Allen Frances

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Allen James Frances[1] (* 1942 in New York City) ist ein US-amerikanischer Psychiater, der den Vorsitz der Arbeitsgruppe innehatte, die die vierte Revision des Diagnostic and Statistical Manual (DSM-IV) durchgeführt hat und für seine Kritik an der aktuellen Version, der DSM-V bekannt wurde, dem Diagnostischen und Statistischen Handbuch Psychischer Störungen, einem Klassifikationssystem der American Psychiatric Association (US-amerikanische Psychiatrische Vereinigung). Der DSM entspricht die ICD-10. Er warnt davor, dass die Erweiterung der psychiatrischen Grenzen eine Inflation an psychiatrischen Diagnosen verursachen wird, die zu einer Übertherapie der „eingebildeten Kranken“ führt, wodurch die Psychiatrie nur vom eigentlichen Focus, nämlich der Behandlung der psychisch schwer Kranken abgelenkt wird.

Ausbildung[Bearbeiten]

Allen J. Frances machte seinen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und einem medizinischen Vorbereitungskurs am Columbia College im Jahre 1963, und beendete 1967 sein Medizinstudium am Downstate Medical Center. Seine psychiatrische Facharztausbildung absolvierte er am Columbia Presbyterian Medical Center und New York State Psychiatric Institute im Jahr 1971. Sein Zertifikat in Psychoanalyse erhielt er 1978 am Columbia University Center for Psychoanalytic Training and Research.

Frances ist verwitwet und lebt in San Diego.[2]

Wissenschaftliche Tätigkeit[Bearbeiten]

Er begann seine wissenschaftliche Laufbahn am Cornell University Medical College, wo er bald eine Professur erhielt und Leiter der Ambulanz wurde. Frances entwickelte spezialisierte Forschungskliniken für Schizophrenien, Depressionen, Angststörungen und AIDS. Während seiner akademischen Laufbahn forschte Frances in zahlreichen klinischen Bereichen wie Persönlichkeitsstörungen, chronische Depressionen, Angststörungen, Schizophrenie, AIDS und Psychotherapie. In seinem Buch Differential Therapeutics in Psychiatry[3] versucht Frances aufzuzeigen, wie eine effektive Behandlungsplanung aussehen kann, ohne die Behandlung mechanisch an einer passenden Diagnose zu orientieren.

Seine Forschungsergebnisse über die therapeutischen Grenzen mündeten 1981 in seine Veröffentlichung No Treatment as the Prescription of Choice (Keine Behandlung als Rezept der Wahl).[4] Insgesamt schrieb Frances mehrere hundert Veröffentlichungen und rund ein Dutzend Bücher.

Frances war Gründer und Herausgeber von zwei Zeitschriften, die zu Standard-Fachzeitschriften geworden sind: Das Journal of Personality Disorders[5] und das Journal of Psychiatric Practice[6]. Im Jahr 1991 wurde er Dekan der Abteilung für Psychiatrie an der Duke University School of Medicine, wo er die Forschung, Ausbildung und die klinischen Programme, die von seinem Vorgänger Bernard Carroll eingeleitet worden waren, ausgebaut hat. Inzwischen ist er Professor emeritus.

DSM[Bearbeiten]

Frances war an der DSM III (veröffentlicht 1980) und der DSM III R (veröffentlicht 1987) beteiligt und war Vorsitzender der Arbeitsgruppe, die DSM IV im Jahr 1994 veröffentlicht hatte.[7] Gegen das Erscheinen der DSM V initiierte er eine Petition, weil er befürchtete, dass das neue Standardwerk zur Hyperinflation psychischer Krankheiten führe, besonders bei Kindern und Jugendlichen. [8] [9] [10]

Werke[Bearbeiten]

  • A. Frances, B. Schaden: NORMAL: Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen. Dumont Buchverlag; 1. Auflage (2013) ISBN 978-3-8321-9700-1.
  • A. Frances, M. B. First: Am I Okay? A Layman's Guide to the Psychiatrist's Bible. Scribner Verlag, Auflage: 1st Touchstone Ed, New York/London (2000), ISBN 978-0-6848-5961-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Allen James Frances, MD. In: Duke University, abgerufen am 4. Januar 2014
  2. Rudolf Burger: «Wir haben die Unreife von Kindern in Krankheit verwandelt» Interview in: Der Bund vom 4. Januar 2013
  3. A. Frances, Differential Therapeutics in Psychiatry, Bruner Meisel U; 1. Auflage (1984), ISBN 0-87630-360-2
  4. A. Frances, J. F. Clarkin: No treatment as the prescription of choice. In: Archives of General Psychiatry. Band 38, Nummer 5, Mai 1981, S. 542–545, ISSN 0003-990X. PMID 7235855
  5. Journal of Personality Disorders
  6. Journal of Psychiatric Practice
  7. D. Goleman, Allen J. Frances; Revamping Psychiatrists' Bible New York Times, 19. April 1994
  8. Psychologists Start Petition Against DSM 5 in Psychology today
  9. http://www.derbund.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Ein-Kaempfer-wider-den-Diagnosewahn/story/29671448 Tageszeitung Der Bund vom 8. Dezember 2012 anlässlich einer Tagung des Schweizer Klubs für Wissenschaftsjournalismus in Balsthal SO
  10. http://www.derbund.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Wir-haben-die-Unreife-von-Kindern-in-Krankheit-verwandelt/story/19731387 Samstagsinterview in der Tageszeitung Der Bund vom 4. Januar 2014 mit Allen Frances: DSM 5 wird Millionen von neuen Patienten schaffen. Das neue Standardwerk der Psychiatrie führe zur Hyperinflation psychischer Krankheiten.