Amoklauf von Isla Vista

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Der Amoklauf von Isla Vista ereignete sich am 23. Mai 2014 in Isla Vista in der Nähe des Campus der University of California, Santa Barbara in Kalifornien. Der 22-jährige Elliot Rodger tötete sechs Menschen und verletzte dreizehn andere Personen, bevor er sich mit einem Schuss in den Kopf selbst tötete. [1][2][3]

Tathergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorbereitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2012 besuchte Rodger nach eigenen Angaben eine Schießanlage in Oxnard, Kalifornien, um das Schießen zu üben.[4]

Im November oder Dezember 2012 kaufte er seine erste Handfeuerwaffe, eine Glock 34, in einem örtlichen Waffengeschäft in Goleta.[4][5] Er schrieb in seinem Manifest, dass er sich für die Glock 34 entschieden hatte, weil sie seinen Recherchen nach eine „effiziente und sehr zielgenaue Waffe“ sei.[5] Für den Kauf der Pistole verwendete er 700 USD des Geldes, das ihm Familienmitglieder für seine Universitätskurse gegeben hatten.[5]

Im Frühling 2013 kaufte Rodger in Oxnard eine zweite Waffe, eine SIG Sauer P226, für 1.100 USD.[4][5] Diese sei von viel höherer Qualität als die Glock, schrieb er, und viel effizienter.[4] Im Laufe des Jahres erwarb er eine dritte Waffe in Burbank[6] sowie 400 Patronen.[7] Die Kosten seien ihm gleichgültig, weil er über 5000 USD auf seinem Bankkonto für seinen „Tag der Abrechnung“ zurückgelegt hatte.[4][5]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Morgen des 23. Mai 2014 tötete Rodger drei Studenten der University of California, Santa Barbara in seiner Wohnung in der Seville Road in Isla Vista.[8][9][10] Auf die drei Männer wurde nach Angaben des zuständigen County-Sheriffs mehrmals eingestochen.[8] Die Polizei fand am Tatort neben einem Messer und zwei Macheten auch einen Hammer, gab jedoch nicht bekannt, welche Waffe Rodger verwendet hatte.[11] Zwei der drei Studenten waren seine Mitbewohner, das dritte Opfer war ein Besucher, der in der Wohnung übernachtet hatte.[12]

Im Anschluss fuhr Rodger zum Haus der Studentinnenverbindung Alpha Phi nahe dem Campus der University of California in Santa Barbara. Als die Frauen auf sein minutenlanges Klopfen an der Tür nicht reagierten, schoss er auf Studentinnen der Verbindung Delta Delta Delta auf dem Gehweg in der Nähe des Verbindungshauses. Zwei Frauen wurden getötet und eine wurde verletzt.[8] Danach verwundete der Täter auch einen Mann und eine Frau auf der Straße.[13]

Anschließend fuhr Rodger in seinem schwarzen BMW zwei Häuserblocks zum Feinkostgeschäft Isla Vista Deli Mart, wo er einen weiteren Studenten erschoss.[14] Um näher an dem Bürgersteig zu sein, hielt sich der Täter auf der linken Spur und feuerte aus dem Auto auf zwei Fußgänger und verletzte beide. Er rammte einen Fahrradfahrer mit seinem Auto und feuerte weitere Schüsse auf Fußgänger. Vier Polizisten trafen am Ort ein, drei von ihnen lieferten sich mit dem Täter einen Schusswechsel. Rodger wurde in die Hüfte getroffen. Als er davonfuhr, rammte er einen zweiten Radfahrer und kollidierte dann mit mehreren geparkten Autos. In dem Auto nahm er sich mit einem Kopfschuss das Leben.[13]

Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Täter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elliot Oliver Robertson Rodger (* 24. Juli 1991; † 23. Mai 2014)[15] wurde als Sohn des britischen Filmemachers Peter Rodger und der malaysischen Filmassistentin Li-Chin Rodger in London geboren.[16] Er ist der Enkelsohn des Fotografen George Rodger. Im Alter von fünf Jahren zog er in die Vereinigten Staaten und wuchs in Los Angeles auf.[17] Er besuchte eine katholische Jungenschule und zwei andere High Schools im Umkreis Los Angeles.[18] 2010 erhielt er seinen High School Abschluss und zog im Jahr darauf nach Isla Vista, um das Santa Barbara City College zu besuchen.[19] Laut seines Manifest hatte er alle seine Kurse im Februar 2012 abgebrochen.[4]

