Bischofskraut

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Bischofskraut
Bischofskraut (Ammi visnaga)

Bischofskraut (Ammi visnaga)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Knorpelmöhren (Ammi)
Art: Bischofskraut
Wissenschaftlicher Name
Ammi visnaga
(L.) Lam.

Das Bischofskraut (Ammi visnaga), auch Zahnstocher-Knorpelmöhre[1] genannt, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Sie ist in Eurasien und Nordafrika weitverbreitet. Sie wird als Heilpflanze verwendet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration
Habitus eines jungen Exemplares mit grundständigen Laubblättern
Doppeldoldige Blütenstände
Fruchtstand

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bischofskraut wächst als ein- bis zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von bis zu einem Meter. Die unteren Blätter sind einfach gefiedert, die anderen sind zwei- bis dreifach gefiedert. Die Blattzipfel letzter Ordnung sind linealisch oder fadenförmig.[2]

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im doppeldoldigen Blütenstand stehen bis zu 150 Doldenstrahlen mit vielen Blüten zusammen. Die Doldenstrahlen sind zur Anthese abstehend, später richten sie sich auf, verdicken und festigen sich. Die ein- bis zweifach fiederschnittigen Hüllblätter sind mindestens so lang wie die Doldenstrahlen. Die Hüllchenblätter sind fadenförmig.[2]

Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Kelchzähne sind winzig. Die fünf Kronblätter sind weiß. Der Griffel ist 0,6 bis 1 Millimeter lang.[3]

Die Früchte sind 2 bis 2,5 Millimeter lang.[2]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 20.[4]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ammi visnaga ist hauptsächlich im Mittelmeerraum, in Nordafrika, im Kaukasusraum und in Westasien natürlich verbreitet. Es gibt Fundortangaben für Spanien, Portugal, Frankreich, Italien, Albanien, Griechenland, die Türkei, Syrien, Zypern, Iran, Irak, Israel, Libanon, Algerien, Libyen, Marokko, Tunesien, Armenien, Aserbaidschan und Georgien.[5]

Sie ist beispielsweise in Mittel- sowie Südamerika, auf den Karibischen Inseln, auf dem Indischen Subkontinent, Korea und Ost- sowie Mitteleuropa ein Neophyt.[5]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Daucus visnaga durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 242. Die Neukombination zu Ammi visnaga (L.) Lam. wurde 1779 durch Jean Baptiste de Monnet de Lamarck veröffentlicht.[5] Der botanische Gattungsname Ammi leitet sich vielleicht vom griechischen Wort ammos für Sand ab und ist das ägyptische Wort ammi für Kümmel. Das Artepitheton visnaga ist Teil des vorlinneischen Namens dieser Pflanzenart.[6] Ein weiteres Synonym für Ammi visnaga (L.) Lam. ist Visnaga daucoides Gaertn.[5]

Verwendung und weitere Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ammi visnaga wird in vielen Gebieten der Welt angebaut.

Sie wird auch Khella oder Khellakraut genannt; die ebenfalls verbreiteten Trivialnamen Zahnstocherkraut oder Zahnstocherammei[5] (auch nur Ammei) stammen daher, dass die Art in orientalischen Ländern zur Herstellung von Zahnstochern verwendet wird. Ihr würziger Geschmack ist dabei willkommen.

Medizinische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Habitus von Ammi visnaga im alten Botanischen Garten Göttingen

Ammi visnaga wurde bereits von den alten Ägyptern als Heilpflanze eingesetzt, später geriet sie in Vergessenheit. Die Früchte von Ammi visnaga (Fructus Ammi visnagae) enthalten pharmakologisch aktive Inhaltsstoffe wie phototoxische Furanocumarine (Khellin), das herzwirksame Glykosid Khellinin, Flavonoide und Pyranocumarine (Visnadin).

Durch eine Erweiterung der Herzkranzgefäße und einer daraus resultierenden besseren Durchblutung des Herzmuskels verleiht das Visnadin den Pflanzenextrakten eine positive Wirkung. Es stellt sich eine positiv inotrope sowie krampflösende Wirkung ein. Daher eignet sich Ammi visnaga zur Behandlung der Angina pectoris und von Koliken.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ammi visnaga (L.) Lam., Zahnstocher-Knorpelmöhre. In: FloraWeb.de.
  2. a b c Thomas Gaskell Tutin: Ammi L. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 2: Rosaceae to Umbelliferae. Cambridge University Press, Cambridge 1968, ISBN 0-521-06662-X, S. 353 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Datenblatt bei Flora Vascular mit Verbreitung auf der Iberischen Halbinsel.
  4. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 709.
  5. a b c d e Ammi visnaga im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 4. Januar 2016.
  6. Günther Blaich: Datenblatt mit Fotos.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • K. Hiller, M. F. Melzig: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. 2. Auflage. 2010, Spektrum Akademischer Verlag, ISBN 978-3-8274-2053-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bischofskraut (Ammi visnaga) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien