Alfred Zehelein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Alfred Zehelein (* 25. März 1902 in Miltenberg; † 25. Oktober 1978 in Volkach am Main) war ein deutscher Komponist, Musikwissenschaftler, Musikpädagoge und Kirchenmusiker. Er widmete sich vorwiegend der sakralen Musik und der Kammermusik. Das Spektrum von 400 Kompositionen reicht von Konzerten, Instrumental- und Kammermusik, Liedern und Chorgesang bis hin zu Kirchenmusik und Orgelwerken. Sein Werk zählt 108 Opus-Ziffern.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine kirchenmusikalisches Wirken begann Zehelein 1923 als Chordirektor an der St. Sylvesterkirche in München-Schwabing, wozu ihn Domkapellmeister Ludwig Berberich ermunterte. Er schuf einen Chor, der durch seine Schulung zur Aufführung anspruchsvoller Werke der Kirchenmusikliteratur heranreifte. Von Palestrina bis zu den Meistern des 20. Jahrhunderts reichte die musikalische Palette sowohl für das liturgische Kirchenjahr als auch für Kirchenkonzerte. Die Pflege zeitgenössischer Musik war Zehelein immer eine Verpflichtung. Komponisten wie Joseph Haas, Ludwig Berberich, Joseph Meßner waren in seiner Aufführungspraxis fester Bestandteil. Seine lateinischen und deutschen Motetten für gemischten Chor und Orgel für den liturgischen Gebrauch sind in St. Sylvester uraufgeführt worden. Zum Eucharistischen Kongress 1960 erklang erstmals die Dorische Messe für Solosopran, Solobass, gemischten Chor, Bläser und Orgel. Hier entstanden auch das erste (op. 61) und zweite Orgelbuch (op. 91) mit Toccaten, Präludien, Postludien, Variationen und Choralvorspielen. Auch als Konzertorganist war Zehelein im In- und Ausland tätig, besonders als Interpret frühbarocker und zeitgenössischer Orgelmusik, nicht zuletzt mit Aufführung eigener Werke.

Kompositorischen Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bei Hans Pfitzner, Gustav Mahler und Max Reger ist Zeheleins kompositorischer Ausgangspunkt die Spätromantik. Er vertonte Lieder nach Eichendorff, auch japanische und chinesische Texte. Hier wendet er sich von den allzu menschlichen Gemütswallungen ab und sucht nach klaren Proportionen. Er strebt weg von Chromatik, Klangaufwand sowie Pathos und hin zur reinen Diatonik, der durchsichtigen Führung weniger Stimmen, die sich zu herben Klängen vereinen. Von seiner frühen Kammermusik findet die Pastorale Suite für Flöte und Klavier große Beachtung. Die Evolution in der Musik nach den Weltkriegen wird auch im kompositorischen Stil Zeheleins deutlich. Seine Spätromantik fließt in den Impressionismus. Weitere Liedkompositionen entstehen. Aus einer großen Reihe von Orgelwerken ist beispielsweise die Variation über das feierliche ite missa est hervorzuheben.

Entscheidend für Zehelein sind die Jahre nach 1950, in denen er den Schritt zur teilweisen Atonalität vollzieht. Die Statica für Orgel und seine Musik zur Eröffnung einer Ausstellung für Schlagwerk sind hierfür Zeugnisse. Zehelein beschäftigte sich gerne mit weltanschaulichen Fragen, den Naturwissenschaften und der Astronomie. Die hier herrschenden Gesetzmäßigkeiten führen ihn in den 1960er Jahren zu den strengen Strukturen und hin zur absoluten Logik Anton Weberns. Wie Webern bedient sich Zehelein der von Schönberg gefundenen Zwölftönigkeit, verwendet aber das Gesetz der Logik in eigener Weise. Der punktuelle und athematische Stil führt zur Konzentration auf knappste Formen. Die serielle Kompositionstechnik der Zwölftönigkeit zeigt Zehelein in seinem Klavierkonzert aus dem Jahre 1971, einer Auftragskomposition der Landeshauptstadt München. Die Vier Statica für Orgel sind durch eine „statische Zwölftönigkeit“ gekennzeichnet: Die 12 Töne sind wie Fixpunkte im Raum festgestellt, das musikalische Geschehen entwickelt sich aus fortgesetzten rhythmischen Dialogen der einzelnen statischen Punkte. Auch in den späteren Kantaten, z. B. Das Jahr nach altjapanischen Versen wird dies deutlich. Der Verbundenheit Zeheleins mit der Antike entsprangen die Attische Kantate und Der junge Pan. Seine Verehrung Weberns dokumentiert Zehelein in seinen Metamorphosen über ein Thema von Anton Webern. Der Komponist hat sie selbst zum hundertjährigen Jubiläum der Kirchenmusikschule Regensburg (heute Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik), deren Schüler er war uraufgeführt; Karl Maureen spielte dieses Werk beim zweiten Bayerischen Tonkünstlerfest 1977 in Augsburg. Im Gegensatz zu dieser Stilrichtung hat Zehelein in seiner geistlichen Musik neomodale Tendenzen bewusst weitergeführt. Da sein musikhistorisches Interesse ganz besonders der italienischen Renaissance galt, war der große Meister Frescobaldi – von dem Zehelein einige Werke bearbeitet und herausgegeben hat – Vorbild in dieser Richtung. Frescobaldis „chromatische Modalität“ bricht bekanntlich mit dem Tod des Meisters plötzlich ab. An dieser Stelle wollte Alfred Zehelein anknüpfen. So entstanden Werke wie die Variation über ein Thema von Frasobaldi (1974) oder die Vier Inventionen für Cembalo (1976) und die Barocke Suite für Cembalo.

