Österreichischer Wirtschaftsbund

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Österreichischer Wirtschaftsbund
Zweck politische Interessenvertretung für Unternehmer
Vorsitz: Vizepräsidentin Bettina Lorentschitsch | Vizepräsidentin Renate Scheichelbauer-Schuster | Vizepräsidentin Martha Schultz | Vizepräsident Josef Herk | Vizepräsident Alexander Klacska | Finanzreferent Michael Ikrath
Gründungsdatum: 8. Mai 1945
Mitgliederzahl: rund 100.000
Sitz: Mozartgasse 4, 1040 Wien
Website: www.wirtschaftsbund.at

Der Österreichische Wirtschaftsbund (ÖWB) ist eine der sechs Teilorganisationen[1] der Österreichischen Volkspartei und versteht sich als größte politische Interessenvertretung für Unternehmer und selbstständig denkende Menschen in Österreich.[1] Er besteht seinerseits aus neun Landesorganisationen. Wirtschaftsbund-Funktionäre engagieren sich auf Bundes-, Landes- und Ortsebene neben der Interessenvertretung auch in gesetzlichen Körperschaften wie Wirtschaftskammern und Sozialversicherungen.[1]

In der Wirtschaftskammer Österreich stellt der Wirtschaftsbund mit Harald Mahrer den Wirtschaftskammerpräsidenten[2][3] sowie alle neun Landespräsidenten. Bei der Wirtschaftskammerwahl 2015 kam der Wirtschaftsbund auf 66,6 %[4].

Laut Statut können sowohl Unternehmer als auch Arbeitnehmer mit „unternehmerischem Denken“ Mitglied werden. Seine Mitglieder sind vor allem kleine und mittlere Unternehmen (sogenannten KMUs). Der Wirtschaftsbund hat österreichweit etwa 100.000 Mitglieder.[5] Während ordentliche Mitglieder des Wirtschaftsbundes auch ÖVP-Mitglieder sind, beschränken sich außerordentliche Mitgliedschaften auf die Mitgliedschaft im Wirtschaftsbund.

Die Gründung erfolgte am 8. Mai 1945, erster Obmann war Julius Raab.[6]

Aktueller Präsident ist Harald Mahrer Als Generalsekretäre fungieren Kurt Egger[3] und Carmen Jeitler-Cincelli (Stellvertreterin)[3] Als frühere Langzeitobmänner sind Rudolf Sallinger, Leopold Maderthaner und Christoph Leitl zu erwähnen.

Der Verein ist Mitglied von SME Europe, der Wirtschafts- und Mittelstandsvertretung innerhalb der Europäischen Volkspartei (EVP).[7]

Aufgrund der Kammerwahlen beansprucht der Wirtschaftsbund den größten Teil der Vertreter in der Österreichischen Wirtschaftskammer und deren Präsidenten.

Die Julius-Raab-Medaille wird vom Wirtschaftsbund vergeben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in den 1930er-Jahren hatte der 1927 in den Nationalrat gewählte Abgeordnete Ing. Julius Raab angesichts der „furchtbaren und zerfahrenen Organisation der Gewerbetreibenden“ die Stärkung der Standesvertretung der Wirtschaftstreibenden durch größere Gemeinsamkeit in einer politischen und in einer gesetzlichen fundierten Organisation verfolgt. Zwischen 1930 und 1932 initiierte er die Umwandlung des ursprünglich unpolitischen Gewerbebundes in eine politische, sich zur christlich-sozialen Partei bekennenden Organisation. Mit dem am 24. Juni 1937 beschlossenen Kammergesetz wurde durch die Errichtung der Bundeshandelskammer auch die gesetzliche Vertretung der Unternehmer realisiert.[8] Damit wurde auch der Grundstein für die Sozialpartnerschaft gelegt, die Österreich über die Jahrzehnte sozialen Frieden und Wohlstand sicherte.

Nach der Gründung der Österreichischen Volkspartei am 17. April 1945 gründete Julius Raab am 8. Mai 1945 den Österreichischen Wirtschaftsbund.[9]

Ende 1946 zählte der ÖWB bereits mehr als 100.000 Mitglieder in über 1000 Ortsgruppen und 300 Bezirksgruppen.[10]

1953 wurde Julius Raab zweiter Bundeskanzler der Republik Österreich – er bekleidete dieses Amt bis 1961 – und ging als „Staatsvertragskanzler“ in die Geschichte ein. 

