Altlünen

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Altlünen
Stadt Lünen
Koordinaten: 51° 37′ 44″ N, 7° 31′ 41″ O
Höhe: ca. 55 m
Fläche: 18,24 km²
Einwohner: 20.958 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 1.149 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 44534
Vorwahl: 02306

Altlünen ist der gesamte nördliche Ortsteil (bestehend aus Alstedde, Nordlünen und Wethmar) der Stadt Lünen (seit 1. Januar 1975) im nordrhein-westfälischen Kreis Unna.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altlünen liegt am Südrand des Münsterlandes, nördlich der Lippe, die südwestlich des Ortsteiles Alstedde diesen seitlich durchfließt.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altlünen besteht aus den gewachsenen Ortsteilen (früher: Bauerschaften) Alstedde, Nordlünen und Wethmar. Nach der Eingemeindung in die Stadt Lünen (1975) sind diese Ortsteile in statistische Bezirke geändert worden, wobei die ursprünglichen Grenzen teilweise sehr deutlich verschoben wurden. So haben jetzt der statistische Bezirk Alstedde eine Größe von 5,22 km2, der statistische Bezirk Nordlünen (nicht zu verwechseln mit dem angrenzenden Bezirk Lünen-Nord) eine Größe von 10,58 km2 und der statistische Bezirk Wethmar eine Größe von 2,52 km2, insgesamt für Altlünen also 18,32 km2.

Der statistische Bezirk Alstedde liegt jetzt südlich der Bahnlinie Dortmund-Lünen-Enschede (Westmünsterland-Bahn), der statistische Bezirk Wethmar liegt jetzt südlich der Bahnlinie Dortmund-Preußen-Lünen-Münster (Der Lüner), während der statistische Bezirk Nordlünen, dem große Teile von Wethmar zugeschlagen wurden, jetzt komplett nördlich dieser beiden Bahnlinien gelegen ist.

Durch die (willkürliche) Trennung in statistische Bezirke ist es z. B. gekommen, dass das Gut Alstedde, seit Jahrhunderten in Alstedde gelegen, nun im statistischen Bezirk Nordlünen gelegen ist, welcher jedoch durch die Stadt (inoffiziell?) wiederum in Altlünen umbenannt wurde, mithin liegt das Gut Alstedde nicht mehr in Alstedde, sondern inzwischen im statistischen Bezirk Altlünen.

Trivia: Lünen-Alstedde wird oft in Anlehnung an Los Angeles (LA) auch mit LA abgekürzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche archäologische Funde belegen, dass das Gebiet Altlünens schon während der Steinzeit eine Siedlungsstätte war. 1869/70 fand Franz Hülsenbeck aus Paderborn bei Ausgrabungen in Alstedde ein Urnengräberfeld. 1909 wurde ein Großsteingrab (Megalith) entdeckt. 1989 bis 1993 wurde in Wethmar ein größeres Gräberfeld freigelegt und archäologisch untersucht. Gefunden wurden Brand- und Körpergräber, Schmuck und Waffen, die teilweise bis in die Römerzeit datieren.

Das spätere Kirchspiel Altlünen entstand als Zusammenschluss der drei Bauerschaften Alstedde, Nordlünen und Wethmar. Urkundlich erwähnt ist, dass das unweit gelegene Kloster Cappenberg bei der Gründung im Jahr 1122 Grundherr wurde.

1803 wurde Altlünen nach Auflösung des Fürstbistums Münster, zu welchem es bis dahin gehört hatte, preußisch und dem Kreis Lüdinghausen als dessen südlichste Gemeinde angegliedert.

Nach Entdeckung reichhaltiger Vorkommen von Raseneisenerz im Lippetal gründete Kaspar Diederich Wehrenbold 1826 die Gewerkschaft Eisenhütte Westfalia in Wethmar, die sich im Laufe der Geschichte zu einem weltweit bedeutenden Bergbauzulieferer entwickelte. 1899 wurden in Altlünen bei Probebohrungen größere Kohlelager entdeckt.

Eine eigene Verwaltung besaß die Gemeinde Altlünen niemals. Seit 1815 war die Amtsverwaltung in Bork für die Gemeinde zuständig. Erst am 1. Juli 1974 wurde in Altlünen eine Verwaltungsnebenstelle des Amtes eingerichtet.[1]

1946 fanden die ersten Gemeinderatswahlen seit Kriegsende statt. Der von Wilhelm Löbbe Ende der 1940er Jahre weiterentwickelte Kohlenhobel revolutionierte den Steinkohleabbau. 1950 hatte Altlünen 6252 Einwohner. Bestrebungen der Stadt Lünen, die Gemeinde Altlünen und den Borker Ortsteil Cappenberg anzugliedern, konnten sich seinerzeit nicht durchsetzen. Der Reit- und Fahrverein Altlünen e. V. wurde 1937, der Tennisverein Altlünen e. V. wurde 1956 gegründet. 1957 wurde das neuerrichtete, großzügige Freibad Cappenberger See eröffnet und das Richtfest der „Freiherr-vom-Stein-Jugendherberge“ gefeiert. 1966 wurde der Übertagebetrieb auf Schacht V eingestellt. 1967 begann der Lehrbetrieb am Gymnasium Altlünen. Die – inzwischen geschlossene – Ara-Schuhfabrik nahm ihre Arbeit auf. Im Gebiet des späteren Wohngebietes Brusenkamp waren der Bau eines Rathauses und ein Ortszentrum für Altlünen vorgesehen.

