Alassane Ouattara

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Alassane Dramane Ouattara [alaˈsaːn wataˈʀa], genannt Ado (* 1. Januar 1942 in Dimbokro, Elfenbeinküste) ist ein ivorischer Politiker und Volkswirt sowie Präsident der Elfenbeinküste.

Alassane Ouattara

Er ist Vorsitzender des Rassemblement des Républicains.[1] Vom 17. Februar 2012 bis zum 28. März 2014 war Ouattara Vorsitzender der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS/CEDEAO).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alassane Ouattara entstammt einer ehemaligen Adelsfamilie, die das Herrschergeschlecht des Kong-Reiches (auch Ouattara-Reich genannt) bildete. Er ist väterlicherseits direkter Nachkömmling von Sékou Oumar Ouattara (1665–1745), dem Gründer des Kong-Reichs.[2]

Nach einem Studium an der University of Pennsylvania in den USA machte er von 1968 bis 1990 Karriere beim Internationalen Währungsfonds.

Im November 1990 wurde er vom damaligen Präsidenten Félix Houphouët-Boigny zum Ministerpräsidenten der Republik Elfenbeinküste ernannt.

Als Félix Houphouët-Boigny im Dezember 1993 starb, galt Ouattara als Nachfolgekandidat, unterlag aber im Machtkampf gegen Henri Konan Bédié. Ouattara, der aus dem Norden des Landes stammt, wurde 1995 und 2000 durch das Concept d’Ivoirité daran gehindert, bei den Präsidentschaftswahlen zu kandidieren. Grund waren Zweifel an der ivorischen Nationalität seiner Mutter. Sie soll aus Burkina Faso stammen.[3]

Von 1994 bis 1999 war er erneut für den Internationalen Währungsfonds tätig, um sich ab 1999 dann ausschließlich der Politik der Republik Elfenbeinküste zu widmen.

Während Ausschreitungen im Jahr 2002 wurde bei einem Attentatsversuch durch Kräfte der Regierung sein Leben und das seiner Frau in der Nacht vom 19. auf den 20. September von westlichen Diplomaten gerettet. Das Ehepaar Ouattara war zunächst in die Residenz des deutschen Botschafters Marius Haas geflüchtet und hielt sich anschließend in der Residenz der französischen Botschaft auf.[4][5] Er lebte zeitweise im Exil in Gabun und Frankreich.

Ouattara ist mit Dominique Ouattara, geb. Nouvian, verheiratet und hat vier Kinder. Die Französin ist nach Viviane Wade im Senegal die zweite weiße „Première Dame“ Afrikas. Die Hochzeit fand in Neuilly-sur-Seine, einem Vorort von Paris, statt.[6] Ouattara ist islamischen Glaubens und Angehöriger des Baoulé-Volks.[7]

Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahl 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen 2010 erhielt er nach Angaben der Unabhängigen Wahlkommission 54,1 % der Stimmen. Nach Ansicht des Verfassungsrats (Conseil Constitutionnel) sei jedoch Laurent Gbagbo mit 51,45 % der Stimmen als Präsident wiedergewählt worden. Die Wahl im Norden (noch unter Kontrolle der Rebellen) lief nach Aussagen Gbagbos undemokratisch mit Einschüchterungen seiner Wähler und massivem Wahlbetrug, was dazu führte, dass Ergebnisse in manchen Städten annulliert wurden. In der Folge kam es zu einer Regierungskrise, während derer sich Ouattara im Hotel du Golf aufhielt, das von Soldaten der Opération des Nations Unies en Côte d’Ivoire (ONUCI) beschützt und von Gbagbotreuen Einheiten belagert wurde.[8] Die Afrikanische Union, die Europäische Union, die Vereinten Nationen, die USA, Frankreich, Deutschland und andere Länder betrachteten Ouattara als den rechtmäßigen Sieger der Präsidentschaftswahl.[8][9] Am 4. Dezember 2010 legte er ebenso wie sein Kontrahent in den vorausgegangenen Wahlen, Laurent Gbagbo, den Amtseid als Präsident der Elfenbeinküste ab. Für einige Zeit hatte das Land somit faktisch zwei Präsidenten.

Mehr als vier Monate nach den ivorischen Präsidentschaftswahlen wurde Laurent Gbagbo am 11. April 2011 in seiner Residenz in Abidjan festgenommen. Ouattara wurde am 6. Mai 2011 durch den Verfassungsrat als Staatspräsident der Elfenbeinküste vereidigt.[10] Am 21. Mai 2011 wurde Ouattara in Yamoussoukro offiziell in sein Amt eingeführt. An der feierlichen Zeremonie nahmen neben zahlreichen afrikanischen Staats- und Regierungschefs auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon teil.[11]

Erzbischof Ambrose Madtha, Papstbotschafter in der westafrikanischen Elfenbeinküste, ermöglichte ihm im November 2012 eine Privataudienz bei Papst Benedikt XVI.[12]

Wahl 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Präsidentschaftswahl im Oktober 2015 wurde Ouattara mit über 83 Prozent der Stimmen erneut für eine fünfjährige Amtszeit bestätigt.[13]

