Cappenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Ort Cappenberg. Zu weiteren Bedeutungen siehe Cappenberg (Begriffsklärung).

Cappenberg (früher auch: Kappenberg, zuvor: Uebbenhagen) ist ein Ortsteil der Stadt Selm im Kreis Unna (Land Nordrhein-Westfalen).

Auf einem Höhenrücken liegt das Schloss Cappenberg. Das ehemals bedeutende Prämonstratenserkloster wurde nach der Säkularisation zum Altersruhesitz des bekannten preußischen Verwaltungsreformers Freiherr Karl vom und zum Stein. Seinen Nachkommen, der gräflichen Familie von Kanitz, gehört es noch heute. Rund um Cappenberg zieht sich der Cappenberger Wald, an dessen Südseite, jedoch auf Altlüner Gebiet, das Naherholungsgebiet um den Cappenberger See gelegen ist.

Zu Cappenberg gehört auch die Bauerschaft Netteberge.

Schloss Cappenberg, Südansicht

Ausstellungsort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss – an das an der Süd- und Südwestflanke Acker- und Waldflächen angrenzen – liegt neben einem weitläufigen, als Naherholungsgebiet genutzten Mischwald und ist ein beliebtes Ausflugsziel mit großer Tradition. Mit hochrangigen Ausstellungen zu ständig wechselnden Themen – teils eigens für Schloss Cappenberg konzipiert und nur hier zu sehen, teils in Zusammenarbeit mit international renommierten Partnern präsentiert, wie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz aus Berlin – hat der Kreis Unna hier ein überregional beachtetes Kulturzentrum aufgebaut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artefaktfunde belegen die Anwesenheit bereits steinzeitlicher Menschen. In Cappenberg befindet sich die 1122 erbaute ehemalige Stifts- und Klosterkirche St. Johannes Evangelist. Es handelt sich um eine romanisch-gotische Kirche, die im Inneren eine sehenswerte Ausstattung besitzt. Hervorzuheben sind das reich geschnitzte Chorgestühl aus dem 16. Jahrhundert, ein gemalter Flügelaltar von etwa 1530 des früher unter dem Notnamen Meister von Cappenberg bekannten Jan Baegert, ein romanisches Kreuz von 1225 und zahlreiche Grabplatten. Zum Kirchenschatz gehört das berühmte, um 1155 erschaffene Kopfreliquiar Kaiser Friedrich Barbarossas. Das Prämonstratenserkloster wurde 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss aufgehoben. Freiherr vom Stein, der 1816 die Anlage übernahm, sorgte für den Erhalt der Klosterkirche.

Der Name der Straße Am Brauereiknapp erinnert daran, dass früher in Cappenberg Bier gebraut wurde (Gräfl. Brauerei Kielmansegg). Eine Branntweinbrennerei (Kreutzkamp) besteht seit 1654.

Die nahe dem Schloss gelegene Bauerschaft hatte früher den Namen Übbenhagen, der jedoch im 20. Jahrhundert durch den Namen des Schlosses Cappenberg verdrängt wurde. Bis 1974 gehörte Cappenberg zur Gemeinde Bork im Amt Bork. Seit dem 1. Januar 1975 gehört es zu der im Jahr 1977 zur Stadt erhobenen Gemeinde Selm.[1]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1987 hatte Cappenberg insgesamt 1869 Einwohner. Davon entfielen 1352 auf den Ortskern und 517 auf die Bauerschaft Netteberge.[2] Im Jahr 2013 waren es insgesamt 2080 Einwohner.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen Werne.svg

Das Wappen von Cappenberg ist ein gold-rot-goldenes Balkenwappen und gleicht so dem heutigen Wappen der Stadt Werne.

Das gold-rot-goldene Wappen ist ursprünglich das Wappen der Grafen von Cappenberg, die bis 1122 Grafen im Dreingau waren.[4] Das gold-rot-goldene Wappen als Wappenschild des Hochstiftes Münster erscheint erst im 14. Jahrhundert, ca. 200 Jahre nach der Übertragung des gesamten Südmünsterlandes von den Grafen von Cappenberg auf die Bischöfe von Münster (Quelle: Stiftsarchiv Münster). Eine andere Form des Cappenberger Wappens ist in dem von den Cappenberger Grafen Gottfried und Otto gegründeten Kloster Ilbenstadt in der Wetterau zu finden. In der Ilbenstädter Form ist das Wappen gold-rot-gold-rot-gold.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stein'sches Denkmal

In der romanischen Sandsteinbasiliika St. Johannes Evangelist finden in der Zeit von April bis September an jedem ersten Sonntag im Monat Vesperkonzerte statt, die vom Kreis Unna ausgerichtet werden, sowie an jedem dritten Sonntag des Monats Orgelkonzerte an der historischen Vorenweg-Orgel von 1788 (restauriert von Klais Orgelbau, Bonn, 2003/2004), veranstaltet von der Katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Evangelist.

Westlich des Schlosses befindet sich das Stein’sche Denkmal, eine moderne Steinsetzung des Geomantikers Marco Pogacnik in Form eines stilisierten Megalithtempels. In räumlichem Zusammenhang dazu stehen auch zahlreiche Menhirsetzungen, die in künstlerischer Form und geomantischer Intention den Verlauf von Ley-Linien im Umfeld des Schlosses verdeutlichen sollen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cappenberg ist über die Regio-Buslinie R19 mit Selm und Lünen verbunden. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Bork (Züge nach Dortmund sowie Coesfeld-Gronau-Enschede) oder in Werne (Züge nach Dortmund/Münster) und in Lünen (Züge nach Dortmund, auch in die Richtungen Gronau bzw. Münster).

Der Ort ist über die Landesstraße L810 mit Lünen und dem Nordkirchener Ortsteil Südkirchen verbunden. Die Landesstraße L507 von Selm nach Werne berührt das Ortsgebiet im äußersten Norden. Kreisstraßen führen nach Bork, Werne (über die Bauerschaften Langern und Varnhövel) und Lünen-Wethmar.

„Auf Cappenberg“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oftmals, zumeist von Cappenberger Einwohnern, oft auch von Personen aus der näheren Umgebung, wird statt „in“ „auf Cappenberg“ gesagt. Beispiel: „Herr XY wohnt auf Cappenberg.“ Diese Form des Regiolekts lässt sich auf ein niederdeutsches, speziell westfälisches Substrat zurückführen. Westfälisch wäre der Gebrauch von „op“ (= „auf“) korrekt. Das hängt aber auch damit zusammen, dass man nicht „in“ einem Schloss wohnt, sondern „auf“ einem Schloss, zumal wenn es auf einer Anhöhe liegt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 314, 337.
  2. Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (Hrsg.): Bevölkerung und Privathaushalte sowie Gebäude und wohnungen. Ausgewählte Ergebnisse für Gemeindeteile. Regierungsbezirk Arnsberg. Düsseldorf 1990, S. 292.
  3. Einwohner in den Ortsteilen der Städte und Gemeinden des Kreises Unna
  4. Siehe hierzu etwa Gottfried von Cappenberg und die dort abgebildete Grabplatte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Schulze Wischeler: 1200 Jahre Cappenberg 791–1991, als Burg, Kloster und Dorf. 2. Auflage. Cappenberg 1995.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 51° 39′ 2″ N, 7° 32′ 19″ O