Seit seinem achten Lebensjahr befand sich Rodger in psychiatrischer Behandlung und nahm Psychopharmaka zu sich, im Alter von 18 Jahren verweigerte er eine weitere Behandlung.[7][20] Bereits vor dem Amoklauf gab es Hinweise auf Rodgers Gewaltbereitschaft. Er hatte nach eigenen Angaben versucht, Studierende bei einer Collegeparty von einem Felsen herunter zu stoßen, und im Mai 2014 hatte seine Mutter seinen ehemaligen Therapeuten kontaktiert, nachdem sie Rodgers YouTube-Videos gesehen hatte. Der Therapeut meldete den Vorfall bei Santa Barbaras Hotline für psychische Gesundheit und es wurden Polizeibeamte zu Rodger entsandt. Rodger gab gegenüber den Beamten zu, dass er Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen und Kommilitonen habe, die Beamten sahen angesichts seines ruhigen Auftretens und seines leeren Vorstrafenregisters allerdings keinen Grund für eine Zwangseinweisung.[7]

Manifest und Videos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rodger verfasste ein 141 Seiten umfassendes „Manifest“ mit dem Titel My Twisted World: The Story of Elliot Rodger (dt.: „Meine verdrehte Welt: Die Geschichte des Elliot Rodger“). Dieses schickte er im Vorfeld des Amoklaufs an mehrere Personen, u.a. auch an seinen Therapeuten, seine Eltern und seine früheren Schullehrer und Freunde.[21][22]

Darin beschrieb er seinen Plan, den er in drei Phasen unterteilte.[19][23] „Am Tag vor dem Tag der Vergeltung werde ich die erste Phase meiner Rache beginnen: Lautlos so viele Menschen wie möglich in der Umgebung von Isla Vista töten, indem ich sie unter irgendeinem Vorwand in meine Wohnung locke.“[23] Die zweite Phase stellte sich Rodger als einen „Krieg gegen Frauen“ vor, als Rache dafür, dass Frauen ihm Sex vorenthalten hätten: „Die zweite Phase wird am Tag der Vergeltung stattfinden, kurz vor dem kulminierenden Höhepunkt. ... Mein Krieg gegen Frauen. ... Ich werde alle Frauen dafür bestrafen, dass sie mir Sex entzogen haben... Ich kann nicht jede einzelne Frau auf der Welt töten, aber... Ich werde eben die Mädchen angreifen, die alles vertreten, was ich am weiblichen Geschlecht hasse: Die heißeste Schwesternschaft der UCSB.“[23] In der dritten Phase, die er als „ultimativen Showdown auf den Straßen von Isla Vista“ bezeichnete, wollte er mit dem Auto durch die Stadt fahren und so viele Menschen anfahren wie möglich.[19]

In seinem Manifest legte er auch dar, dass er in seiner perfekten Welt alle Frauen in Konzentrationslagern unter Quarantäne stellen würde. „In diesen Lagern wird die überwiegende Mehrheit der weiblichen Bevölkerung bewusst zu Tode gehungert werden. Das wäre eine effiziente und passende Weise, sie alle zu töten ... Ich würde einen riesigen Turm nur für mich errichten lassen ... und sie alle genüsslich beim Sterben beobachten.“[24]

Rodger erstellte außerdem mehrere YouTube-Videos, im letzten Video vor dem Amoklauf beschwerte er sich über seine Zurückweisung durch Frauen und stellte Details seines geplanten Angriffs sowie seine Motivation dar.

Morgen ist der Tag der Vergeltung, der Tag, an dem ich mich an der Menschheit rächen werde, an euch allen. In den letzten acht Jahren meines Lebens, seitdem ich in die Pubertät kam, musste ich eine Existenz der Einsamkeit, Zurückweisung und unerfüllten Wünsche ertragen, weil sich Mädchen nie emotional zu mir hingezogen fühlten. Mädchen gaben ihre Zuneigung, Liebe und Sex anderen Männern, aber nie mir. Ich bin 22 Jahre alt und ich bin immer noch Jungfrau. Ich habe noch nicht einmal ein Mädchen geküsst. Ich habe zweieinhalb Jahre College hinter mir, mehr als das, und ich bin noch Jungfrau. Es ist sehr qualvoll gewesen. Das College ist die Zeit, in der jeder diese Dinge wie Sex und Vergnügen erlebt. Diese Jahre musste ich in Einsamkeit fristen. Das ist nicht fair. Ihr Mädchen habt euch nie emotional zu mir hingezogen gefühlt. Ich weiß nicht, warum ihr Mädchen euch nicht zu mir hingezogen fühlt, aber ich werde euch alle dafür bestrafen.[1]

