Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
Gründer Wolfgang Schindler
Gründung 2000, München
Sitz München; Hauptstadtbüro in Berlin
Personen

Mahi Klosterhalfen (Geschäftsführender Vorstand),
Rolf Hohensee (Vorstand),
Hans-Georg Kluge (Vorstand)

Aktionsraum Deutschland
Schwerpunkt Tierschutz, Tierrechte
Angestellte 24
Motto Begeistert für Tiere
Website http://www.albert-schweitzer-stiftung.de/

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt ist eine deutschlandweit tätige Tierschutz- und Tierrechtsorganisation, die sich insbesondere für die Abschaffung der Massentierhaltung und die Verbreitung der veganen Lebensweise einsetzt.[1]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Organisation handelt es sich um eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts, die im Jahr 2000 durch den 2013 verstorbenen Rechtsanwalt Wolfgang Schindler in München als gemeinnützige Stiftung gegründet wurde.

Nach eigenen Angaben ist sie seit dem Tod ihres Gründers fast ausschließlich spendenfinanziert. Sie ist Mitglied der Initiative Transparente Zivilgesellschaft und fertigt ihre Jahresberichte seit 2012 nach den Vorgaben des Social Reporting Standards an.[2]

Schirmherr der Stiftung war viele Jahre der Philosoph Peter Sloterdijk. Rhena Schweitzer-Miller, die Tochter Albert Schweitzers, verlieh ihr den Namen. Der Sitz der Stiftung befindet sich in München.

Das Leitungsorgan ist der Vorstand, dem Mahi Klosterhalfen, Rolf Hohensee und Hans-Georg Kluge angehören. Das Amt der Geschäftsführung hat Mahi Klosterhalfen inne.

Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Albert Schweitzer Stiftung konzentriert sich mit ihrer Arbeit auf den Bereich der Nutzung von Tieren als Nahrungsmittel. Dabei orientiert sie sich gemäß ihrer Satzung an der handlungsleitenden Maxime »Ehrfurcht vor dem Leben« Albert Schweitzers.[3] Die Tätigkeit der Stiftung besteht hauptsächlich aus Verhandlungen mit Betrieben der Lebensmittelwirtschaft, Information der Öffentlichkeit, klassischer Presse- und Medienarbeit sowie im kleinen Rahmen politischer Lobbyarbeit. Sie arbeitet außerdem im Rahmen des Verbandsklagerechts für Tierschutzorganisationen mit klagebefugten Organisationen zusammen.[4]

Unternehmenskampagnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Käfigfrei

Im Rahmen ihrer Käfigfrei-Kampagne verfolgt die Stiftung das Ziel, die Produktion von Eiern aus Käfighaltung und den Handel damit zu beenden. Dabei arbeitet die Stiftung mit 13 Partnerorganisationen zusammen.[5] Auf ihrer Webseite veröffentlicht die Stiftung Listen, in denen nach Branchen geordnet Unternehmen aufgezählt werden, die keine Käfigeier mehr verwenden. Daneben werden auch die Unternehmen genannt, welche nach Kenntnisstand der Stiftung die Käfighaltung nach wie vor unterstützen.[6] Nach eigenen Angaben konnte sie bereits etliche Supermarkt- und Großhandelsketten sowie über hundert Lebensmittelproduzenten überzeugen, keine Käfigeier mehr zu verkaufen.[7]

Schnabelkürzen bei Legehennen

Seit 2010 setzt sich die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt für ein Ende der Amputation von Schnäbeln bei Küken ein. Gleichzeitig fordert sie deutlich bessere Haltungsbedingungen für die Hennen. In Deutschland wird das Schnabelkürzen Ende 2016 endgültig abgeschafft.[8]

Stopfleberstopp

Die Stiftung fordert gemeinsam mit anderen Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen deutsche Unternehmen auf, den Handel mit Stopfleberprodukten zu stoppen.[9]