Vom Bayerischen Rundfunk wurden das Oratorium Von der Schönheit der Welt, die Kantate Von der Güte nach Worten des Lao Tse aufgenommen und gesendet, außerdem das Konzert für Harfe und Orchester, das Konzert für Zither und Streichquartett, die Drei Meditationen, zahlreiche Orgelstücke und viele seiner über 100 Liedkompositionen.

Musikwissenschaftler und Musikpädagoge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1928 übernahm Zehelein eine Dozentenstelle für musikwissenschaftliche Fächer am Trapp’schen Konservatorium in München. 1945 führte er dieses Institut treuhänderisch als Händel Konservatorium weiter. 1962, nach der Überführung des Instituts in das Richard-Strauss-Konservatorium der Stadt München (heute Münchner Musikhochschule) wurde er Leiter der Abteilung für Katholische Kirchenmusik bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden im Jahre 1969. In den Amerikahäusern der Bundesrepublik und den Volkshochschulen Bayerns hielt er Vorträge. Ab 1968 leitete er die Volksmusiklehrerprüfungen. Für Volksmusikinstrumente, Solobass und Chor schrieb er 1975 die Ökumenische Messe sowie Bearbeitungen für Bläser, für Orgel und für Streicher.

Zeheleins komponierte eine Reihe von Werken für die Musikerziehung, so die 1960 in Bamberg uraufgeführte Schuloper Die Barke des Odysseus nach der Dichtung von Friedrich Deml sowie zahlreiche Kammermusik für Soloinstrumente, Klavier und Kammerorchester. Zusammen mit Heinrich Simbriger verfasstes er das Handbuch für musikalische Akustik. Er initiierte die Zeitschrift für geistliche Musik. 1928 gründete er die Bruckner Gemeinde zur Pflege geistlicher Musik e.V. und konzertierte mit diesem Chor in Berlin, in süddeutschen Städten sowie in Österreich. Beide Institutionen wurden durch den Nationalsozialismus unterbunden. 1945/46 war er Stadtrat im ersten Kommunalparlament Münchens. 1966 wurde er in den Vorstand des Verbandes Münchner Tonkünstler e.V. berufen.

Auf einer Vortragsreise im Oktober 1978 starb Zehelein in Unterfranken am Herztod. Seine letzte Ruhestätte hat er in Weilheim gefunden. Seine Originalpartituren sind in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek in München eingegliedert.

Zu seinen Schülern zählen u. a.: Rudolf Bojanovski, Josef Brandlmeier, Gerhard Dorda und Raimund Walter Sterl.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegfried Frischmuth, Alfred Zehelein: Alfred Zehelein. Werkverzeichnis. 2002
  • Leitgedanken zur Pädagogik. Kleine Musikstudienreihe, Musikverlag Preissler, 1975
  • mit Heinrich Simbriger: Handbuch der musikalischen Akustik. J. Habbel, 1951; Neuauflage 1974
  • Die Geschichte von einer Mutter. In: Tim Klein, Hermann Rinn (Hrsg.): Buch vom Opfer. Mit Bildern von Hans Meid. Höfling, 1934, S. 11–17
  • Joseph Michl (1745-1810), ein vergessener südbayerischer Komponist: sein Leben und seine Werke. Dissertation, W. Berntheisel, 1928

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]