Seine abschließenden Worte sind: „Am Ende werdet ihr sehen, dass ich der Überlegene bin, der wahre Alpha-Mann... Nachdem ich jedes einzelne Mädchen des Verbindungshauses vernichtet habe, werde ich auf den Straßen von Isla Vista jeden Menschen abschlachten, den ich sehe.“[25] Mit Ausnahme des letzten Videos waren die restlichen Aufnahmen der Polizei in den Wochen vor dem Amoklauf bekannt. Die Beamten sahen Rodger jedoch nicht als Bedrohung für sich oder für andere. Das letzte Video, in welchem er seine Pläne detailliert darlegt, sahen die Polizisten Berichten zufolge eine Stunde, nachdem sich der Amoklauf ereignet hatte.[25]

Am 27. Mai 2014 wurden alle Videos, die Rodger auf YouTube eingestellt hatte, entfernt. Eine Pressesprecherin für YouTube gab an, dass die Videos gegen die Regeln der Webseite verstoßen.[26][27] Einige Zeit danach wurden Rodgers Videos auf dem Videoportal wiedereingestellt und Rodgers YouTube-Kanal ist wieder abrufbar (Stand: März 2017).

Opfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkveranstaltung im Harder Stadium der University of California, Santa Barbara am 27. Mai 2014

Die sechs tödlich verwundeten Opfer waren Studierende der University of California in Santa Barbara.[28]

  • Cheng Yuan Hong, 20
  • George Chen, 19
  • Weihan Wang, 20
  • Katherine Cooper, 22
  • Veronika Weiss, 19
  • Christopher Ross Michaels-Martinez, 20

Konsequenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Juni 2014 verabschiedete das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten die Resolution 60, mit welcher das Repräsentantenhaus den Amoklauf scharf verurteilte. Unter anderem forderten Lois Capps und Jackie Speier den Kongress auf, verstärkt gegen Waffengewalt vorzugehen.[29]

