Alexander von Tralleis

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Alexander von Tralleis (griechisch Alexandros, latinisiert Alexander Trallianus; * um 525; † um 605) war ein griechischer Arzt des 6. Jahrhunderts.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexander, der jüngste Sohn des Arztes Stephanos, stammte aus der kleinasiatischen Stadt Tralleis. Er unternahm Bildungsreisen nach Italien, Africa, Gallien und Spanien, bevor er sich in Rom niederließ, wo er seither lebte und wirkte. Dort widmete er sich zunächst vor allem der praktischen Arbeit, bis er im hohen Alter mit der Arbeit an medizinischen Abhandlungen begann.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexander ist besonders durch seine Abhandlungen über Pathologie und Therapie bekannt. Sein Buch Therapeutika behandelt die Gebrechen des Menschen nach dem Schema von Kopf bis Fuß beginnend mit Haarausfall über Phrenitis, Epilepsie, Melancholie, Lungenleiden, Cholera bis zur Podagra.

Alexander verfasste folgende Schriften:

  • Περὶ ἑλμίνθων (Perí helmínthon; De lumbricis; Über die Eingeweidewürmer). Überliefert im Codex Parisinus gr. suppl. 631. aus dem 11./12. Jahrhundert.
  • Περὶ ὀφθαλμῶν (Perí ophthalmon; De oculis; Über die Augen). Vor dem 10. Jahrhundert, Alexander wohl fälschlich zugeschrieben. Kompilation sonst verlorener Quellen, insbesondere arabischer Ärzte. Überliefert im Codex Marcianus gr. V 9 aus dem 15. Jahrhundert.
  • Περὶ πυρετῶν (Peri pyreton; De febribus; Über das Fieber). Überliefert im Codex Laurentianus plut. 74,10 aus dem 14. Jahrhundert.
  • Θεραπευτικά (Therapeutiká; Therapeutik). Umfassendes medizinisches Lexikon in galenischer Tradition. Teilweise überliefert im Codex Parisinus gr. suppl 1297 aus dem 10. Jahrhundert und ganz im Codex Laurentianus plut. 74,10 aus dem 14. Jahrhundert.

Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexander gibt seine eigenen Erfahrungen als Arzt wieder, weit umfangreicher exzerpiert er aber aus den Schriften der Ärzte vor ihm. Es finden sich Parallelen zu Hippokrates von Kos, Aulus Cornelius Celsus, Galenos, Caelius Aurelianus, Oreibasios und vielen weiteren.[1] Die anatomischen und physiologischen Grundlagen entnimmt er weitgehend von Galenos, die Behandlung folgt häufig den Methodikern mit Bädern, Aderlass, Diät, Schröpfkopf.[2]

Der Schwerpunkt liegt aber bei Medikamenten, deren meist pflanzliche Stoffe bereits von Pedanios Dioskurides, Plinius dem Älteren, Scribonius Largus und anderen aufgeführt werden. Magische Praktiken, wie Amulette und die Dreckapotheke, werden selten erwähnt. Alexanders Verwertung älterer Literatur dokumentiert den Verlust medizinischen Wissens in der Spätantike. So kennt Scribonius Largus für die Podagra die interessante Behandlung durch den elektrischen Strom, der vom lebenden Zitterrochen (torpedo nigra viva) ausgeht;[3] Alexander hingegen bezeichnet den Zitterrochen (Νάρχμν) ausdrücklich als lebend zu bratendes und mit anderen Stoffen gemischt aufzutragendes Heilmittel.[4]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexanders Werk sollte noch lange nach seinem Tod ein Lehrbuch für Ärzte bleiben. Es wurde aus dem Griechischen zuerst ins Lateinische (Libri duodecim de re medica) und später ins Arabische übersetzt und bis ins 16. Jahrhundert gedruckt.

Als „Alexander der artzat“ erhielt Alexander einen eigenen Kurzeintrag in Hartmann Schedels Weltchronik von 1493, einer Art Enzyklopädie des ausgehenden Mittelalters.[5]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor Puschmann (Hrsg.): Alexander von Tralles. Original-Text und Übersetzung nebst einer einleitenden Abhandlung. Ein Beitrag zur Geschichte der Medizin. 2 Bände, Wien 1878–1879 (Neudruck Amsterdam 1963).
  • Barbara Zipser: Pseudo-Alexander Trallianus. De oculis. Einleitung, Text, Übersetzung und Kommentar. Dissertation, Universität Heidelberg 2003.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Iwan Bloch: Alexandros von Tralleis. In: Max Neuberger, Julius Pagel (Hrsg.): Handbuch der Geschichte der Medizin. Begründet von Theodor Puschmann. Band 1, Fischer, Jena 1902, S. 535–544; Neudruck Olms, Hildesheim/New York 1971
  • David R. Langslow: The Latin Alexander Trallianus. The Text and Transmission of a Late Latin Medical Book. The Society for the Promotion of Roman Studies, London 2006, ISBN 0-907764-32-0 (enthält kritische Teiledition der lateinischen Fassung der Therapeutika)
  • Alexios G. Savvides, Benjamin Hendrickx (Hrsg.): Encyclopaedic Prosopographical Lexicon of Byzantine History and Civilization. Bd. 1: Aaron – Azarethes. Brepols, Turnhout 2007, ISBN 978-2-503-52303-3, S. 139–140
  • Barbara Zipser: Alexandros von Tralleis. In: Manfred Landfester (Hrsg.): Geschichte der antiken Texte. Autoren- und Werklexikon (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 2). Metzler, Stuttgart/Weimar 2007, ISBN 978-3-476-02030-7, S. 29 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Alexander von Tralleis – Quellen und Volltexte

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Theodor Puschmann: Alexander von Tralles.
  2. Iwan Bloch: Alexandros von Tralleis. S. 540, 544.
  3. Scribonius Largus, Compositiones 162.
  4. Alexander von Tralleis: Vorsichtsmittel gegen Podagra und Gelenkleiden.
  5. Auf Blatt CXXXVI ist zu lesen: „Alexander der artzat diser zeit von wegen der groeße seiner sinnreichigkeit. Ein fuerst der artzt gehalten. hat die lere der gantzen ertznei in dreyen buechern außgetruecket.“ (Alexander, ein Arzt dieser Zeit, wurde wegen seiner Sinnreichigkeit [Auffassungsgabe?] als Bester seiner Zunft angesehen. Er hat die Lehre von den Arzneien in drei Büchern aufgeschrieben.) Hartmann Schedel: Weltchronik 1493. Kolorierte und kommentierte Gesamtausgabe. Einleitung und Kommentar von Stephan Füssel. Augsburg 2004, ISBN 3-8289-0803-9 (Wikisource).