Żarnowiec (Krokowa)

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Żarnowiec
Wappen fehlt
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Żarnowiec (Polen)
Żarnowiec
Żarnowiec
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Puck
Geographische Lage: 54° 47′ N, 18° 5′ OKoordinaten: 54° 47′ 19″ N, 18° 4′ 52″ O
Einwohner: 932 (31. März 2011[1])
Telefonvorwahl: (+48) 58
Kfz-Kennzeichen: GPU



Żarnowiec (deutsch Zarnowitz) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Pommern im Gebiet der Landgemeinde Krokowa (Krockow) im Powiat Pucki (Powiat Putzig).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt in der Nähe der Grenze zwischen der historischen Region Westpreußen und Hinterpommern, etwa 24 Kilometer nordnordwestlich von Wejherowo (Neustadt in Westpreußen), 26 Kilometer nordwestlich von Puck (Putzig) an der Danziger Bucht und fünf Kilometer südlich des Ostseestrands.

Westlich des Dorfs fließt aus dem Zarnowitzer See die Piasnitz (poln. Piaśnica) durch das Piasnitz-Bruch ins Meer.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zarnowitz am Zarnowitzer See, nordnordwestlich von Neustadt in Westpreußen und nordwestlich von Putzig an der Danziger Bucht, auf einer Landkarte von 1910.
Dorfkirche, ehemals Kirche des Nonnenklosters Zarnowitz

Überlieferte Formen des Ortsnamens sind Zarnowitz (ca. 1215), Sarnovicz (1220) und Czarnoeitz (1425); im Jahr 1215 erhielt das Kloster Oliva das Dorf, das zum Burgbezirk Danzig gehörte und administrativ dem Kastellan von Putzig unterstand, vom pommerellischen Fürsten Sobiesław II., Sohn Sambors I. und Neffe Mestwins I., geschenkt.[2][3] Bereits vor 1235 wurde im Ort als Filiale des Klosters Oliva das Nonnenkloster Zarnowitz gegründet. 1309 kam die Ortschaft zusammen mit Pommerellen an den Deutschordensstaat.

Bei der Zweiteilung Preußens durch den Zweiten Frieden von Thorn wurde das Putziger Gebiet dem autonomen, unter der Schirmherrschaft der Krone Polens stehenden Preußen Königlichen Anteils zugeordnet. Durch sein Dekret vom 16. März 1569 auf dem Lubliner Sejm kündigte König Sigismund II. August die Autonomie Westpreußens jedoch unter Androhung herber Strafen einseitig auf,[4][5] weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs in diesem Teil des ehemaligen Gebiets des Deutschen Ordens von 1569 bis 1772 als Fremdherrschaft empfunden wurde.[6]

Im Rahmen der ersten polnischen Teilung 1772 kam Zarnowitz zum Königreich Preußen. Im Jahr 1789 wird Zarnowitz als ein königliches Dorf und Erbpachts-Vorwerk mit einer katholischen Kirche, einem Benediktiner-Nonnenkloster und 23 Feuerstellen (Haushaltungen) bezeichnet.[7][8] 1808 wurde für die Zarnowitzer Landwirte, die auf der königlichen Domäne Zarnowitz dienstpflichtig gewesen waren, die Bauernbefreiung angeordnet.[9] 1864 hatte der Gemeindebezirk einen Flächeninhalt von 5.260,51 Morgen, innerhalb der Gemeindegrenzen standen 49 Wohngebäude und drei gewerbliche Gebäude.[10]

Im Jahr 1919 war das Dorf Zarnowitz dem Kreis Putzig im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs zugeordnet.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste der größte Teil des Kreises Putzig, darunter auch Zarnowitz, aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920 zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden. Nach dem Überfall auf Polen 1939 wurde das Kreisgebiet vom Deutschen Reich annektiert; Zarnowitz wurde dem Kreis Neustadt in Westpreußen im Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem der Ort bis 1945 gehörte.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. In der darauf folgenden Zeit wurden die deutschen Einheimischen, so nicht zuvor geflüchtet, im Rahmen der „Westverschiebung Polens“ größtenteils vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1818 279 in 32 Häusern[11]
1864 520 in 49 Wohngebäuden[10]
1871 402 davon 273 in der Landgemeinde und 129 im Gutsbezirk[12]
1885 433 [13]
1905 608 davon 382 in der Landgemeinde und 226 im Gutsbezirk[14]
1910 629 davon 389 in der Landgemeinde und 240 im Gutsbezirk[15]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. September 1462 fand zwischen Zarnowitz und dem südöstlichen Nachbarort Schwetzin die Schlacht bei Schwetzin statt, in der die Deutschordensritter eine schwere Niederlage erlitten und auch ihr Heerführer Fritz von Raveneck ums Leben kam; ihn ließen die Sieger später ehrenvoll im Kloster Zarnowitz bestatten.[16] Die Schlacht, die als Wendepunkt im Dreizehnjährigen Krieg gilt, ist in der Geschichtsschreibung auch als Schlacht bei Zarnowitz bezeichnet worden.

Im November 2018 gab die Polnische Regierung bekannt, dass das Dorf als einer der in Frage kommenden Standorte für den Bau eines Kernkraftwerkes vorgeschlagen wurde.[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. GUS 2011: Ludność w miejscowościach statystycznych według ekonomicznych grup wieku (polnisch), 31. März 2011, abgerufen am 1. Juli 2017
  2. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 16–18.
  3. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 209–210.
  4. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104.
  5. A. Reusch: Westpreussen unter polnischem Scepter. Festrede gehalten am Elbinger Gymnasium am 13. Spt. 1872. In: Altpreußieche Monatsschrift, NF, Band 10, Königsberg 1873, S. 140–154, insbesondere S. 146.
  6. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104 ff..
  7. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II, Marienwerder 1789, S. 59.
  8. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II, Marienwerder 1789, Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, S. 209.
  9. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 170.
  10. a b Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Berlin 1867, 7. Kreis Neustadt, S. 26–33, Nr. 199.
  11. Johann Daniel Friedrich Rumpf und Heinrich Friedrich Rumpf: Vollständiges topographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 3, Berlin 1821, S. 358–359.
  12. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 234, Nr. 211 und 212.
  13. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. dan_putzig.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  14. http://wiki-de.genealogy.net/GOV:ZARITZJO94AS@1@2Vorlage:Toter Link/wiki-de.genealogy.net (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  15. http://www.gemeindeverzeichnis.de/gem1900///gem1900.htm?westpreussen/rb_danzig.htm
  16. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 74–75.
  17. n-tv NACHRICHTEN: Polen will erstmals Kernkraftwerke bauen. Abgerufen am 8. November 2019.