Achselschnur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Achselschnüre (Fangschnur, Feldachselstücke oder Achselband, eigentlich Schulterschnüre) sind Bestandteil der Uniform vornehmlich von Generalen, Admiralen, Offizieren und Adjutanten, aber auch Fähnrichen und Unteroffizieren. Sie werden an der Schulter von Uniformjacke oder Paraderock getragen.

Angehörige der Garde Républicaine mit den „Aiguillettes“ genannten Achselschnüren
Fleet Admiral William Daniel Leahy, Chief of Staff to the Commander in Chief, U.S. Army and Navy

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert waren Achselschnüre für Generale und Admirale in einem goldenen, für Flügel- und anderen Adjutanten in silbernem Geflecht gefertigt. Die Leibgendarmerie hatte weißleinene, mit Silberfäden und schwarzer Seide durchflochtene Achselschnüre.

In der Reichswehr existierten zunächst mehrere Versuchsformen. 1927 schließlich wurden die "Achselbänder" genannten Effekten standardisiert, mit folgenden Varianten:

  • Offiziere des Heeres bis Oberst trugen eine mit der heutigen Fangschnur der Bundeswehr identische Version, die für den Dienstrock aus unbearbeitetem Aluminiumgespinst bestand; für den Gesellschaftsrock gab es die gleiche Ausführung in hellsilber; für Generale und alle Offiziere der Reichsmarine waren beide Versionen in Gold gefertigt.
  • Adjutanten trugen eine beinahe identische Schnur, bei der am Tressenstück aber zwei zusätzliche Schnüre herabhingen, die in Metallstiften endeten.[1]

In der deutschen Wehrmacht wurden am 29. Juni 1935 so genannte Schulterbänder eingeführt, die als Schmuck zu bestimmten Anlässen getragen wurden, wie z. B. Paraden. Offiziere und höhere Militärbeamte (außer den Schreibtischbeamten) trugen ein Achselband aus Silbergespinst, Angehörige des Musikkorps hatten zusätzlich einen roten Faden im Schulterband. Generale des Heeres, Generalfeldmarschälle und ihnen gleichgestellte Militärbeamte hatten ein Achselband aus Goldgespinst. Die Achselbänder wurden wie die Achselschnüre mit einem kleinen Hornknopf unter dem Schulterstück und dann am zweiten und dritten Uniformknopf befestigt.

Adjutanten trugen Achselschnüre als ihr Tätigkeitsabzeichen. Diese wurden auch von Offizieren des Generalstabs bei Kommandobehörden (jedoch nicht von den Stabschefs und Generalstabsoffizieren) sowie von Offizieren bei Festungs-, Standort- und Truppenübungsplatzkommandanturen getragen.

Die Adjutantenschnüre wurden aus stumpfem Silberdraht gefertigt und sahen einfacher aus als die Achselbänder für Paraden. Adjutanten trugen die Achselschnüre zum Feld-, Dienst- und Meldeanzug. Die Adjutantenschnur wurde mit einem Knopf an einer Lasche unter dem rechten Schulterstück angebracht. Die Öse befestigte man am oberen zweiten Knopf.

Achselschnüre sollten nicht mit Achselstücken verwechselt werden.

Nationale Volksarmee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erich Honecker bei der Ernennung von Generalen der NVA. Im Hintergrund besonders gut zu erkennen: Die Achselschnüre wie für Offiziere üblich, informell "Affenschaukel" genannt.
Soldaten der NVA mit Repräsentations-schnüren.

In der Nationalen Volksarmee, den Grenztruppen der DDR und der DDR Volksmarine wurde seit 1976 ebenfalls eine silberfarbene Achselschnur (siehe Abbildung) eingeführt. Die Ausführung für Generale und Admirale war goldfarben.

Getragen wurde die Achselschnur ausschließlich:

  • zur Paradeuniform an der Jacke (Uniformjacke, Stiefelhose),
  • zum Großen Gesellschaftsanzug (Gesellschaftsjacke, Hose lang),

nicht aber am Uniformmantel[2].

Einzige Ausnahmen hierzu bildeten zu zentralen militärischen Zeremoniellen abkommandierte Einheiten (de facto nur "strukturmäßige Ehrenformationen", d. h. Wachregimenter, ebenso Musikkorps[3]), wo Offiziere Achselschnur an Mantel oder Dienstjacke trugen, andere Dienstgrade hingegen Repräsentationsschnüre (bestehend aus zwei Flechtbändern aus Aluminiumgespinst, die am Vorderende je in einer Silberkordel mit einer stilisierten Eichel auslaufen)[4].

Bundeswehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Bundeswehr wird die Achselschnur Fangschnur genannt. Sie wird von Attachés, Offizieren des Protokolls, Fahnenbegleitoffizieren, Begrüßungs- und Verbindungsoffizieren der Marine sowie (so diese Aufgaben durch Offiziere wahrgenommen werden) Totenwachen und Ordenskissenträgern getragen (Zentrale Dienstvorschrift 37/10, Anzugordnung für die Soldaten in der Bundeswehr, Nr. 430).

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fourragéres
  • Die Schützenschnur der Bundeswehr wird ähnlich wie eine Achselschnur getragen.
  • In den französischen und belgischen Streitkräften werden Fourragères, Ehrenzeichen für Truppenteile in Form einer farbigen Achselschnur, verliehen.
  • In den amerikanischen Streitkräften ist die Bezeichnung Honorcord oder Shoulder Cords geläufig.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm P. B. R. Saris: Aiguillettes of the Third Reich. Bender Publishing, San Jose CA 2007, ISBN 978-1-932970-04-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aiguilette – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Fourragère – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adolf Schlicht, Jürgen Kraus: Die deutsche Reichswehr. Die Uniformierung und Ausrüstung des deutschen Reichsheeres von 1919 bis 1932. Wien 2005, ISBN 3-902526-00-9, S. 245.
  2. Dienstvorschrift 010/0/005 Uniformarten und ihre Trageweise, Bekleidungsvorschrift vom 10. 11. 1986, S. 15 f. & 45 f.
  3. Katalog 063/3/001 Bekleidung und Ausrüstung - Normen vom 18. 12. 1985, S. 76 & 93.
  4. Dienstvorschrift 010/0/005 Uniformarten und ihre Trageweise, Bekleidungsvorschrift vom 10. 11. 1986, S. 46.