AUTOSAR

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AUTOSAR
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Rechtsform Entwicklungspartnerschaft
Gründung 2003
Sitz München (Administration)
Branche Automobilindustrie
Website www.autosar.org

AUTOSAR (Abkürzung für AUTomotive Open System ARchitecture) ist eine 2003 gegründete, weltweite Entwicklungspartnerschaft, die sich aus Partnern der Automobilindustrie zusammensetzt. Ziel ist es, für Steuergeräte der Automobilindustrie eine offene und standardisierte Softwarearchitektur zu schaffen und zu etablieren. Dabei fokussiert sich AUTOSAR auf die tief eingebetteten Systeme und Rechner für Domänen-übergreifende Funktionen. Die Architektur skaliert auf unterschiedliche Fahrzeug- und Plattformvarianten, berücksichtigt die Systemverfügbarkeit sowie die Anforderungen an die Systemsicherheit und unterstützt die Übertragbarkeit von Software, die Zusammenarbeit zwischen zahlreichen Partnern, die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen sowie die Wartungsfreundlichkeit innerhalb des kompletten Produktlebenszyklus‘.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die AUTOSAR Entwicklungspartnerschaft entstand im Juli 2003 aus den Gründungsmitgliedern BMW, Bosch, Continental, DaimlerChrysler, Siemens VDO und Volkswagen. Sie wollten einen offenen Industriestandard einer automobilen E/E-Architektur entwickeln und etablieren. Im November 2003 trat die Ford Motor Company als Core Partner bei. Peugeot Citroën Automobiles S.A. und die Toyota Motor Corporation erlangten im Dezember 2003 und General Motors erlangte im November 2004 Core Partner Status.[3]

Nach der Übernahme durch Continental im Februar 2008 verlor Siemens VDO den Rang eines eigenständigen Core Partners von AUTOSAR.[3]

Seit 2003 hat AUTOSAR vier Major Releases der standardisierten Automotive Softwareplattform und eine Release der Acceptance Tests veröffentlicht. AUTOSAR wurde zunächst in drei Phasen entwickelt:

  • Phase I (2004–2006): Grundlegende Entwicklung des Standards (Releases 1.0, 2.0 und 2.1)
  • Phase II (2007–2009): Erweiterung des Standards hinsichtlich Architektur und Methodik (Releases 3.0, 3.1 und 4.0)
  • Phase III (2010–2013): Produktpflege und einzelne Verbesserungen (Release 3.2, 4.1 und 4.2)[4][5]

Im Jahr 2013 ging das AUTOSAR Konsortium zu einem kontinuierlichen Arbeitsmodus über, um die nachhaltige Pflege des Standards sicherzustellen und gezielte Verbesserungen vorzunehmen. Diese werden rückwärtskompatibel in die Release R4.2 eingearbeitet. Die Acceptance Tests werden auf Basis der Release R1.0 entsprechend erweitert und verbessert.

Konzept und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AUTOSAR bietet eine Reihe von Spezifikationen an, die Basissoftware-Module beschreiben, Anwendungsschnittstellen definieren und eine allgemeine Entwicklungsmethodik, basierend auf einem standardisierten Austauschformat, festlegen. Die in mehreren Ebenen unterteilte Softwarearchitektur von AUTOSAR stellt Basissoftware-Module bereit, die in Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller und den Elektronik-Komponenten verschiedener Zulieferer zum Einsatz kommen können. Dadurch reduziert sich der Aufwand im Bereich Forschung und Entwicklung (R&D) sowie vor allem bei der Integration. Durch die höhere Formalisierung von Systembeschreibung und Software-Komponenten bleibt die zunehmende Komplexität von Softwarefunktionen in der Automobilelektronik insbesondere auch durch stärkere Automatisierung beherrschbar.[4] Dieser Ansatz ebnet den Weg für innovative Elektroniksysteme, die Leistung, Sicherheit und Umweltfreundlichkeit weiter verbessern. Zudem erleichtern sie den Austausch und die Aktualisierung von Software und Hardware über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs hinweg. Ziel ist es, auf kommende Technologien vorbereitet zu sein und die Kosteneffizienz zu steigern ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen.[6][1]

Softwarearchitektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AUTOSAR definiert im Wesentlichen eine dreischichtige Architektur.[7]

  • Basissoftware: Dies bezeichnet standardisierte Softwaremodule zur Beschreibung einer Infrastruktur, deren Vorhandensein notwendig ist, um den funktionellen Teil der oberen Software-Ebene zu betreiben.[8]
  • Laufzeitumgebung (Run-Time Environment, RTE): RTE ist eine Middleware, die von der Netzwerk-Topologie für den Datenaustausch von Inter- und Intra-ECUs (Electronic Control Units, Steuergeräte) zwischen Applikations-Software-Komponenten und zwischen der Basissoftware und Applikationen abstrahiert.[9]
  • Anwendungsebenen: So werden Komponenten der Applikations-Software bezeichnet, die mit der Laufzeitumgebung interagieren.[10]

Methodologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beschreibung der Systemkonfiguration: Die Konfiguration umfasst alle Systeminformationen und die Informationen, die zwischen den verschiedenen Steuergeräten (ECU) übereinstimmen müssen (zum Beispiel die Definition von Bus-Signalen).
  • ECU Extrakt: Das Extrakt bezeichnet die Informationen aus der Systemkonfigurationsbeschreibung, die für eine bestimmte ECU benötigt wird (zum Beispiel jene Signale, auf die eine spezifische ECU Zugriff hat).
  • ECU Konfigurationsbeschreibung: Die Konfigurationsbeschreibung enthält alle Konfigurationsinformationen der Basissoftware, die auf einer bestimmten ECU vorhanden sind. Die ausführbare Software kann aus dieser Information, den Code der Basissoftware-Module und den Code der Software-Komponenten generieren.[11]