1971 wurde Alfred Meermann (1928–2015) (CDU) zum letzten Altlüner Bürgermeister gewählt. 2014 schied er nach langjähriger Mitgliedschaft aus dem Rat der Stadt Lünen aus. In Anerkennung seiner Verdienste als Kommunalpolitiker wurde ihm 2016 posthum eine besondere Ehrung zuteil: Eine Straße im Neubaugebiet an der Laakstrasse in Nordlünen auf dem Gelände des ehemaligen Hallenbades wurde nach ihm benannt.

1972 erfolgte der Spatenstich für das inzwischen geschlossene Altlüner Hallenbad.

Bis zur Gebietsreform des Landes Nordrhein-Westfalen war die Gemeinde Altlünen eigenständig und gehörte neben Selm und Bork (mit Cappenberg) zum Amt Bork im Kreis Lüdinghausen. Am 1. Januar 1975 wurde Altlünen im Rahmen dieser Reform nach Lünen eingemeindet.[2] Seitdem gibt es die selbständige Gemeinde Altlünen nicht mehr; doch ihr Name blieb durch § 6 des Gebietsänderungsvertrages vom 25. Mai 1973 zwischen der Stadt Lünen, der Gemeinde Altlünen und dem Amt Bork erhalten: „Die einzugliedernde Gemeinde Altlünen bildet einen Ortsteil der Stadt Lünen. Er erhält die Bezeichnung Ortsteil Altlünen.“

Leider hat die Stadt Lünen in der Zwischenzeit, entgegen dieser Vereinbarung und ohne Rücksicht auf die zwei anderen, ebenfalls seit Jahrhunderten Altlünen zugehörigen, geschichtlich gewachsenen Ortsteile Alstedde und Wethmar, nur den ebenfalls gewachsenen, mittleren Ortsteil Nordlünen (in)offiziell(?) in "Altlünen" umbenannt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altlünen hatte die folgenden Einwohnerzahlen:

Jahr Einwohner Quelle
1800 391 [1]
1845 915 [1]
1900 ca. 2.500 [1]
1961 11.778 [2]
1970 14.890 [2]
1974 15.496 [3]
1987 17.059 [4]
2012 20.874
2015 21.122

Einwohnerzahlen Altlünens nach Ortsteilen

Jahr Alstedde Nordlünen Wethmar
1987[4] 5870 7814 3375
2012 6687 9294 4893
2015 6510 9674 4938

Der Zuwachs beträgt seit der Eingemeindung nach Lünen (1975) fast 6000 Einwohner bzw. plus ca. 35 %. Damit ist Altlünen als eine bevorzugte Wohngegend anzusehen. Gegenüber 1950 hat sich die Einwohnerzahl Altlünens bis 2017 fast vervierfacht.

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1969 wurde der ehemalige stellvertretende Bürgermeister Paul Böke (SPD) zum einzigen Ehrenbürger Altlünens ernannt. Nach ihm wurde später, nahe der ehemaligen Ara-Schuhfabrik, die Paul-Böke-Straße benannt.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung Altlünens ist insgesamt mehrheitlich katholisch. Historisch gehört Altlünen zum katholischen Fürstbistum Münster. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele meist protestantische Flüchtlinge und Vertriebene aus den früheren deutschen Ostgebieten, so dass es seitdem in Altlünen auch größere evangelische Gemeinden gibt. In der Kirche St. Marien in Lünen-Nord (nicht zu verwechseln mit Nordlünen, jedoch direkt angrenzend) befindet sich das Gnadenbild Maria mit dem Kind, eine ca. 43 cm hohe, aus Eichenholz geschnitzte Madonna aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sehenswert ist auch der romanische Taufstein, aus Sandstein gehauen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aloys Siegeroth: Die Geschichte der Gemeinde Altlünen. Gemeindeverwaltung Altlünen, Altlünen 1964 (224 Seiten).

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Heinrich A. Mertens, Josef Limbach: Aus der Geschichte des Kreises Lüdinghausen 1803–1974. Verlag Lonnemann, Selm 1974, ohne ISBN.
  2. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 330.
  3. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 151.
  4. a b Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (Hrsg.): Bevölkerung und Privathaushalte sowie Gebäude und Wohnungen. Ausgewählte Ergebnisse für Gemeindeteile. Regierungsbezirk Arnsberg. Düsseldorf 1990, S. 34.