Amalia Eriksson

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Amalia Eriksson, Bronze (1997) von Lena Lervik

Amalia Eriksson (* 18. November 1824 in Jönköping; † 25. Januar 1923 in Gränna) war eine schwedische Geschäftsfrau, die als Erfinderin des Polkagris, einer Süßigkeit, gilt.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amalia Eriksson, geborene Lundström, wurde 1824 in Jönköping als viertes von sechs Kindern geboren.[2] Ihre Eltern waren Katarina Hagen Andersdotter, die als Magd arbeitete, und der Hufschmied Hovslagaren Jonas Lundström.[3] Im Alter von zehn Jahren verlor sie ihre fünf Geschwister, ihre Eltern und Verwandte bei einer Choleraepidemie.[2][4]

Im Jahr 1852 begann sie als Hausmädchen bei dem Vermesser Johan Alvin und seiner Frau in Jönköping zu arbeiten. Als diese drei Jahre später nach Gränna zogen, folgte sie ihnen[4] und heiratete 1857 den Schneider Anders Eriksson.[2] Für zwölf Kronen im Jahr mieteten sie ein Haus an der Hauptstraße, der heutigen Brahegatan 2.[5] Im folgenden Jahr brachte Amalia Eriksson Zwillinge zur Welt. Eines der Kinder war eine Totgeburt, die überlebende Tochter nannten sie Ida.[2] Anders Eriksson starb in der Woche nach Idas Geburt an Ruhr und Amalia Eriksson war nach ihrer Verwitwung gezwungen, den Lebensunterhalt für sich und ihre Tochter allein zu bestreiten.[4]

klassisches Polkagris

Zu dieser Zeit war es für Frauen fast unmöglich, ihr eigenes Geschäft zu gründen, aber in einigen Fällen konnten sie aus sozialen Gründen eine Ausnahmegenehmigung erhalten. 1859 beantragte Amalia Eriksson, „feine Backwaren und sogenannte Polkagrisar“, eine Art Zuckerbonbon mit Pfefferminzgeschmack, herzustellen zu dürfen. Nachdem sie die Erlaubnis des Magistrats in Gränna erhalten hatte, eröffnete sie im selben Jahr eine Zuckerbäckerei. Sie war die erste in Schweden, die Polkagris produzierte.[4] Die Herstellung in einem, am südlichen Ortseingang gelegenen ehemaligen Zollhaus entwickelte sich gut und Amalia Eriksson begann Polkagris-Stangen zu produzieren, welche ursprünglich nur an Wochenenden und Feiertagen gefertigt wurden. Dazu mischte und erhitzte sie unter anderem Zucker, Essig und Wasser. Ein kleiner Teil des Teigs wurde rot gefärbt, während der Rest mit Pfefferminzöl aromatisiert und sehr lange geknetet wurde. Danach wurde die Masse langgezogen und die verschiedenfarbigen Stränge so miteinander verdreht, dass die geringelten Zuckerstangen entstanden. War Amalia Eriksson zu Beginn noch alleinige Herstellerin, folgten mit wachsender Popularität andere Bäcker in Gränna ihrem Beispiel.[4]

Dank der Polkagrisar gelangte Amalia Eriksson zu Wohlstand. Sie galt als eine der einflussreichsten Menschen in Gränna. 1915 besuchten Kronprinz Gustaf Adolf und seine Frau Margaret ihre Bäckerei,[4] ebenso Carl von Schweden mit seiner Frau Ingeborg und ihren Töchtern Margaretha, Märtha und Astrid.[6] Amalia Eriksson wurde 98 Jahre alt und starb 1923. Sie hielt das Rezept für Polkagris geheim und es wurde erst nach ihrem Tod enthüllt. Ihre Tochter Ida Eriksson stellte noch bis 1945 Polkagrisar her.[4]

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Tekniska museet in Stockholm ist sie in der Sammlung als eine von bedeutenden schwedischen Erfindern aus verschiedenen Epochen vertreten.[4] Im Gränna Museum gibt es eine Ausstellung zur lokalen Geschichte, in der unter anderem das Leben Amalia Erikssons dargestellt wird.[3] 1997 wurde im Södrapark in Gränna in der Nähe von Amalia Erikssons Haus eine von Lena Lervik geschaffene Bronzestatue zum Gedenken an sie aufgestellt.[4][7] Heute sind die Polkagrisar Grännas Markenzeichen. Jedes Jahr am 25. Juli findet dort eine Weltmeisterschaft in der Polkagrisproduktion statt. Polkagris wurde in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen, als 1989 die längste Polkagrisstange der Welt mit 287,7 Meter Länge hergestellt wurde.[4]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Pietrow (CoolCrab): Polkagris. In: Atlasobscura.com. Abgerufen am 26. Dezember 2019. (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sophia Hughes: Amalia Eriksson Statue. In: atlasobscura.com. Abgerufen am 26. Dezember 2019 (englisch).
  2. a b c d Svenskt UppfinnareMuseum: Amalia Eriksson – Polkagrisen vom 8. Juni 2010. Abgerufen am 11. April 2018
  3. a b Destination Jönköping: Amalia Eriksson. Abgerufen am 11. April 2018
  4. a b c d e f g h i j Tekniska museet: Amalia Eriksson – Polkagrisen. Abgerufen am 11. April 2018
  5. Deutschlandfunk: Eine süße schwedische Tradition vom 15. September 2013. Abgerufen am 11. April 2018
  6. Företagskällan: Amalia Eriksson – polkagrisens upphovskvinna. Lektionsmaterial vom 8. Dezember 2016. Abgerufen am 11. April 2018
  7. Företagskällan: Amalia Eriksson. Anders Johnson, Lektionsmaterial Entreprenör vom 16. September 2015. Abgerufen am 11. April 2018