Bahnstrecke Lünen Preußen–Münster

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Lünen Preußen–Münster (Westf) Hbf
Streckennummer (DB):2000
Kursbuchstrecke (DB):411
Streckenlänge:45 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:15 kV 16,7 Hz ~
Höchstgeschwindigkeit:160 km/h
Zugbeeinflussung:PZB
BSicon .svgBSicon STR.svg
Hauptstrecke von Hamburg
BSicon .svgBSicon ABZg+r.svg
Strecke von Rheine, Strecke von Enschede
BSicon .svgBSicon ABZg+l.svg
Warendorfer Bahn von Rheda-Wiedenbrück
BSicon .svgBSicon BHF.svg
45,2 Münster (Westf) Hbf
BSicon STR+l.svgBSicon ABZgr.svg
Baumbergebahn nach Coesfeld
BSicon STR.svgBSicon DST.svg
44,3 Münster (Westf) Gbf
BSicon ABZgl.svgBSicon KRZu.svg
Strecke nach Hamm
BSicon STR.svgBSicon DST.svg
42,3 Geist
BSicon ABZg+l.svgBSicon ABZgr.svg
Strecke nach Wanne-Eickel
BSicon STR.svgBSicon eHST.svg
42,1 Münster (Westf) Preußenstadion
BSicon ABZqr.svgBSicon KRZu.svg
Güterumgehungsbahn Münster
BSicon .svgBSicon BHF.svg
36,2 Münster-Amelsbüren
BSicon .svgBSicon BHF.svg
29,2 Davensberg
BSicon .svgBSicon BHF.svg
25,2 Ascheberg (Westf)
BSicon .svgBSicon BHF.svg
19,9 Capelle (Westf)
BSicon .svgBSicon BHF.svg
12,4 Werne (a d Lippe)
BSicon .svgBSicon DST.svg
10,0 Werne (a d Lippe) Anst Stadt (Bft)
BSicon .svgBSicon ABZg+r.svg
Strecke von Enschede–Dülmen
BSicon .svgBSicon BHF.svg
3,3 Lünen Hbf (Keilbahnhof)
BSicon .svgBSicon ABZgr.svg
Verbindungsstrecke nach Lünen Süd
BSicon .svgBSicon KRZu.svg
Strecke Lünen Süd–Abzw Horstmar
BSicon .svgBSicon ABZg+l.svg
Verbindungsstrecke nach Abzw Horstmar
BSicon .svgBSicon BHF.svg
(0,0) Lünen Preußen
BSicon .svgBSicon STR.svg
Strecke nach Dortmund

Quellen: [1][2]

Die Bahnstrecke Lünen Preußen–Münster ist eine gut 45 Kilometer lange, elektrifizierte und fast vollständig eingleisige Hauptbahn in Nordrhein-Westfalen vom Bahnhof Lünen Preußen im Lüner Ortsteil Horstmar über Lünen und Werne nach Münster.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnstrecke wurde von der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft gebaut, um eine möglichst direkte Verbindung der beiden westfälischen Großstädte Dortmund und Münster zu erreichen. Dazu wurde beginnend am Bahnhof Preußen an der bereits bestehenden Bahnstrecke Dortmund–Enschede eine neue Strecke nach Münster gebaut, die am 18. Oktober 1928 eröffnet wurde.

Der Bahnhof Preußen (eröffnet am 19. Februar 1920) erhielt seinen Namen von der dort Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelten Zeche Preußen im Lüner Ortsteil Horstmar.[3] Im Dezember 2019 erfolgte die Umbenennung der Betriebsstelle in Lünen Preußen.

Ursprünglich war geplant, die Strecke zunächst eingleisig zu errichten, den Bahndamm aber gleich von Anfang an breit genug für ein zweites Gleis zu bauen. Aufgrund des steigenden Verkehrsaufkommens durch Bergbau und Stahl-Industrie sollte die Strecke dann auch zweigleisig ausgebaut werden, was wegen Krieges und Inflation wieder verworfen wurde.

Zeitweilige Betriebseinstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. März 1990 kam es auf freier Strecke zu einem Dammrutsch, infolgedessen die komplette Strecke gesperrt werden musste, da wegen fehlender Ausweichmöglichkeit auf der eingleisigen Strecke kein geregelter Verkehr möglich war. Die Reparaturarbeiten zogen sich mehr als ein Jahr hin, sodass die Strecke erst am 2. Juni 1991 wieder für den Personenverkehr freigegeben werden konnte.