Als Reaktion auf den Amoklauf wurde über eine Verschärfung des kalifornischen Waffenrechts diskutiert.[7][30][31] Ein Gesetzesentwurf, welches die Beschlagnahme von Waffen erlaubt für den Fall, dass der Waffenbesitzer sich selbst oder andere gefährdet, wurde im Zuge des Amoklaufs vorgestellt und am 30. September 2014 als Assembly Bill 1014 vom kalifornischen Gouverneur Jerry Brown genehmigt.[7][32][31] Gemäß dem neuen Gesetz können Familienmitglieder oder Polizeibeamte eine einstweilige Verfügung gegen einen Waffenbesitzer beantragen und ihm für bis zu 21 Tage die Waffen entziehen lassen, wenn der Waffenbesitzer eine Gefahr darstellt.[7][32] Unter dem alten Gesetz durften Polizeibeamte Waffen nicht beschlagnahmen.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ian Lovett und Asam Nagourney: Video Rant, Then Deadly Rampage in California Town. In: The New York Times, 24. Mai 2014.
  2. Christiane Heil: Elliot Rodger: Amoklauf mit Ansage. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Mai 2014.
  3. Le fils d'un réalisateur annonce « le jour du châtiment » et tue 6 personnes en Californie. In: Le Monde, 25. Mai 2014.
  4. a b c d e f Alan Duke: Timeline to 'Retribution': Isla Vista attacks planned over years. In: CNN, 27. Mai 2014.
  5. a b c d e Jennifer Medina: Even in a State With Restrictive Laws, Gunman Amassed Weapons and Ammunition. In: New York Times, 25. Mai 2014.
  6. Philip Ross: California Police Lacked Probable Cause To Confiscate Shooter Elliot Rodger's Handguns. In: International Business Times, 27. Mai 2014.
  7. a b c d e f g Lauren Paglini: How Far Will the Strictest State Push the Limits: The Constitutionality of California's Proposed Gun Law Under the Second Amendment. In: Journal of Gender, Social Policy & the Law. 23, Nr. 3, 2015, S. 459–485.
  8. a b c Shelby Lin Erdman und Greg Botelho: Timeline: A killer's rampage through a California college town. In: CNN, 25. Mai 2014.
  9. Oren Dorell und William M. Welch: Police identify Calif. shooting suspect as Elliot Rodger. In: USA Today, 26. Mai 2014.
  10. Raquel Maria Dillon, Martha Mendoza und Julie Watson: U.S. Sheriff: Calif. Gunman Killed 3 People at Home. In: ABC News, 24. Mai 2014.
  11. Ian Lovett: Rampage Victims Drawn to California Campus From Near and From Far. In: New York Times, 25. Mai 2014.
  12. Isla Vista suspect allowed to buy guns despite emotional problems. In: The Los Angeles Times, 28. Mai 2014.
  13. a b Chris Carlson: Thwarted in his plan, California gunman improvised. In: CBSNews, 25. Mai 2014.
  14. Amanda Covarrubias und Joe Mozingo: In a college community, disbelief turns to outrage and mourning. In: Los Angeles Times, 25. Mai 2014.
  15. Elliot Rodger manifesto outlines plans for Santa Barbara attack. In: The Sydney Morning Herald, 25. Mai 2014.
  16. Andrew Springer: The Agony of Peter Rodger, a Dad Whose Son Became a Mass Killer. In: ABC News, 27. Juni 2014.
  17. Antonia Molloy: California killings: Elliot Rodger's parents heard news of massacre on radio as they raced to stop their son. In: The Independent, 26. Mai 2014.
  18. Adam Nagourney u.a.: Before Brief, Deadly Spree, Trouble Since Age 8. In: The New York Times, 2. Juni 2014.
  19. a b c Isla Vista Mass Murder May 23, 2014 – Investigative Summary. Untersuchungsbericht des County-Sheriffs Bill Brown, 18. Februar 2015.
  20. Lindsay Bramble: Putting a Band-Aid on a Bullet Wound: Why Gun Legislation Targeting Individuals With Mental Illness Isn't Working. In: Journal of Health Care and Policy. 14, Nr. 2, 2014, S. 303–325.
  21. Jenny Rice: Pathologia. In: Quarterly Journal of Speech. 101, Nr. 1, Frühling 2015, S. 34–45. doi:10.1080/00335630.2015.995921.
  22. Paul Gill: Lone-Actor Terrorists: A Behavioural Analysis. Routledge, New York 2015, ISBN 978-1-138-78756-8, S. 13.
  23. a b c Inside Elliot Rodger's Twisted World: manifesto outlines killer’s plans for ‘retribution’ before drive-by shooting In: News.com.au, 26. Mai 2014.
  24. Oliver Darcy: Six Absolutely Shocking Details From Suspected Santa Barbara Shooter's 141-Page Manifesto. In: The Blaze, 24. Mai 2014.
  25. a b Jennifer Golbeck und Judith L. Klavans: YouTube. In: Introduction to Social Media Investigation: A Hands-on Approach. Syngress, Waltham (MA) 2015, ISBN 978-0-12-801656-5, S. 171 f.
  26. Dave Lee: Gunman Elliot Rodger's videos removed by YouTube. In: BBC, 27. Mai 2014.
  27. Kashmir Hill: All Of Elliot Rodger's Videos (Finally) Removed From YouTube. In: Forbes, 27. Mai 2014.
  28. Holly Yan, Pamela Brown und Alan Duke: New details emerge about California killer and his victims. In: CNN, 28. Mai 2014.
  29. Christina Marcos: House condemns Isla Vista shooting. In: The Hill, 10. Juni 2014. Siehe auch: Capps Resolution Condemning Isla Vista Shooting Passes House auf capps.house.gov.
  30. Melanie Mason: Lawmakers seek 'gun violence restraining order' after UCSB slayings. In: Los Angeles Times, 27. Mai 2014.
  31. a b Shannon Frattaroli u.a.: Gun Violence Restraining Orders: Alternative or Adjunct to Mental Health-Based Restrictions on Firearms? In: Behavioral Sciences & the Law. 33. Nr. 2/3, Juni 2015, S. 290–307. doi:10.1002/bsl.2173.
  32. a b Patrick McGreevy: Governor OKs temporary gun seizures from people judged to be a danger. In: Los Angeles Times, 30. September 2014. Vgl. auch: Assembly Bill No. 1014 auf Legislature.ca.gov.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]