928 zurückgebaut (Foto: Michael Häfner)
Die MS Oesterreich vor dem Rückbau im Fahrgastlinienverkehr vor dem Pfänder (2009)

Das Motorschiff Österreich ist ein Fahrgastschiff, das bis 2009 im Binnenschifffahrtsverkehr auf dem Bodensee im Einsatz war. Seit 2016 trägt es den Namen „Museumsschiff OESTERREICH“[4] und wird für Ausflugs- und Charterfahrten genutzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das äußerst luxuriös im Stil des Art déco eingerichtete Schiff[5] wurde in der Schiffswerft Korneuburg hergestellt, vorgefertigt, probeweise zusammengebaut, zerlegt mit der Eisenbahn nach Bregenz transportiert und in einem Trockendock endgültig zusammengefügt. Die Aufbauarbeiten in Bregenz begannen am 20. Februar 1928. Im Frühjahr wurde der Rumpf vom Dampfschiff Bludenz nach Romanshorn geschleppt und die Motoren eingebaut. Danach erfolgte, nach der Rücküberstellung nach Bregenz, die Endmontage. Am 22. Juni 1928 wurde ausgewassert.[6] Am 29. Juli 1928 als Oesterreich in Dienst gestellt und vom Abt des Klosters Mehrerau, Kassian Haid, eingeweiht. Sie war das erste österreichische Bodensee-Passagierschiff mit Dieselmotor und Doppelschraubenantrieb.[7] Sie fuhr unter österreichischer Flagge, ihr Heimathafen war Bregenz.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich lag die Oesterreich von 1938 bis 1945 in Lindau, wurde zunächst von der Deutschen Reichsbahn betrieben und 1941 durch die deutsche Kriegsmarine beschlagnahmt, die sie als Torpedo-Versuchsschiff und, mit zwei Flak ausgerüstet, zur Luftabwehr vor Immenstaad einsetzte. In den letzten Kriegstagen wurde das Schiff nach Bregenz verlegt und war an der Internierung in der Schweiz beteiligt. Nach Kriegsende ging das Schiff in den Besitz der französischen Marine über und wurde für den gleichen Zweck verwendet. 1948 wurde es völlig heruntergekommen an die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) übergeben, die es von 1951 bis 1953 generalüberholten und mit modernen Aufbauten unter dem Namen Österreich wieder in Dienst stellten. Seit der Inbetriebnahme bis 2006, mit der Unterbrechung von 1938 bis 1948, wurde das Schiff von den ÖBB betrieben. Seitdem gehörte es den Vorarlberg Lines-Bodenseeschifffahrt (VLB) und war das älteste Schiff der Flotte. Die Österreich war auch das Motiv zum österreichischen Tag der Briefmarke 2009.[8]

Seit Herbst 2009 lag das Schiff überholungsbedürftig in der Werft Fußach, doch seitens der Eigentümer stand eine Entscheidung über seine Zukunft aus. Eine Initiative zur „Rettung“ der Österreich wurde im Jahr 2010 gestartet. Ein dafür gegründeter Verein Freundeskreis Museumsschiff Österreich[9] erwarb das Schiff Anfang des Jahres 2015. Die Zukunft des Schiffes blieb zunächst ungewiss.[10]

Am 6. März 2019 kurz vor 14:00 Uhr verließ die Österreich den Fussacher Hafen zur ersten Probefahrt nach der Renovierung.[11] Am 18. April 2019 erfolgte im Rahmen einer Pressekonferenz die neuerliche Schiffstaufe durch Bischof Benno Elbs und die offizielle Jungfernfahrt nach dem Um- und Rückbau.[12]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Um- und Rückbau ab 2015 nahm 33 Monate in Anspruch (reine Bauzeit). Das Motorschiff (MS) Österreich hat seither folgende technische Daten aufzuweisen:

  • Länge über alles: 54,40 Meter
  • Breite über alles: 9,90 Meter
  • Maximaler Tiefgang: 1,60 Meter
  • Sitzplätze: 282, davon 140 unter Deck
  • Höchstgeschwindigkeit: 15,7 Knoten (29 km/h)
  • Maschinen: 2x8 Zylinder Scania LKW-Motoren V-Diesel DI16 080 mit Abgasnachverbrennung
  • Maschinenleistung: 2 x 385 kW
  • Leistung elektrischer Generator: 180 kVA

Vom gesamten Originalschiff aus dem Jahr 1913 sind noch der Rumpf sowie die Antriebswellen und deren Lager erhalten. Die meisten Teile mussten ausgetauscht werden. Ursprünglich hatte die MS Österreich zwei U-Boot-Dieselmotoren der Grazer Waggonfabrik, die später durch zwei Motoren aus Lokomotiven ersetzt wurden. Durch den Umbau 2015 konnte der Raumverbrauch für die Antriebsmotoren (nun zwei Scania LKW-Motoren) deutlich reduziert werden.[13]

Das MS Österreich ist für Personen mit eingeschränkter Mobilität nur beschränkt nutzbar, die Mitnahme von Fahrrädern und Hunden ist nicht möglich. Stöckelschuhe sind auf der MS Österreich nicht gestattet.[14]

Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesamtinvestitionskosten der Renovierung lagen bei über 9,5 Millionen Euro. Davon für die Schiffssanierung rund 8,5 Millionen Euro, was in etwa dem Neubau eines Schiffes entsprechen würde. Für die Landküche wurden 800.000 Euro ausgegeben. Der Um- und Rückbau der MS Österreich wurde durch private Mittel und öffentliche Fördergelder (z. B. Land Vorarlberg, Interreg) finanziert. Die öffentlichen Fördergelder betrugen insgesamt 2,2 Millionen Euro, davon 1,2 Millionen von Interreg.

Die Kosten für den weiteren Betrieb des Schiffes werden teilweise durch Patenschaften Privater und von Unternehmen übernommen.[15]

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schaufelraddampfer Hohentwiel und die MS Österreich werden zusammen unter der Dachmarke: Historische Schifffahrt Bodensee vermarktet und mit beiden Schiffen werden auch Charterfahrten durchgeführt (z. B. für Hochzeiten). Betrieben (Reederei) wird die MS Österreich von der Museumsschiff Oesterreich GmbH.[16] Eigentümer des Schiffes ist der Förderverein Museumsschiff OESTERREICH[17] unterstützt vom Freundeskreis MS Oesterreich e. V.[15]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus von Rudloff, Claude Jeanmaire u. a.: Schiffahrt auf dem Bodensee Bd 3: Beginn der Motorschiffahrt. Verlag Eisenbahn, Villigen AG 1987, ISBN 3-85649-072-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Österreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Breite leer: 7,4 m
  2. Leergewicht: 241 t
  3. Nach anderer Angabe 700 Personen
  4. Freundeskreis Museumsschiff OESTERREICH
  5. Gemäß Schiffszeitung der Historischen Schifffahrt Bodensee, 2019, wurde die Inneneinrichtung vom Wiener Unternehmen Portois & Fix nach eigenen Entwürfen gestaltet und geliefert.
  6. Schiffszeitung der Historischen Schifffahrt Bodensee, 2019.
  7. Die Österreich auf bodenseeschifffahrt.de, abgerufen am 27. November 2010
  8. Österreich auf Briefmarke (Memento vom 13. Januar 2011 im Internet Archive)
  9. Verein Freundeskreis Museumsschiff Österreich
  10. IBV, Zukunft des MS Österreich, Abendfahrt für das MS Österreich, Zoff um Bodenseeschiff
  11. Florian Scholz: Werftbetrieb in Fussach. Abgerufen am 23. März 2019.
  12. Ein Freudentag für alle. In: Vorarlberger Nachrichten vom 19. April 2019, S. C10.
  13. Informationen gemäß Pressekonferenz am 18. April 2019 und Pressemappe und Prospekt: Oesterreich – Bodensee-Motorschifffahrten 2019.
  14. Prospekt: Oesterreich – Bodensee-Motorschifffahrten 2019.
  15. a b Informationen gemäß Pressekonferenz am 18. April 2019 und Pressemappe und Prospekt: Oesterreich – Bodensee-Motorschifffahrten 2019.
  16. Firmenbuchnummer: 455287s, UID-Nummer: ATU71147458, Beginndatum der Rechtsform: 13. Juni 2016.
  17. ZVR-Zahl 097879045, Sitz in Hard, Obmann Jürgen Zimmermann, Zustelladresse: Scheffelstraße 8, 6900 Bregenz.