Mit dem „Raab-Kamitz-Kurs“, der Budgetsanierung und Schillingstabilisierung, Steuersenkung und Wirtschaftsbelebung zur Folge hatte, stellte man die wirtschaftliche Lebensfähigkeit Österreichs noch vor der Unterzeichnung des Staatsvertrags unter Beweis.[11]

Der in den 1960ern realisierte „Koren-Plan“ führte in den Jahren 1968, 1969 und 1970 zu einem überdurchschnittlich hohem Wirtschaftswachstum, welches insbesondere auf den stark gesteigerten Export zurückzuführen war.[12]

Sehr früh erkannte man im ÖWB auch, dass für ein wirtschaftlich erfolgreiches Österreich eine Überwindung der Enge des österreichischen Marktes notwendig ist. Deshalb verfolgten die Anstrengungen zahlreicher hochrangiger ÖWB-Funktionäre stets die Vollmitgliedschaft bei der EWG, der heutigen Europäischen Union.[13] Auch dem Einsatz des damaligen Wirtschaftsminister Wolfgang Schüssel ist es zu verdanken, dass die EG-Beitrittsverhandlungen im Jahr 1994 einen für Österreich positiven Ausgang fanden.[14]

Im Jahr 2000 wurde schließlich Wolfgang Schüssel – der von 1975 bis 1989 WB- Generalsekretäre war – Bundeskanzler und imitierte zahlreiche Reformen, die weit über seine Amtszeit hinaus Wirkung zeigen.

Der WB-Generalsekretär der Jahre 1992 bis 2000, Reinhold Mitterlehner, wurde 2008 Wirtschaftsminister und 2014 Vizekanzler.

Seit dem Jahr 1945 bekleideten in jeder Bundesregierung – mit Ausnahme der Regierungen Kreisky, Sinowatz und Vranitzky I – Wirtschaftsbündler Minister- bzw. Staatssekretärspositionen.

In den Wirtschaftskammern stellt der WB seit 1945 jeden Präsidenten und erreichte bei jeder Wirtschaftskammwahl in jedem Bundesland und auf Bundesebene stets die absolute oder Zweidrittel-Mehrheit.

Wirtschaftsbund-Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1945 bis 1966 Julius Raab
1966 bis 1989 Rudolf Sallinger
1989 bis 1999 Leopold Maderthaner
1999 bis 2017 Christoph Leitl
seit 2017 Harald Mahrer

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Was wir tun. In: wirtschaftsbund.at. Österreichischer Wirtschaftsbund (Bundesleitung), abgerufen am 15. April 2019.
  2. Leitung der Wirtschaftskammer Österreich. In: wko.at. Wirtschaftskammer Österreich, abgerufen am 15. April 2019.
  3. a b c Wirtschaftsbund Team. In: wirtschaftsbund.at. Österreichischer Wirtschaftsbund (Bundesleitung), abgerufen am 15. April 2019.
  4. WK-Wahl 2015: Zweidrittel-Mehrheit für Wirtschaftsbund - Ergebnisse. In: Trend. 27. Februar 2015, abgerufen am 15. April 2019.
  5. Leitbild. In: wirtschaftsbund.at. Österreichischer Wirtschaftsbund (Bundesleitung), abgerufen am 15. April 2019.
  6. Der Österreichische Wirtschaftsbund. In: wirtschaftsbund.at. Österreichischer Wirtschaftsbund (Bundesleitung), abgerufen am 15. April 2019.
  7. Rübig: Europäischer Wirtschaftsbund neu gegründet. In: OTS-APA-Presseaussendung von Paul Rübig, MEP. Ausgesendet am 17. Oktober 2012, abgerufen am 10. Juni 2019.
  8. Karl Pisa: Ideen, Taten, Zukunftsziele: 50 Jahre Wirtschaftsbund. Hrsg.: Österreichischer Wirtschaftsbund. 1995, ISBN 3-900631-02-6, S. 13.
  9. Karl Pisa: Ideen, Taten, Zukunftsziele: 50 Jahre Wirtschaftsbund. Hrsg.: Österreichischer Wirtschaftsbund. 1995, ISBN 3-900631-02-6, S. 15.
  10. Karl Pisa: Ideen, Taten, Zukunftsziele: 50 Jahre Wirtschaftsbund. Hrsg.: Österreichischer Wirtschaftsbund. 1995, ISBN 3-900631-02-6, S. 20.
  11. Karl Pisa: Ideen, Taten, Zukunftsziele: 50 Jahre Wirtschaftsbund. Hrsg.: Österreichischer Wirtschaftsbund. 1995, ISBN 3-900631-02-6, S. 49.
  12. Karl Pisa: Ideen, Taten, Zukunftsziele: 50 Jahre Wirtschaftsbund. Hrsg.: Österreichischer Wirtschaftsbund. 1995, ISBN 3-900631-02-6, S. 80/81.
  13. Karl Pisa: Ideen, Taten, Zukunftsziele: 50 Jahre Wirtschaftsbund. Hrsg.: Österreichischer Wirtschaftsbund. 1995, ISBN 3-900631-02-6, S. 105.
  14. Karl Pisa: Ideen, Taten, Zukunftsziele: 50 Jahre Wirtschaftsbund. Hrsg.: Österreichischer Wirtschaftsbund. 1995, ISBN 3-900631-02-6, S. 117.