Lebensmittel-Fortschritt

Mit der Webseite lebensmittel-fortschritt.de informiert die Stiftung über Entwicklungen im Tierschutz und im Bereich des veganen Angebots. Die Seite wendet sich zudem direkt an Unternehmen, die Interesse daran haben, ihre Tierschutzstandards zu erhöhen und/oder ein vegetarisches und veganes Produktangebot zu schaffen.[10]

Informationskampagnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vegan Taste Week

Das Projekt Vegan Taste Week wurde im November 2014 von der Albert Schweitzer Stiftung ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei um eine Probierwoche, bei der die Teilnehmer eine Woche lang über einen täglichen Newsletter Kochrezepte, praktische Tipps und Hintergrundinformationen zur veganen Lebensweise erhalten. Auf dem dazugehörigen Informationsportal www.vegan-taste-week.de findet man unter anderem eine Rezeptdatenbank, eine vegane Produktübersicht sowie Portraits von vegan lebenden Personen.[11][12]

Selbst-Wenn-Broschüre

Die Selbst-Wenn-Broschüre ist die einzige Print-Publikation der Stiftung. Es werden darin Auswirkungen der Massentierhaltung erläutert und Hintergrundinformationen zur veganen Lebensweise geliefert. Die Stiftung verbreitet die Broschüren über Online-Bestellungen, über die GrunzMobil-Tour sowie über ihre Aktionsgruppen (s. u.). Sie wurde nach Angaben der Stiftung bisher 1 Mio. Mal gedruckt (Stand: Mai 2015).[13]

GrunzMobil-Tour

Seit 2011 sind Aktive der Albert Schweitzer Stiftung mit einem schweineförmigen Fahrzeug, dem GrunzMobil, in deutschen Großstädten unterwegs.[14] Auf einer integrierten Videoleinwand werden Filme gezeigt, die über die Folgen der Massentierhaltung und eine vegane Ernährung informieren.[15][16]

Sonstige Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokale Aktionsgruppen

Die regionalen Aktionsgruppen der Stiftung sind auf lokalen Veranstaltungen aktiv, verteilen die Selbst-Wenn-Broschüre und organisieren Informationsstände. Derzeit existieren 32 Aktionsgruppen in Deutschland (Stand: März 2016).[17]

Wahlprüfsteine

Vor Bundestags- und Europawahlen befragt die Stiftung eine Auswahl der kandidierenden Parteien nach ihren Positionen in diversen Tierschutz-Fragen. Die Antworten werden von der Stiftung ausgewertet und in Tabellen präsentiert.[18]

Bundestagspetition

2014 sammelte die Albert Schweitzer Stiftung mehr als 99.000 Unterschriften für ihre Petition »Massentierhaltung abschaffen«. Sie forderte auf Grundlage des Tierschutzgesetzes, nach dem niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf, die Abschaffung der Massentierhaltung. Im Dezember 2014 stellte Mahi Klosterhalfen im Petitionsausschuss des Bundestags die Petition vor und diskutierte sie mit den Ausschussmitgliedern.[19] Der Petitionsausschuss hat bislang (Stand: März 2016) noch keine Entscheidung zur Petition gefällt.

Erfolge und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu ihren Erfolgen zählt die Stiftung nach eigenen Angaben die Durchsetzung des Verbots von herkömmlichen Legebatterien vor dem Bundesverfassungsgericht durch Wolfgang Schindler. Zudem haben gemäß ihren Angaben Verhandlungen mit Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen dazu geführt, dass dort keine Eier aus Käfighaltung mehr verkauft werden. Zudem habe die Stiftung mehrere Unternehmen überzeugen können, den Handel mit Stopfleberprodukten zu beenden.

