Knoten (Knüpfen)

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Ein einfacher Überhandknoten aus einem Papierstreifen

Ein Knoten (von althochdeutsch: knoto „knotenförmige Verdickung“) ist eine Verknüpfung von Fäden oder Seilen.
Einen Knoten herzustellen (knüpfen) bedeutet, ein oder mehrere Enden (Fäden, Seile, Tauwerk oder Ähnliches) durch, um sich selbst oder an einer andere Stelle/Gegenstand zu stecken, schlingen (umwinden), anzubringen oder zu verbinden. Die Festigkeit wird durch das zu knotende Material, der damit verbundenen Oberflächenreibung, sowie der durch die Zugbelastung entstehenden Klemmwirkung (bekneifen oder Quetschung) erzielt.
Infolge der starken Verwindung der benutzten Seile wird der Knoten zu einer geringer belastbaren Schwachstelle im Seilverlauf.

Die häufigste Anwendung für Knoten ist das Verbinden oder Befestigen.

  • zwei Seile miteinander verbinden (Verbindungsknoten)
  • ein Seil an einem Gegenstand befestigen (auch Stich genannt) (Festmacherknoten)
  • zwei oder mehr Gegenstände miteinander verbinden/ zu einem Bündel „schnüren“ (auch Bund genannt) (Schnürknoten)
  • Herstellen einer sich nicht zusammenziehenden Schlaufe in einem Seil (Schlaufenknoten)
  • Herstellen einer sich zusammenziehenden Schlinge in einem Seil (Schlingenknoten)
  • Spezialknoten für Sonderzwecke (z. B. Klemmknoten)
  • Fäden verbinden Stoff, Teppich, Netz (grobmaschige Textilie)
  • Verzierungen (Fancywork / Macramé)

Die Knotenkunde kennt eine lange Liste der Knoten mit Schifferknoten, Anglerknoten, Feuerwehrknoten, Krawattenknoten und beschreibt auch das Knüpfen von Knoten.

Geschichte[Bearbeiten]

Steinzeit und Altertum[Bearbeiten]

Speer und Messer
(oben links) alte Netzknoten
Quasten

Schon in der Steinzeit (bis zirka 50.000 v. Chr.) gab es Menschen, die sich als Sammler und Jäger, später als Siedler und Fischer, Schlingen und Netze knüpften, um damit Tiere und Fische zu fangen. Die Äxte der Steinzeit wurden ebenso von verknoteten Därmen zusammengehalten wie die Pfahlbauten mit Sehnen und Seilen. Der einfache Überhandknoten diente zum Zusammenbinden von Gebrauchsgegenständen. Aus ihm entwickelte sich der Filetknoten (ein um einen Leitfaden geknüpfter Überhandknoten) zum Knüpfen der Netze. Zur Jagd mit dem Bogen (Altsteinzeit, 30.000 bis 10.000 v. Chr.) musste die Bogensehne sicher befestigt werden. Der Gletscherfund Ötzi (etwa 3340 v. Chr. in der Jungsteinzeit) hatte Gegenstände an seinem Gürtel mit Knoten befestigt. Lendenschurz, „Schilfmatten“-Regenschutz, Grasschuhe und Beinlinge wurden mit Knoten gebunden beziehungsweise zusammengehalten.[1]

Antike[Bearbeiten]

Die älteste Überlieferung von Zierknoten stammt von den Assyrern aus der Antike (900 bis 609 v. Chr.). In Stein gemeißelte Reliefs zeigten tunikaähnliche Gewänder, Waffenröcke und Pferdedecken. Sie sind mit dicht verknüpften Fransen sowie dicken Quasten verziert.

Zu Homers Zeiten waren Knoten etwas Alltägliches. Er erwähnt im achten Gesang der Odyssee, dass Odysseus:

[…] die reichen und kostbaren Gewänder, die Vasen, das Gold und andere wertvolle Geschenke des Alkinoos und der Königin mit einem Seil zusammenschnürte, das er mit einem zaubermächtigen Knoten nach Kirkes kunstvoller Art sicherte.

Homer: 8. Gesang[2]

Der römische Gelehrte Plinius der Ältere (ca. 23–79 n. Chr.), behauptete vom Kreuzknoten (damals Herkulesknoten): „Wunden, die mit dem Herkulesknoten geschlossen werden, heilen schneller“.[3]

Der Gordische Knoten ist seit der Antike bekannt.

Knüpfkanten

Nach 756 kamen durch die Mauren arabische Einflüsse in der Knüpftechnik nach Europa (Córdoba / Spanien).[4]

Mit den Kreuzzügen (1096 bis 1270) bis zum späten Mittelalter entwickelten sich aus den relativ einfachen Fransen der Ägypter und Assyrer kunstvolle Knüpfkanten. Das alte Inka-Reich (1250 bis 1781) kannte mit „Quipu“ eine Knotenschrift, welche im Dezimalsystem statistische Aufzeichnungen übermittelte.