Acceptance Tests (Abnahmetests)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2014 wurden die AUTOSAR Acceptance Tests eingeführt, um den Testaufwand und die Testkosten zu minimieren. Die Spezifikationen der Acceptance Tests bestehen aus Spezifikationen der Systemtests mit Schnittstellen zu der Anwendung und dem Bus. Die Spezifikation der Standard Acceptance Tests tragen zu diesen Zielen bei.[12]

Standardisierte Anwendungsschnittstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Standardisierung der Funktionsschnittstellen für Hersteller und Zulieferer sowie die Standardisierung der Schnittstellen zwischen den einzelnen Softwareschichten wird als Grundlage für die Verwirklichung der technischen Ziele von AUTOSAR gesehen.[13] Nur durch die Standardisierung konkreter Schnittstelleninhalte hinsichtlich ihrer physikalischen und zeitlichen Repräsentation erreicht man die notwendige Kompatibilität bei der Integration.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitgliedschaft bei AUTOSAR ist in vier verschiedene Arten unterteilt. Der Beitrag der einzelnen Partner variiert je nach Art der Zugehörigkeit[14]:

  • Core Partner
  • Premium Partner
  • Associate Partner
  • Development Partner

Die Gruppe der Core Partner umfasst die Gründungsmitglieder BMW, Bosch, Continental, Daimler AG, Ford, General Motors, PSA Peugeot Citroën, Toyota und Volkswagen.[15] Diese Unternehmen sind für die Organisation, Verwaltung und Kontrolle der AUTOSAR-Entwicklungspartnerschaft verantwortlich.[14] Innerhalb dieses Kerns definiert der Vorstand Gesamtstrategie und Vorgehensweise (Roadmap).[16] Das Steering Committee und das Projektleiter-Team verwalten die alltäglichen, nicht-technischen Prozesse, die Zulassung von Partnern sowie die Öffentlichkeitsarbeit und Vertragsfragen.[16] Ein Sprecher, für neun Monate ernannt und von einem stellvertretenden Sprecher unterstützt, kommuniziert mit der Öffentlichkeit.[17][18][19]

Die Premium und Development Partner wirken an der Entwicklung bestimmter, eng an die Architektur angelehnter Aufgabenpakete (Work Packages) mit. Die Koordination und Betreuung dieser Entwicklungsarbeiten erfolgt durch das von den Core Partnern etablierte Projektleiter-Team in Abstimmung mit den Steering Committee.[14][20]

Seit Januar 2015 sind mehr als 180 Unternehmen an der AUTOSAR-Entwicklungspartnerschaft beteiligt.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Elektrobit Automotive: AUTOSAR. Abgerufen am 17. November 2015.
  2. AUTOSAR. Abgerufen am 17. November 2014.
  3. a b AUTOSAR: Background. Abgerufen am 17. November 2015.
  4. a b AUTOSAR: Shaping the Future of a Global Standard. Abgerufen am 17. November 2015 (PDF).
  5. AUTOSAR – The worldwide automotive standard for e/e systems. In: ATZextra (Oktober 2013), S. 7.
  6. AUTOSAR: Motivation & Goals. Abgerufen am 17. November 2015.
  7. AUTOSAR – The worldwide automotive standard for e/e systems. In: ATZextra (Oktober 2013), S. 9–10.
  8. AUTOSAR: Basic Software. Abgerufen am 17. November 2015.
  9. AUTOSAR: Runtime Environment. Abgerufen am 17. November 2015.
  10. AUTOSAR: Software. Abgerufen am 17. November 2015.
  11. AUTOSAR: Methodology. Abgerufen am 17. November 2015.
  12. AUTOSAR: Acceptance Tests. Abgerufen am 17. November 2015.
  13. AUTOSAR: Technical Overview. Abgerufen am 17. November 2015.
  14. a b c d AUTOSAR: Basic Information. Abgerufen am 17. November 2015 (PDF).
  15. AUTOSAR: Core Partners. Abgerufen am 17. November 2015.
  16. a b AUTOSAR: Executive Board. Abgerufen am 17. November 2015.
  17. Rüping turnusmäßig neuer Sprecher bei AUTOSAR. In: auto-presse.de. Abgerufen am 17. November 2015.
  18. AUTOSAR: Spokesperson. Abgerufen am 17. November 2015.
  19. AUTOSAR – The worldwide automotive standard for e/e systems. In: ATZextra (Oktober 2013), S. 6–7.
  20. AUTOSAR: Project Leader Team. Abgerufen am 17. November 2015.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oliver Scheid: AUTOSAR Compendium - Part 1: Application & RTE. 2015, ISBN 978-1-5027-5152-2.
  • Olaf Kindel, Mario Friedrich: Softwareentwicklung mit AUTOSAR. Grundlagen, Engineering, Management für die Praxis. dpunkt.verlag, 2009, ISBN 978-3-89864-563-8.
  • Werner Zimmermann, Ralf Schmidgall: Bussysteme in der Fahrzeugtechnik – Protokolle, Standards und Softwarearchitektur. 5. Auflage. Springer Vieweg, 2014, ISBN 978-3-658-02418-5.
  • Jörg Schäuffele, Thomas Zurawka: Automotive Software Engineering: Grundlagen, Prozesse, Methoden und Werkzeuge effizient einsetzen. 5. Auflage. Springer Vieweg, 2013, ISBN 3-8348-2469-0.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]