Akademikerquote

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Die Akademikerquote gibt an, wie hoch der Anteil der Hochschulabsolventen an einer Bevölkerung oder Erwerbsbevölkerung ist. Meist wird sie bezogen auf die Altersgruppe der in der Ausbildung befindlichen Personen angegeben.

Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Akademikerquote steigt in Deutschland seit den 1960er-Jahren kontinuierlich an. Da die Akademikerquote bezogen auf die in der Ausbildung befindlichen Jahrgänge über der Akademikerquote der gesamten Erwerbsbevölkerung liegt, wird diese Entwicklung auch die nächsten Jahrzehnte anhalten.

Parallel zur Entwicklung der Akademikerquote stieg der Anteil der Erwerbstätigen, die eine berufliche Ausbildung absolviert haben, bis Anfang der 1990er-Jahre an. Die Anzahl und Bedeutung von un- und angelernten Arbeitnehmern sank deutlich. Seit Mitte der 1990er-Jahre stagniert diese Entwicklung, da zunehmend berufliche durch akademische Ausbildung ersetzt wird und der Anteil ungelernter Arbeitskräfte durch Einwanderung steigt. Im Jahr 2018 lag der Anteil der Erwachsenen im Alter von 25 bis unter 65 Jahren mit Hochschulabschluss bei 22 %[1].

Grafische Darstellung
Jahr Abgeschlossene

Ausbildung

Berufs-

ausbildung

Akademische

Ausbildung

1975 63 % 56 % 7 %
1976 65 % 58 % 7 %
1977 67 % 59 % 8 %
1978 68 % 60 % 8 %
1979 70 % 61 % 9 %
1980 71 % 62 % 9 %
1981 71 % 62 % 9 %
1982 72 % 62 % 9 %
1983 73 % 63 % 10 %
1984 74 % 64 % 10 %
1985 75 % 65 % 10 %
1986 77 % 66 % 11 %
1987 78 % 67 % 11 %
1988 79 % 68 % 12 %
1989 80 % 68 % 12 %
1990 81 % 69 % 12 %
1991 84 % 72 % 12 %
1992 84 % 71 % 13 %
1993 85 % 71 % 14 %
1994 85 % 71 % 14 %
1995 86 % 71 % 15 %
1996 86 % 70 % 16 %
1997 87 % 71 % 16 %
1998 87 % 71 % 16 %
1999 86 % 70 % 16 %
2000 86 % 69 % 17 %
... ... ... ...
2014 17,6 %
2015 ... ... ...
2016 21 %[2]

(Anteil an der Erwerbsbevölkerung; bis 1990 BRD, ab 1991 Gesamtdeutschland; Quelle: IAB)

Entwicklung in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1971 stieg der Akademikeranteil der Wohnbevölkerung im Alter zwischen 25 und 64 Jahren von 2,8 % auf 15,8 % im Jahre 2018. Im Jahr 2001 betrug der Akademikeranteil 7,5 %, im Jahr 2011 11,9 %.[3]

Internationaler Vergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im internationalen Vergleich ist die Akademikerquote in Deutschland, Österreich und der Schweiz traditionell niedrig. Der Grund hierfür liegt im dualen Ausbildungssystem und insbesondere den Aufstiegsfortbildungen und der höheren Berufsbildung. Viele Aufgaben, die in anderen Ländern durch Akademiker wahrgenommen werden, werden hier durch Absolventen beruflicher Ausbildungsgänge wahrgenommen.

Die Quote der Erwerbstätigen mit abgeschlossener Ausbildung ist in den genannten Ländern im internationalen Vergleich hoch. Keinesfalls darf daher die Akademikerquote isoliert betrachtet und als Indikator einer unzureichenden Berufsausbildung interpretiert werden.

Die Akademikerquote darf nicht mit dem Anteil der Bevölkerung mit Abschluss auf Tertiärstufe verwechselt werden. Gerade beim Vergleich von Statistiken aus verschiedenen Bildungssystemen ist darauf Rücksicht zunehmen.

Die Akademikerquote beträgt 2013 in Irland 39,7 Prozent, Neuseeland 40,6, Großbritannien 41,0, Australien 41,3, Korea 41,7, USA 43,1, Israel 46,4, Japan 46,6, Kanada 52,6, Russland 53,5.[4]

Bedeutung für die wirtschaftliche Produktivität einer Region[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut empirischen Befunden ist eine hohe Akademikerquote allein nicht für die Produktivität einer Region entscheidend: In einer Studie wurde die Bedeutung von tertiärer Bildung und Kreativität der lokalen Bevölkerung für die Totale Faktorproduktivität einer Region untersucht anhand der Daten von 257 Regionen der EU. Unterschieden wurden dabei berufstätige Akademiker in kreativen Berufsfeldern (z. B. Natur- und Sozialwissenschaften, Life Science und Gesundheit, Lehrer, Ingenieurwesen …) von berufstätigen Akademikern in nichtkreativen Berufsfeldern (Regierungs- und Behördenmitarbeiter, Manager, Geschäftsleute, Anwälte …). Für die Analyse wurden auch andere potentiell beeinflussende Eigenschaften der Regionen berücksichtigt wie von dort stammende Patente, der Grad der kulturellen Diversität und Toleranz, Spezialisierungsgrad im Bereich verarbeitendes Gewerbe, Siedlungsstruktur, Populationsdichte und Entwicklungslevel der Region. Der Anteil der Akademiker in kreativen Berufsfeldern hatte dabei einen ca. viermal so starken Effekt auf die Produktivität wie der Anteil der Akademiker in nichtkreativen Berufsfeldern.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Autorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutschland 2020. Hrsg.: Autorengruppe Bildungsberichterstattung. wbv Publikation, Bielefeld, S. 68.
  2. IAB-Direktor Möller: „Es gibt keine Anzeichen für eine Über-Akademisierung“. In: IAB. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, 4. Mai 2017, abgerufen am 27. Juli 2020.
  3. Bildungsstand der Bevölkerung. Statistik Autria, 3. August 2020, abgerufen am 22. September 2020.
  4. wiwo.de OECD-Bildungsstudie: Die Länder mit der höchsten Akademikerquote
  5. Emanuela Marrocu, Raffaele Paci: Education or Creativity: What Matters Most for Economic Performance? In: Economic Geography. Band 88, Nr. 4, Oktober 2012, S. 369–401, doi:10.1111/j.1944-8287.2012.01161.x (wiley.com [abgerufen am 19. Juni 2019]).