Antero de Quental

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Antero de Quental, ca. 1887

Antero Tarquínio de Quental (* 18. April 1842 in Ponta Delgada, Azoren; † 11. September 1891 ebenda) war ein portugiesischer Dichter, Kritiker und Sozialreformer. Er gilt allgemein als bedeutendster portugiesischer Dichter des 19. Jahrhunderts.[1] Außerdem war er einer der führenden geistigen Köpfe Portugals in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, denen eine geistige Revolution vorschwebte.

Leben[Bearbeiten]

Antero de Quental wurde 1842 in Ponta Delgada/Azoren als Sohn des Großgrundbesitzers Fernando de Quental und von Dona Ana Guilherma de Maia Quental geboren. Er entstammte großbürgerlich-aristokratischen Verhältnissen, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichende Persönlichkeiten des Geistes- und Kulturlebens Portugals vorweisen konnte (Vorfahr Bartolomeu de Quental, Professor an der Universität Évora, ab 1647). Die Familie Quental gehörte zu den führenden Familien der Azoren. Der Dichter Antonio Feliciano de Castilho war ein Nachbar der Familie. Quental war dort häufig zu Gast und bekam erstmals dort auch seine Affinität für Volksbildung und Soziale Fragen beigebracht.

Antero besuchte von 1856 bis 1858 das Colegio Sao Bento in Coimbra. In der gleichen Stadt immatrikulierte er sich auch als Student der Rechtswissenschaften, wo er das Studium 1858 aufnahm und 1864 abschloss. Sein Onkel, Filipe de Quental, war zu dieser Zeit als Professor für Medizin in Coimbra tätig. Noch während seiner Studienzeit gab er eine Studentenzeitschrift heraus, freundete sich mit später so berühmten Persönlichkeiten wie Eca de Queiros oder Teofilo Braga an und wurde Kopf eines studentischen Geheimbundes "Raio", der den Sturz des reaktionären Rektors der Universität von Coimbra heraufbeschwor sowie mit einem Marsch von zweitausend Studenten auf Porto für eine liberalere Universitätspolitik sogar die Armee zum Einsatz zwang. Daneben wurde Quental der führende Kopf der sogenannten "Schule von Coimbra" bzw. "Frage von Coimbra", eines Zirkels, der sich die kulturelle, vor allem künstlerische und literarische Erneuerung von Portugal erwünschte und sich von den traditionellen Dichtern der portugiesischen Renaissance, Barock und Romantik, Camões, António Vieira, Almeida Garrett, Alexandre Herculano und Antonio Feliciano de Castilho, trennen wollte. Es entstanden zwei Parteien, die sich auf schärfste bekämpften und der portugiesischen Kultur neue Impulse gaben.

Nach seiner Studienzeit ging er nach Paris, wo er als einfacher Arbeiter schwerste Arbeiten verrichtete, sich in der Arbeitervertretung engagierte und den Historiker Jules Michelet kennenlernte. Bei seinem zweiten Paris-Aufenthalt lernte er auch den Schriftsteller Alphonse Daudet kennen.

Er kehrte nach Portugal zurück und verbrachte den Rest seines Lebens in Vila do Conde, wo er lange zurückgezogen lebte und die letzten Lebensjahre auf seiner Heimatinsel, den Azoren. Er gründete die Zeitschrift „Revista Ocidental“.

Quental und das Schicksalsjahr 1877[Bearbeiten]

Im Jahr 1877 verlor er drei wichtige Menschen: zunächst starb seine geliebte Mutter. Dann starb der Dichter Alexandre Herculano, mit dem sich nach der "Frage von Coimbra" ausgesöhnt hatte und der sein Meister und guter Freund wurde, durch Selbstmord. Der Tod des Jugendfreundes Guillermo Meirelles brachte ihm dessen beiden minderjährigen Töchter ein, die der zeitlebens unverheiratete Mann liebevoll bei sich aufnahm und großzog, bis kurz vor seinem Tod, wo er sie in eine Pflegefamilie gab.

Das Ultimatum und Quental[Bearbeiten]

England stellte Portugal 1890 ein Ultimatum, aus bestimmten Kolonien herauszugehen. Dies brachte nationale und patriotische Stimmungen und Bewegungen hervor. Quental wurde aufgrund des Versagens der Politik von vielen Intellektuellen zum "Geistigen Vater einer national-patriotischen Bewegung zur Mobilmachung" bzw. als Präsident der "Liga Patriotismo do Norte" eingesetzt. Das machte ihn in ganz Portugal endgültig bekannt und rund 800 Studenten versammelten sich vor seiner Wohnung und skandierten feierlich "Viva, Viva Quental" und zwangen ihn, winkend auf dem Balkon zu erscheinen.