2014 wurde die Albert Schweitzer Stiftung von der Organisation Animal Charity Evaluators von weltweit 155 Tierrechts- und Tierschutzorganisationen in die Top 7 der besonders empfehlenswerten Organisationen gewählt.[20]

Universelles Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2012 veröffentlichte der Tierrechtler Colin Goldner einen Artikel auf der Website der Albert Schweitzer Stiftung, der forderte, seriöse Tierrechtsbewegungen stärker von Gruppen abzugrenzen, die Tierrechte nur als Deckmantel für eine sektenähnliche religiöse oder rechtsradikale Gesinnung nutzen und eine Unterwanderung durch diese zu verhindern. Zu diesen zählte er unter anderem auch "Universelles Leben".[21][22][23]

2007 hatte sich der Gründer Wolfgang Schindler anlässlich einer Demonstration zur Abschaffung der Jagd am 31. März 2007 in München in seinem von Barbara Rütting verlesenen Grußwort jedoch wie folgt geäußert:

„Das großartige Engagement des Universellen Lebens im Bereich des Tierschutzes bewundere ich seit Jahren. Wenn mir irgendeine Religionsgemeinschaft imponiert, dann das Universelle Leben. Bei großer Toleranz wird hier unermüdlich Überzeugungsarbeit geleistet.“

Wolfgang Schindler[24]

In der Folge kam es zu dem veröffentlichten Artikel zu einem Sturm des Protestes,[21][22] der dazu führte, dass die Stiftung Goldners Beitrag schließlich vom Netz nahm, um laut eigener Aussage "in Ruhe prüfen" zu können, ob sich in dem Artikel "Aussagen befanden, die die Grenzen des rechtlich Zulässigen überschreiten und Haftungsrisiken für uns begründen können".[25] Wie die Stiftung später feststellte, war Goldners Beitrag rechtlich nicht zu beanstanden, wohl aber einige der Kommentare der Leser des Artikels.[25]

Goldners Beitrag jedoch wurde nicht wieder freigeschaltet, da man "das Risiko eines langwierigen und teuren Rechtsstreits" nicht eingehen wolle.[25]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Stiftung, Stiftungsverzeichnis
  2. Transparency International Deutschland e.V., Mitglieder der Initiative Transparente Zivilgesellschaft
  3. Albert Schweitzer Stiftung, Satzung
  4. Animal Rights Watch e.V., Veterinärbehörden vereiteln Durchführung des Tierschutz-Verbandsklagerechts durch Rechtsbruch
  5. gv-praxis, Käfigfrei-Kampagne: Top-Caterer verzichten auf Eier aus Käfighaltung
  6. Albert Schweitzer Stiftung, Käfigfrei
  7. Ruhrgesichter, Der geschäftsführende Vorstand der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt im Gespräch mit den Ruhrgesichtern
  8. Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V., Schnabelkürzen bei Legehennen wird praktisch bundesweit abgeschafft
  9. Vier Pfoten, Bündnis Stopfleberstopp
  10. Lebensmittel-Fortschritt
  11. Vegan Taste Week
  12. Codecheck.info, Vegan leben? Die Vegan Taste Week bringt dich auf den Geschmack
  13. Albert Schweitzer Stiftung, Selbst-Wenn-Broschüre
  14. Veggie-Kids, Grunzmobil klärt Teenies auf
  15. SWR Landesschau, Grunzmobil in Ulm im Namen der Schweine
  16. Hessische/Niedersächsische Allgemeine, Grunz-Mobil gegen Massentierhaltung
  17. Albert Schweitzer Stiftung, Aktiv werden für Tiere
  18. Albert Schweitzer Stiftung, Wahlprüfsteine
  19. Mitschnitt Mahi Klosterhalfen im Petitionsausschuss des Bundestags
  20. Animal charity Evaluators, Updated Recommendations: December 2014
  21. a b Doggennetz.de
  22. a b GreatApeProject.de
  23. Colin Goldner: Tierrechte und Esoterik – Eine Kritik.. In: Das steinerne Herz der Unendlichkeit erweichen. Alibri Verlag, 31. Mai 2007, ISBN 3865690149.
  24. Grußwort von W. Schindler
  25. a b c Golner-Beitrag nach Entfernung (Memento vom 15. November 2012 im Internet Archive)