Im Herbst 2018 traten an drei Stellen im Abschnitt Lünen – Münster erneut Schäden am Bahndamm auf. Durch den heißen Sommer hatten sich an der vertrockneten Böschung Setzrisse im Bahndamm gebildet, die durch Betonsuspensionen verschlossen wurden. Bei diesen Arbeiten wurde festgestellt, dass es an zwei der drei Stellen zu Bewegungen im Erdreich gekommen war. Hierbei handelte es sich um die 1991 ausgebesserten Stellen. Der tonartige Mergel im Boden hatte im Laufe der Jahre mit Wasser reagiert, weshalb es zu Schwellungen und Schrumpfungen kam. In Folge der Schäden musste die Geschwindigkeit im Oktober 2018 an diesen Stellen von 160 km/h auf 70 km/h und im Abschnitt von km 8,765 bis km 28,500 die Streckenklasse auf B2 reduziert werden. Daher wurden die hier verkehrenden regulären Fernzüge über andere Strecken via Hamm oder Recklinghausen umgeleitet, was auch Haltausfälle in Bochum, Dortmund und Hagen zur Folge hatte.

Am 6. Januar 2020 wurde die Strecke voll gesperrt, weil zur Stabilisierung des Damms in den Bereichen Werne und Ascheberg Spundwände eingebaut wurden.[4] Ursprünglich sollte die Strecke ab 12. August 2020 wieder befahren werden. Nachdem im Juni 2020 Schäden am Oberbau festgestellt wurden, wurde die Wiedereröffnung zunächst auf den 25. Oktober 2020 verschoben.[5] Bereits am 10. Oktober 2020 konnte der Verkehr jedoch teilweise wieder aufgenommen werden, die restlichen Arbeiten wurden in den Nachtstunden ausgeführt.[6]

Ausbauplanungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zweigleisige Ausbau und die Ertüchtigung der Strecke für eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h wurde im Jahr 2003 in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen und in die Kategorie „Vordringlicher Bedarf“ eingestuft. Am 12. Dezember 2008 folgte der Beschluss zum Ausbau der Strecke. Die Kosten lagen im Dezember 2008 bei etwa 180 Millionen Euro.[7] Nach vertieften Untersuchungen wurde diese Summe Ende April 2010 auf rund 377 Millionen Euro korrigiert.[8] Am 20. August 2009 unterschrieben das Verkehrsministerium und die Deutsche Bahn AG einen Vertrag über die Vorfinanzierung. Geplant war, die technische Vorplanung Ende 2011 abzuschließen, um 2012 mit dem Planfeststellungsverfahren beginnen zu können.[9] Das Land sollte dabei die Kosten der Vorplanung vorfinanzieren.[10]

Darüber hinaus gab es Planungen zum Bau einer neuen Verbindung, welche hinter dem Bahnhof Dortmund-Scharnhorst von der Bahnstrecke Dortmund–Hamm abzweigen und bei Werne in die hier behandelte Strecke nach Münster einfädeln sollte. Hierbei war angedacht, den Fernverkehr zwischen Dortmund und Münster zu beschleunigen und die engen Kurven bei den Bahnhofsein- und -ausfahrten von Dortmund und Lünen sowie vor Werne zu vermeiden. Außerdem wurde beabsichtigt, Züge flüssiger verkehren zu lassen, weil sie nicht gegenseitig die Fahrwege kreuzen müssen.

Im August 2009 vereinbarten Deutsche Bahn und Land NRW, bis 2011 die Vorplanung für einen zweigleisigen Ausbau in Verbindung mit einer Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf 200 km/h zu realisieren, was das Land mit sieben Millionen Euro vorfinanziert hätte.[11][12] Der zweigleisige Streckenausbau ist zwar im Investitionsrahmenplan 2011–2015 für die Verkehrsinfrastruktur des Bundes vom 15. Dezember 2011 enthalten, allerdings nur im Teil D „Sonstige wichtige Vorhaben/Teilvorhaben“, was der niedrigsten Priorität entspricht.[13][14] Mit einem tatsächlichen Baubeginn sei danach nicht vor dem Jahr 2018 zu rechnen. Die Kosten werden mit 380 Millionen Euro kalkuliert.[11]

Frühestens im Bundesverkehrswegeplan 2030 soll der Ausbau wieder diskutiert werden. Als Zwischenlösung werden hier lediglich zwei sogenannte Begegnungspunkte gebaut, wo sich Nah- und Fernverkehr begegnen können (Zugkreuzung). Ein zweigleisiger Ausbau würde über 400 Millionen EUR kosten, die im Kosten/Nutzen-Verhältnis nicht darstellbar seien.

Anlässlich der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs in Münster kündigte am 24. Juni 2017 der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, den (evtl. teilweise ausgeführten) zweigleisigen Ausbau zwischen Lünen und Münster an. Er begründete das Vorhaben u. a. mit dem geplanten Anschluss an den Rhein-Ruhr-Express. Das Projekt werde bis Ende 2017 in den „vordringlichen Bedarf“ beim Ausbau der Verkehrswege aufgenommen, der Bund sei von der dringenden Notwendigkeit des Projektes überzeugt.[15]

Um das Bauvorhaben in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 aufzunehmen, wurde das Planungskonzept auf einen zweigleisigen Ausbau nur zwischen Münster-Amelsbüren und Werne reduziert und dafür die Höchstgeschwindigkeit auf 230 km/h zwischen Münster-Geist und Werne angehoben. Damit sollten die Ausbaukosten auf 302 Millionen €, davon 94 Millionen € Ersatzinvestitionen, gedrückt werden, womit ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,0 erreicht wurde.[16] Nur wenige Monate nach der Veröffentlichung vom 6. November 2018 verlautbarte Anfang März 2019 aus dem Bundesverkehrsministerium eine noch weiter gekürzte Version der Pläne. Nun sollte neben der Streckenertüchtigung für 230 km/h auf 27 Kilometern lediglich der 5,3 km lange Abschnitt Capelle–Ascheberg zweigleisig ausgebaut werden, daneben Anpassungsmaßnahmen bei den bereits vorhandenen Kreuzungsbahnhöfen Münster-Amelsbüren und Davensberg. Damit wurden die Ausbaumaßnahmen und die Ausbaukosten ohne Ersatzinvestitionen um weitere 30 Millionen Euro auf jetzt 178,3 Millionen Euro gekürzt. Der NKV, ein Wert der Kosten-Nutzen-Analyse, nahm hierdurch auf 1,1 zu. Infolge der Inflation stiegen jedoch die gesamthaushaltsrelevanten Projektkosten von 302 auf heute 305,1 Millionen Euro.[17]

Im dritten Gutachterentwurf des Deutschlandtakts ist ein vollständig zweigleisiger Ausbau zwischen Werne und Münster-Amelsbüren unterstellt. Dafür sind, zum Preisstand von 2015, Investitionen von 201 Millionen Euro notwendig.[18][19] Der zweigleisige Ausbau der nicht bereits im BVWP enthaltenen Abschnitte soll als Nahverkehrsmaßnahme finanziert und zu 60 bis 75 Prozent durch GVFG-Mittel des Bundes gefördert werden. Im Dezember 2021 sagte das Land NRW zu, den übrigen Anteil von maximal 160 Millionen Euro bis 2035 bereitzustellen.[20] Die Entwurfsgeschwindigkeiten aus dem BVWP sollen dabei vollständig erhalten bleiben. Bedingung für die Förderung über das GVFG ist eine positive Kosten-Nutzen-Rechnung der Maßnahme.[21]

Bedienung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zeitfenster zwischen Fernzügen fährt einmal pro Stunde die Regionalbahn RB 50 „Der Lüner“ von Dortmund bis Lünen auf der Bahnstrecke Dortmund–Enschede (Westmünsterlandbahn). Eine Zugkreuzung findet planmäßig in Capelle zur vollen Stunde statt; es wird an allen Unterwegsstationen gehalten. Da die Strecke zwischen Lünen und Münster nur eingleisig ist, kann dieses Angebot nicht sinnvoll verdichtet werden.

Von den Intercity aus dem Ruhrgebiet nach Norddeutschland fährt auf Grund der Eingleisigkeit pro Richtung nur alle zwei Stunden ein Zug über diese direkte Verbindung Dortmund–Münster, dazu nimmt pro Richtung alle zwei Stunden ein Zugpaar den Weg über Wanne-Eickel–Recklinghausen. Einzelne Züge fahren via Hamm. Eine Vorfahrregelung ermöglicht zwischen Münster-Amelsbüren und Davensberg bei Verspätungen eine flexible Anpassung des Kreuzungspunktes zwischen IC und RB 50.