Christliche Seefahrt[Bearbeiten]

Palstek

Der dritte wesentliche Einfluss ging von der christlichen Seefahrt aus. Eine Vielzahl von „Schifferknoten“ waren für die unterschiedlichsten Zwecke gebräuchlich. In ihren oft monatelangen Fahrten begannen die Seeleute neben ihren bekannten Gebrauchsknoten in ihrer Freizeit mit Garn und Tauwerk nach Mustern zu knüpfen, welche sie im Orient gesehen hatten. Sie dekorierten ihre Schiffe mit kunstvoll geknüpften Glockenzügen, umknüpften Flaschen und vielem mehr. Oft waren diese Arbeiten ohne praktischen Wert, sie dienten mehr der Zierde. Diese „Knotenknüpfkunst“ wird als Fancywork, Platting und Makramee gepflegt.

Neuzeit[Bearbeiten]

Für heutige Anforderungen werden immer wieder neue Knoten erfunden, beispielsweise der Prusikknoten, der Halbmastwurf oder der Karabinerklemmknoten. In den 1980er Jahren wurde Scoubidou bekannt, welches 2004 weite Verbreitung unter Jugendlichen fand.

Anwendungen[Bearbeiten]

Quipu-Knoten

Knoten und Schrift[Bearbeiten]

Knoten wurden früher auch als Schrift verwendet. Die Inkas benutzten die Knotenschrift Quipu. Bauern und Müller nutzten Knoten als Hilfsmittel zum Zählen (Müllerknoten).

Knoten und Gericht[Bearbeiten]

Der Henkersknoten am Galgen diente zur Hinrichtung eines Verurteilten. Im Mittelalter wurde beim Abschluss eines Vertrages ein Urkundenknoten in die Riemen der Urkunde geknüpft. Die Anzahl der Knoten bewiesen, wie viele Männer am Vertragsabschluss beteiligt und mit dem Inhalt des Vertrages einverstanden waren. Der „Knotenknüpfer“ galt deshalb auf dem Gericht als Gewährsmann oder Zeuge.[5]

Knoten und Wappen[Bearbeiten]

In Wappen diente der „Liebesknoten“ als Wappenfigur in Liebesschnüren oder Liebesseilen, welche im 17. Jahrhundert (Frankreich) als modische Kreationen bzw. Verzierung diente.[6] Der Liebesknoten ist auch als „Witwenstrick“ bekannt.[7]

Die Knoten in der Heraldik heißen in der englischen Fachsprache Badges[8] (Abzeichen oder Kennzeichen). Auch heute finden sie sich noch in den Abzeichen schottischer Clans.[9]


Beruf und Sport[Bearbeiten]

Obi-Knoten im Kampfsport
Bambusstangen werden zu einem Gerüst durch Knoten fixiert

Knoten werden von vielen Berufsgruppen und in vielen Sportarten eingesetzt:

Der Postsackbinder ersetzt den Knoten

Alltag[Bearbeiten]

Versteckte Knoten[Bearbeiten]

  • Fast unscheinbar befinden sich spezielle Knoten als „Wickel- und Ursusknoten“[10] auch in dem Knotengeflecht von Wildzäunen.
  • Die Griffe (Tsuka) der japanischen Samuraischwerter werden mit Spezialknüpfungen griffiger und auch künstlerisch gestaltet. Den Abschluss bildet ein Ura- oder Omoteknoten.

Kunst und Mode[Bearbeiten]

Takling an der Prinz-Heinrich-Mütze
Heinrich der VIII. (1491–1547) mit Knotenstickereien auf Umhang und Vorhang

Militär[Bearbeiten]

Das Militär hatte schon früh eine Neigung zu kunstvollen Verzierungen an ihren Uniformen, Rangabzeichen/Schulterstücken und anderen Symbolen (aus Litzen geflochtene Schützenschnur, auch Achselschnur oder Fangschnur bezeichnet).

  • Das amerikanische Militär bezeichnet ihre eigenen Schnüre als Honor Cords [12] oder Shouldercords (Schulterschnur) und Aiguilette[13] (Achselschnur)[14]

Sex[Bearbeiten]

In der Bondage-Szene werden fixierende oder dekorative Knoten für Fesselspiele und andere sexuellen Praktiken verwendet.

Knoten und Magie[Bearbeiten]

Der Chefalo-Zauberknoten kippt unter Zug und löst sich auf.

Mit Knoten können auch Tricks zur Unterhaltung vorgeführt werden. Besonders in Zauberkunststücken werden solche Knotentricks angewendet. Eine sinnvolle, praktische Anwendung ist im Alltag meistens ausgeschlossen.

Verein der Knotenspezialisten[Bearbeiten]

Unter der International Guild of Knot Tyers wurde 1982 in London eine Vereinigung von Gleichgesinnten aus allen Schichten und Berufsgruppen gegründet. Vom Anfänger bis zum Spezialisten mit dem Interesse rund um Knoten erfolgt der Austausch in Foren und Mitgliederzeitschriften. Durch die stete Entwicklung von Kunstfasern wird der Einsatzbereich von Knoten ständig erweitert und aktualisiert.