Wahl 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2020 verkündete Ouattara zunächst seinen Verzicht auf eine Kandidatur bei der im Oktober 2020 anstehenden Wahl.[14] Nach dem plötzlichen Tod von Premierminister Amadou Gon Coulibaly am 8. Juli 2020, der als Kandidat der Regierungspartei bei der Wahl antreten sollte, verkündete Ouattara, dass er noch einmal antreten werde. Obwohl die ivorische Verfassung seit 2016[15] nur zwei Amtszeiten zulässt, erlaubte das Verwaltungsgericht Ouattara, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Dies führte zu teilweise gewaltsamen Protesten.[16] Laut dem vorläufigen Ergebnis der Wahlkommission erreichte Ouattara 94,27 Prozent der Stimmen, seine Herausforderer 1,66 Prozent und 0,99 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,9 Prozent. Die Opposition kündigte an, das Ergebnis nicht anzuerkennen.[17] Seine politischen Gegner, Ex-Präsident Laurent Gbagbo und der ehemalige Rebellenführer Guillaume Soro, durften nicht antreten. Die Wahl war von Gewalt und Spannungen überschattet. Am Tag der Abstimmung wurden der Polizei zufolge drei Menschen getötet, laut der Opposition zwölf. Im Vorfeld der Abstimmung kamen Human Rights Watch zufolge mehr als 20 Menschen durch politische Gewalt oder Gewalt zwischen Bevölkerungsgruppen ums Leben.[18]

Nach Angaben der Regierung lag die Wahlbeteiligung bei 53,9 Prozent. Die Opposition gab jedoch an, nur etwa zehn Prozent der Stimmberechtigten hätten an der Abstimmung teilgenommen. Die größten Oppositionsparteien in der Elfenbeinküste kündigten an ihre eigene Übergangsregierung bilden zu wollen.[19]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Alassane Ouattara – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus D. Loetzer, Anja Casper: Zwei Präsidenten und kein Ausweg aus der politischen Krise. In: Konrad-Adenauer-Stiftung. 22. Dezember 2010, abgerufen am 8. April 2011.
  2. Côte d'Ivoire's new president: The king of Kong: Alassane Ouattara takes charge but can he keep the peace? The Economist, dated Apr 20th 2011.
  3. Ute Schaeffer: Eine Identität, die trennt, statt zu verbinden. In: ARD. 9. Januar 2011, archiviert vom Original am 12. Januar 2011; abgerufen am 29. April 2011.
  4. Internationale Untersuchungskommission zu Menschenrechtsverletzungen in der Elfenbeinküste: Endbericht. wikisource
  5. Peter Körner, Andreas Mehler: Mehr Krieg als Frieden — Neuentwicklungen im westlichen Westafrika. In: Institut für Afrika-Kunde, Rolf Hofmeier, Andreas Mehler (Hrsg.): Afrika Jahrbuch 2002: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Afrika südlich der Sahara. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2003, ISBN 978-3-663-09224-7, S. 36, doi:10.1007/978-3-663-09224-7 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  6. Thomas Scheen: Unzählige alte Rechnungen. FAZ, 23. Dezember 2010, abgerufen am 4. März 2015.
  7. d'Ivoire: 30.000 Menschen in Don Bosco-Zentrum geflüchtet
  8. a b Dagmar Dehmer: Elfenbeinküste: Ein Land, zwei Präsidenten. In: Tagesspiegel. 5. Dezember 2010, abgerufen am 8. November 2020.
  9. Elfenbeinküste: Gbagbo lässt westafrikanische Staatenführer abblitzen. In: Der Spiegel. 28. Dezember 2010, abgerufen am 8. November 2020.
  10. vgl. Alassane D. Ouattara. In: Internationales Biographisches Archiv 03/2011 vom 18. Januar 2011, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 18/2011, abgerufen via Munzinger Online.
  11. Elfenbeinküste: Ouattara tritt Präsidentenamt an. In: Spiegel Online. 21. Mai 2011, abgerufen am 21. Mai 2011.
  12. Archbishop Ambrose Madtha Dies in Accident in Ivory Coast, Daijiworld, 9. Dezember 2012 (englisch)
  13. Ivorischer Präsident Ouattara wie erwartet im Amt bestätigt
  14. Ivorians react to Ouattara’s exit. africanews.com vom 6. März 2020 (englisch), abgerufen am 6. März 2020
  15. Tagesschau.de
  16. Präsident Ouattara hat Justiz auf seiner Seite Deutsche Welle vom 14. September 2020, abgerufen am 27. Oktober 2020
  17. Wahlen in der Elfenbeinküste: Ouattara bleibt Präsident. In: Tagesschau. Abgerufen am 4. November 2020.
  18. Elfenbeinküste: Präsident Ouattara gewinnt Wahl. In: DER SPIEGEL. Abgerufen am 4. November 2020.
  19. Alassane Ouattara erneut zum Präsidenten der Elfenbeinküste gewählt. Abgerufen am 8. November 2020.