Der Rhein-Ruhr-Express soll zukünftig im Stundentakt fahren, sofern es zum geplanten zweigleisigen Ausbau der Strecke kommen sollte.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

NRWbahnarchiv von André Joost:

weitere Belege:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DB Netze – Infrastrukturregister
  2. Eisenbahnatlas Deutschland. 9. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2014, ISBN 978-3-89494-145-1.
  3. Modernisierung startet erst 2012 (Memento vom 14. April 2014 im Internet Archive) WAZ 19. Januar 2011.
  4. deutschebahn.com
  5. deutschebahn.com
  6. Denise Felsch: Eurobahn nach Lünen fährt wieder, Schienenersatzverkehr bleibt aber. Ruhrnachrichten, 10. Oktober 2020, abgerufen am 10. Januar 2021.
  7. Zweites Gleis nach Lünen für 180 Millionen Euro? In: Westfälische Nachrichten. 3. Dezember 2008.
  8. Bahnstreckenausbau wird viel teurer als geplant. (Memento vom 2. Mai 2010 im Internet Archive) In: Ruhr Nachrichten (Onlineausgabe), 30. April 2010.
  9. Bahnstrecke Münster – Lünen wird zweigleisig In: Münstersche Zeitung 21. August 2009.
  10. Strecken-Ausbau von Lünen nach Münster rückt näher. In: DB Welt, Ausgabe Oktober 2009, Regionalteil West, S. 21.
  11. a b Bahnstrecke Münster–Lünen soll ab 2018 ausgebaut werden. In: Münstersche Zeitung. (Onlineausgabe), 14. Juni 2012.
  12. a b Elektrischer Betrieb bei der Deutschen Bahn im Jahre 2009. In: Elektrische Bahnen. Jahrgang 108 (2010), Heft 1–2, S. 11.
  13. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (Hrsg.): Investitionsrahmenplan 2011–2015 für die Verkehrsinfrastruktur des Bundes (IRP). Berlin 15. März 2012 (bmvi.de [PDF; 5,7 MB; abgerufen am 8. Februar 2014] siehe Anlage 1, S. 7). Investitionsrahmenplan 2011–2015 für die Verkehrsinfrastruktur des Bundes (IRP) (Memento des Originals vom 22. Februar 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bmvi.de
  14. Ausbau in Investitionsplan bis 2015 aufgenommen. In: Münstersche Zeitung. 29. März 2012.
  15. Sensation: Bund kündigt Ausbau der Bahnstrecke Münster – Dortmund an. Westfälische Nachrichten, 24. Juni 2017, abgerufen am 24. Juni 2017.
  16. bmvi.de S. 23.
  17. 2-049-V02 ABS Münster – Lünen. In: bvwp-projekte.de. Abgerufen am 29. Dezember 2021 (In Bezug auf die vorhandenen Kreuzungsbahnhöfe ist die Quelle in ihrer Formulierung „Einrichtung von“ falsch).
  18. Marten Maier: Infrastrukturliste Bewertung: Maßnahmen des Planfalls „Deutschlandtakt“, laufende Nummer 44 des Unterabschnitts 2, Vorhaben des Potentiellen Bedarfs des Bedarfsplans der Bundesschienenwege. (PDF) In: bmvi.de. SMA und Partner, 17. August 2021, S. 4, abgerufen am 19. August 2021 („2-00“, „Entwurf“).
  19. Deutschlandtakt: Bewertung Infrastrukturmaßnahmen für den 3. Gutachterentwurf. (PDF) In: downloads.ctfassets.net. Intraplan Consult, TTS TRIMODE Transport Solutions, 17. August 2021, S. 2, abgerufen am 18. August 2021 („Entwurf, Stand: 17.08.2021“).
  20. Münster-Lünen: „Knoten durchgeschlagen“, Land sichert bis zu 160 Millionen Euro für Gleisausbau, Allgemeine Zeitung, 28. Dezember 2021 azonline.de
  21. Ausbaustrecke Lünen - Münster: Mitfinanzierungszusage des Landes NRW, NWL, Vorlage, Verbandsversammlung, 21. März 2022