Anhedonie

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Anhedonie (von griech. ἀν–, an, „nicht“ + ἡδονή hedoné, „Lust“) bedeutet im Allgemeinen die Unfähigkeit, Freude und Lust zu empfinden, und ist der Hedonie gegenübergestellt. Der Hedonismus ist eine im antiken Griechenland von Aristippos von Kyrene begründete philosophische Lehre. Sie wurde von Epikur weiterentwickelt, nach dem das Streben nach Lust alles menschliche Handeln entscheidend bestimmt beziehungsweise bestimmen soll.[1]

Psychologie und Psychopathologie benennen mit dem Begriff ein Symptom bei verschiedenen psychischen Krankheitsbildern und Störungen.

  • Bei der Depression ist die Anhedonie als Verminderung positiver Reaktionen in der Anzahl als auch der Qualität freudiger Reaktionen ein zentrales Merkmal.
  • Beim Überlebenden-Syndrom bezeichnet es die überdauernde Unfähigkeit, Zerstreuungen zu genießen.

Anhedonie, als Fehlen von Vergnügen in Situationen, die normalerweise vergnüglich sind, kann bei der Schizophrenie als Basisstörung auftreten. In vereinfachter Form ist sie den Negativsymptomen der Schizophrenie und der schizoiden Persönlichkeit zugeordnet.

Ferner ist Anhedonie zu beobachten bei Psychosen, Süchten, Psychosomatosen, teilweise bei der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung. Sie kann auch bei Menschen auftreten, die über einen längeren Zeitraum Stimulanzienmissbrauch betrieben haben.

Die Anhedonie besitzt einen Zusammenhang zur Alexithymie, wobei dieser in Abhängigkeit vom Störungsbild schwächer oder stärker ist.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Begriff wurde im 19. Jahrhundert vom französischen Psychologen Théodule Ribot in die Psychologie eingeführt. In den 60er Jahren führen sowohl Sándor Radó als auch Paul E. Meehl die Anhedonie auf genetisch determinierte neuronale Defekte zurück. Loren J. Chapman und Michael Mishlove unterschieden erstmals in physische und soziale Anhedonie:

  • Physische Anhedonie ist die Unfähigkeit, nicht-soziale Ereignisse lustvoll zu erleben oder körperliche Erfahrungen als angenehm zu verarbeiten.
  • Soziale Anhedonie ist durch eine verminderte soziale Aktivität und sozialen Rückzug gekennzeichnet.

Erste Hinweise auf einen Zusammenhang von Anhedonie und Alexithymie, als die Unfähigkeit, Gefühle hinreichend wahrnehmen und beschreiben zu können, gab Robert H. Dworkin. Er sah 1984 sowohl die soziale Anhedonie als auch die Alexithymie als Folgen von introvertierten und depressiven Charaktereigenschaften an. Jonathan D. Prince und Berenbaum Howard widerlegten 1993 die vermittelnde Rolle von Depression, die Dworkin vermutet hatte. Sie konnten nachweisen, dass soziale Anhedonie auch unabhängig von Depression und negativen Affekten mit der Alexithymie assoziiert ist. Eine Verbindung zwischen physischer Anhedonie und Alexithymie konnte Gwenolé Loas (1997) nicht finden. Der Zusammenhang der Anhedonie und ihrer Unterformen zur Alexithymie sowie die Wechselwirkung mit verschiedenen Krankheitsbildern sind bis heute (Stand 2010) nicht systematisch erforscht worden.

Die besondere Bedeutung der Anhedonie bei allen depressiven Erkrankungen konnte Burkhard Pflug bereits 1990 herausstellen. In der gegenwärtigen klinischen Psychiatrie wird die Anhedonie in erster Linie als Symptomkomplex depressiver Erkrankungen verstanden. Bei schizophrenen Erkrankungen wird der Begriff der Minussymptomatik zugewiesen. Im aktuellen Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV) wird das Merkmal der Anhedonie der schizoiden Persönlichkeit zugeschrieben.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Heimann (Hrsg.): Anhedonie. Verlust der Lebensfreude. Ein zentrales Phänomen psychischer Störungen. Gustav Fischer, Stuttgart 1990

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. U. H. Peters: Lexikon Psychiatrie, Psychotherapie, Medizinische Psychologie. München 2007, S. 37.
  2. a b A. KRÜGER: Alexithymie und Anhedonie bei psychosomatischen Patienten - eine klinische Untersuchung. Hamburg 2000, S. 20-24.
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