Redewendungen[Bearbeiten]

  • Ein Gordischer Knoten ist ein schwieriges Problem
  • „Den Gordischen Knoten lösen“ = ein schwieriges Problem lösen
  • „Einen Knoten im Hals haben“ = Mir ist nicht wohl dabei.
  • „Einen Knoten ins Taschentuch/ins Ohr machen“ = eine Gedächtnisstütze
  • „Einen Knoten finden“ = Hier stimmt etwas nicht.
  • „Einen Knoten in der Leitung haben“ = Ich verstehe nichts.
  • „Einen Knoten durchhauen“ = etwas gewaltsam/ohne zu zögern trennen, statt es mühsam zu lösen
  • „Der Knoten ist aufgegangen/geplatzt“ = eine Lösung wurde gefunden, eine Blockade hat sich gelöst, die Sache wurde verstanden
  • Kabelsalat“ = ein Durcheinander oder schwer zu lösende Knoten in Kabeln

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Enzyclopedia of Knots
  • Raoul Graumont und John Hensel: ENCYCLOPEDIA OF KNOTS AND FANCY ROPE WORK. Cornell Maritime Press, Inc. Cambridge, Maryland. (1933-) 1977 (4. Auflage) Mehr als 3668 Knoten in S/W Bildern, ISBN 0-87033-021-7.
  • Clifford W. Ashley: Das Ashley-Buch der Knoten. Über 3800 Knoten. Wie sie aussehen. Wozu sie gebraucht werden. Wie sie gemacht werden. Sonderausgabe. Edition Maritim, Hamburg 2005, ISBN 3-89225-527-X.
  • Geoffrey Budworth: Knoten - das Praxishandbuch. Delius Klasing, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-7688-2538-2.
  • J. Tom Burgess: Die praktische Knotenfibel. Knoten, Schlingen, Spleissen. 7. Aufl. BLV, München und Wien 1996, ISBN 3-405-12969-9.
  • Kai Lund: BÄNDSEL LEINEN TROSSEN,und wie man damit umgeht. Delius Klasing, 1972, ISBN 3-7688-0140-3; (Titel der dänischen Originalausgabe: KNOB OB SPEJS von Borgens Forlag A-S, Kopenhagen.)
  • Erich Sondheim: Knoten Spleissen Takeln, Klasing + Co, 1975, ISBN 3-87412-009-0.
  • Arved und Conrad H. v. Sengbusch: Arbeiten mit TAUWERK, kunstgewerblich, praktisch, seemännisch, Topp Frech-Verlag Stuttgart 1978, ISBN 3-7724-0212-7.
  • Clemens Creynfeld: Knoten von A-Z, Edition moses Verlag, 1999, ISBN 3-929130-57-2
Mode & Schmuck
Buch: Fliegen und Krawatten;
Buch: Schnürsenkel
  • Davide Mosconi·Riccardi Villarosa, Fliegen und Krawatten, „die verbindliche Kunst des feinen Knotens“, Bechtermünz Verlag, 1997, ISBN 3-86047-782-X.
  • Ian Fieggen, Laces, 100 s of ways to pimp your kicks, (100 verschiedene Wege seine Schnürsenkel zu stecken und binden) Sterling Publishing Co., Inc. NY., 2007, ISBN 1-4027-5201-6.
  • J.C Turner, Peter van de Griend ′′ History and Science of Knots ′′World Scientific Publishing Co. Pte. Ltd. Singapore, New Jersey, London, Hongkong 1996, ISBN 981-02-2469-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Knoten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
für eine Übersicht mit deutschen Namen für die Kategorienkategorien, siehe Commons: Unterkategorien von Knoten
 Commons: Knoten in Kunst und Dekoration – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikibooks: Knotenkunde – Lern- und Lehrmaterialien
 Wikibooks: Knoten & Bünde für Pfadfinder – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Weblink Ötzi & Bekleidung Bild einer Rekonstruktion
  2. Tom Burgess, Die praktische Knotenfibel Seite 10, BLV Verlagsgesellschaft München, 1981, ISBN 3-405-12073-X
  3. Knoten Welt
  4. Makramee als Kunst und Hobby, S. 17
  5. Zählknoten des Müllers
  6. Quelle: Frauenwappen
  7. Liebesknoten(BILD)
  8. Celtic Cross Bild
  9. Gutenberg.org: „THE HANDBOOK TO ENGLISH HERALDRY“ (z. B. No 219.— Bourchier Knot; No 220. Bowen Knot. uvm.)
  10. Wickel- und Ursusknoten-Bild
  11. Knüpfen von Teppichen
  12. Honor Cords
  13. Aiguilette
  14. Shouldercords & Aiguillettes (Muster)
  15. [1]