Affinität zu Deutschland[Bearbeiten]

Quental war einer der ersten portugiesischen Dichter, deren Werk ins Deutsche übertragen wurde. Dies besorgte Wilhelm Storck, mit dem er auch in Briefkontakt stand. Wegen seiner Erkrankung sollte er ursprünglich in Deutschland behandelt werden, scheute aber den weiten Weg. Zu seinen Freunden zählte auch die bekannte deutsche Lusitanistin Carolina Michaëlis de Vasconcelos. Auch las er unzählige deutsche Autoren, die er besonders als Philosophen schätze: so Heinrich Heine, Schiller, Leibnitz, Alexander von Humboldt. Quental war ein großer Anhänger von Goethe.

Freundes- und Bekanntenkreis[Bearbeiten]

Zahlreiche Persönlichkeiten aus Portugal gehörten zu seinem erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis: so die Dichter Antonio Feijoo, Camilo Castelo Branco, Guerra Junqueiro, Joao de Deus, Ramalho Ortigao, Joaquim Pedro de Oliveira Martins sowie der Archäologe Martins Sarmento.

Der Dichter Quental[Bearbeiten]

Sein Werk ist vor allem als Lyriker bedeutend. Er war auf der Suche nach der Unendlichkeit, so auch in seiner Poesie, die von Sozialen Fragen, wie der Arbeiterfrage genauso geprägt war wie der Frage nach Internationalismus und Transzendenz. Er wird oft als Dichterphilosoph bezeichnet, da viele seiner Gedichte sehr philosophisch waren.

Der Mensch Quental[Bearbeiten]

Der Hüne, blauäugig, blondhaarig, war introvertiert, träumerisch, kosmopolitisch,öffentlichkeitsscheu. Er saß oft alleine am Strand und guckte stundenlang aufs Meer hinaus. Er wird als hochsensibel und hochbegabt beschrieben. In seinem Sozialen Kampf empfand er sich als Paniberist, der für die Vereinigung Spaniens mit Portugal eintrat, allerdings auf Kosten Spaniens und der Marx und dem Sozialismus sehr nahe stand. Die Armen konnten jederzeit zu ihm kommen und er half, wo er konnte. Er war auch einer der ersten klassischen Exzentriker Portugals. Auch war er melancholisch und würde nach heutiger Terminologie an Depressionen leiden, die ihm auch das Leben kostete.

Quental und der Buddhismus[Bearbeiten]

Womöglich hatte Quental die größte Bibliothek über den Buddhismus in ganz Portugal, Dutzende Bücher zu dem Thema Buddhismus und Indien fanden sich in seiner Bibliothek. Drei Gedichte, die er auch in den „Sonettos Complettos“ veröffentlicht hatte, beschäftigten sich mit dem Buddhismus, eines davon trägt den Titel „Nirwana“. Auch wenn Quental kein praktizierender Buddhist war, so stand ihm die Lehre nahe und vieles davon floss in sein Werk ein. Außerdem dürfte er einer der ersten prominenten Portugiesen gewesen sein, die sich intensiv mit dem Buddhismus in Portugal beschäftigen, und damit künftigen Entwicklungen in seinem Land vorgegriffen haben. Ein guter Freund war Portugals einziger Orientalist und Indologe der Zeit, Vasconcellos Abreu, der ihm half, seine buddhistische Bibliothek zu erweitern.

Tod[Bearbeiten]

Am 11. September 1891 beendete Quental sein Leben in Ponta Delgada durch Suizid.[2] Er hatte sich mit zwei Pistolenschüssen angeschossen, in dem Campo de São Francisco, also in der Öffentlichkeit, starb aber nicht sofort, sondern erst zwei Stunden später im Hospital. Am nächsten Tag wurde er auf einem Friedhof in Ponta Delgada neben seinen Eltern und seinem Bruder beigesetzt.

Werk (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Bom Senso e Bom-Gosto (Gesunder Menschenverstand und guter Geschmack), Streitschrift als Flugblatt, 1865.
  • Primeras Romanticas,Lyrik, 1872.
  • Odes Modernas (Moderne Oden), 1875, Lyrik.
  • Os sonetos completos (Sämtliche Sonette), 1885. Lyrik.
  • Raios de Extincta Luz, posthum, Lyrik, 1893.

Quellen[Bearbeiten]

  • Encarta Enzyklopädie, 2006: Hauptwerke der spanischen und portugiesischen Literatur
  • Kindlers neues Literaturlexikon
  • Knauers Lexikon der Weltliteratur
  • Portugal, Indien und Deutschland-Akten der V. Deutsch-Portugiesischen Arbeitsgespräche, Köln, 1998, S. 157-169 (Antero de Quental und der Buddhismus).
  • Klara Rumbucher: Antero de Quental, Max-Hueber-Verlag, 1968.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. .munzinger.de Abgerufen am 4. Juni 2012
  2. Quental. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Bd. 16, Bibliographisches Institut, Leipzig 1902–1909, S. 516.