Andreas Dress (Mathematiker)

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Andreas Dress (* 26. August 1938 in Berlin) ist ein deutscher Mathematiker, der sich mit Geometrie, Kombinatorik und Anwendungen der Mathematik in der Biologie beschäftigt.

Andreas Dress 1976

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andreas Dress' Mutter war Susanne Dress, geb. Bonhoeffer, jüngste Schwester des bekannten Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer. Andreas Dress studierte 1956 bis 1961 an der FU Berlin, an der Universität Tübingen und an der Christian-Albrechts-Universität Kiel Mathematik und wurde 1962 in Kiel bei Friedrich Bachmann promoviert (Konstruktion metrischer Ebenen)[1]. 1965 habilitierte er sich in Kiel, war danach wissenschaftlicher Rat an der FU Berlin und war ab 1969 Professor an der damals neu gegründeten Universität Bielefeld. 1967 bis 1969 und 1974 bis 1975 war er am Institute for Advanced Study in Princeton. Nachdem er 2003 in Bielefeld emeritierte, war er Gastwissenschaftler am Leipziger Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften, dessen auswärtiges wissenschaftliches Mitglied er nach wie vor ist. 2005 war er Gründungsdirektor des Partner Institute for Computational Biology der Max-Planck-Gesellschaft und der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai. Für seine wissenschaftlichen Leistungen im Zusammenhang mit diesem Aufbau wurde Dress 2012 mit dem International Science and Technology Cooperation Award, der höchsten chinesischen Auszeichnung für internationale Wissenschaftskooperationen, und dem Freundschaftspreis der Volksrepublik China geehrt. Dress war u. a. Gastwissenschaftler bei IBM in Heidelberg, am Queen Mary College in London, am City College in New York, dem RIMS in Kyōto, dem Scripps Research Institute in La Jolla, den Chengdu Laboratorien der chinesischen Akademie der Wissenschaften, der University of Canterbury in Christchurch (Neuseeland).

Dress befasste sich u. a. mit periodischen Pflasterungen in der Ebene und im Raum (u.a. mit seinen Mitarbeitern Olaf Delgado-Friedrichs, Daniel Huson). Beispielsweise konnte er die Pflastersteine, die zu periodischen Pflasterungen in zwei Dimensionen führen, mathematisch charakterisieren. Zur Klassifizierung der Parkettierungen führte er in den 1980er Jahren Delaney-Dress Symbole[2] ein. Mit Delgado und Huson bestimmte er die Pflasterungen des Raumes mit symmetrischen Pflasterbausteinen (Platonischen Körpern).[3] Diese Arbeiten haben auch Anwendungen in Kristallographie und Chemie. Delgado und Huson entwickelten auch Computerprogramme zur Konstruktion und Aufzählung der Pflasterungen (nicht nur in der euklidischen Ebene, sondern auch auf der Sphäre, der hyperbolischen Ebene). Sein späterer Forschungsschwerpunkt waren mathematische Modelle für verschiedenste biologische Prozesse, z. B. in der Phylogenetik (Abstammungsbäume, basierend auf Metriken in Sequenzräumen), Evolutionsprozessen auf molekularer Ebene, Wechselwirkung von Proteinen in der Zelle.

1998 war er Invited Speaker auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Berlin (The tree of life and other affine buildings mit Werner Terhalle). Auf der German Conference on Bioinformatics 2013 in Göttingen war er einer der Hauptredner (keynote speaker).[4]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Presentations of discrete groups, acting on simply connected manifolds. Advances in Mathematics, Bd. 63, 1987, S.196-212 (Dress-Delgado Symbole)
  • mit Huson: On tilings of the plane. Geometriae Dedicata, Bd. 24, 1987, S. 269-296
  • Induction and structure theorems for orthogonal representations of finite groups. Ann. of Math. (2) 102 (1975), no. 2, 291–325.
  • Newman's theorems on transformation groups. Topology 8 1969 203–207.
  • Zur Spectralsequenz von Faserungen. Invent. Math. 3 1967 172–178.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Dress (Mathematiker) im Mathematics Genealogy Project (englisch)
  2. nach Dress und Matthew Delaney (1980). Auch Delaney Symbol genannt.
  3. Tiling space by platonic solids, Teil 1, Discrete and computational geometry, Bd. 21, 1999, S. 291.
  4. German Conference on Bioinformatics 2013