Anton Prokesch von Osten

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Anton Graf Prokesch von Osten
Graz, Elisabethstraße 38: ehemaliges Stadtpalais Prokesch-Osten
das 1836–1837 errichtete Haus Prokesch-Ostens in Athen, 2004

Graf Anton Prokesch von Osten (* 10. Dezember 1795 in Graz; † 26. Oktober 1876 in Wien) war ein österreichischer General, Diplomat und Reiseschriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anton Prokesch stammte aus einer mährischen Familie, deren ältester bekannter Vertreter Franz Prokes um 1700 als Händler in Groß-Seelowitz bei Auspitz lebte. Der 1795 in Graz geborene Prokesch machte von 1813 bis 1815 die Feldzüge gegen Frankreich mit. Er wurde 1818 Adjutant des Feldmarschalls Schwarzenberg. In den folgenden Jahren mehrfach zu Missionen in den Orient verwendet, gelang es ihm 1829 mit dem Pascha von Akka eine Übereinkunft zu Gunsten der Christen im Heiligen Land abzuschließen. 1829 wurde er in der Jerusalemer Grabeskirche als Ritter in den Ritterorden vom Heiligen Grab investiert.[1] Er wurde 1830 als „Ritter von Osten“ geadelt. Das Adelsprädikat sollte die großen Verdienste zum Ausdruck bringen, die sich Prokesch in der Levante erworben hatte.

Von 1830 bis zu dessen frühen Tod 1832 war Prokesch von Osten der Vertraute und Freund des jungen Herzogs von Reichstadt, des Sohnes Napoleons, der am österreichischen Hof lebte.

1831 ging er als Chef des Generalstabs mit der österreichischen Armee nach Bologna. 1833 war er an der Vermittlung eines Friedens zwischen dem Vizekönig Muhammad Ali Pascha von Ägypten und dem Sultan Mahmud II. in Kairo beteiligt, dabei wurde er von Ludwig von Kudriaffsky begleitet. 1834 bis 1849 war er Gesandter in Athen wo er sich auch als Präsident des Kirchen-Administrationsrathes der Katholiken engagierte, 1849 bis 1852 Gesandter in Berlin. 1845 wurde er in den österreichischen Freiherrenstand erhoben. 1853 und 1854 war Prokesch dann Bundespräsidialgesandter in Frankfurt am Main. Durch die Forderung der Mobilmachung des Bundesheeres gegen Russland isolierte er während des Krimkriegs Österreich im Deutschen Bund. Diese Maßnahme wusste Bismarck gekonnt zu verhindern. Nach dieser Niederlage verlor Prokesch seinen Posten und wurde 1855 zum Internuntius, 1867 zum Botschafter in Konstantinopel ernannt. 1863 wurde er bereits zum Feldzeugmeister befördert. Bei seinem Abschied 1871 wurde er in den Grafenstand erhoben. Er war Mitglied der Berliner und Wiener Akademie der Wissenschaften und besaß eine ausgezeichnete Münzensammlung, die 1875 vom Berliner Museum angekauft wurde. Seit 1863 war er Ehrenmitglied der Griechischen philologischen Gesellschaft in Konstantinopel. Seine Grabstelle ist ein von Theophil von Hansen erbautes Mausoleum auf dem St.-Leonhard-Friedhof in Graz.

Seine kunstsinnige Gattin Irene Prokesch von Osten (geb. Kiesewetter von Wiesenbrunn, 1811–1872) führte einen einflussreichen Salon in Graz. Das gräfliche Geschlecht der Prokesch von Osten ist mit dem Tod des Sohnes Anton ("der Jüngere", * 19. Februar 1837 in Athen; † 12. März 1919 in Gmunden) im Mannesstamm erloschen. Dieser war mit der Schauspielerin Friederike Goßmann verheiratet, mit der er in Gmunden in der "Villa Prokesch-Osten" lebte und in Gmunden bedeutende soziale und kulturelle Aktivitäten entfaltete.[2][3] Letztere hatten eine Tochter, Johanna, die später den k.u.k. Obersten Viktor Freiherrn von Schleinitz (1865–1957) heiratete und mit ihm einen Sohn hatte, Nikolaus Schleinitz-Prokesch (1895–1955), der eine diplomatische Laufbahn einschlug und dessen Nachkommenschaft sich bis heute fortsetzt.

Standeserhebungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Österreichischer Ritterstand mit „von Osten“, verliehen in Wien am 24. Mai 1830 an Anton Prokesch, k.k. Major, ehemaliger Gesandter in Athen.
  • Österreichischer Freiherrnstand am 1. Februar 1845 für Anton Ritter Prokesch von Osten, k.k. Generalmajor.
  • Österreichischer Grafenstand, verliehen in Schönbrunn am 3. November 1871 an Anton Freiherrn Prokesch von Osten, k.k. Geheimer Rat und Feldzeugmeister, ehemaliger Botschafter in Konstantinopel (Diplom 6. Februar 1872).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen des Grafen Prokesch von Osten (1871)

Wappen von 1871: Durch sechs absteigende Spitzen im Spitzenschnitt erhöht geteilt von Gold, darin ein rotes Jerusalemkreuz (= Hinweis auf den Orden vom Heiligen Grab), und Blau, darin auf goldenem Sockel eine goldene Sphinx einwärts. Grafenkrone. Zwei gekrönte Helme: auf dem rechten mit rot-goldenen Decken ein altägyptischer Greif aus rotem Granit mit silbernen Flügeln, in den Pranken eine goldene Stange mit der österreichisch-ungarischen Kriegsflagge haltend; auf dem linken mit blau-goldenen Decken eine wachsende Minerva mit goldenem Schuppenpanzer, Medusenschild und Helm mit schwarzem Busch, in der Rechten eine Lanze mit braunem Schaft, silberner Spitze und goldener Quaste haltend. Schildhalter: rechts ein altägyptischer goldener Löwe, links ein altägyptischer Greif aus rotem Granit. Wahlspruch: Ex Oriente Lux.[4]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Über den Feldzug 1814. Wien 1823
  • Erinnerungen aus Ägypten und Kleinasien. Wien 1829–1831, 3 Bände
  • Das Land zwischen den Katarakten des Nils. Wien 1831.
  • Reise ins Heilige Land. Wien 1831.
  • Denkwürdigkeiten und Erinnerungen aus dem Orient. Stuttgart 1836–1837, 3 Bände.
  • Geschichte des Abfalls der Griechen vom türkischen Reich im Jahre 1821. Stuttgart 1867, 6 Bände.
  • Mehmed Ali, Vizekönig von Ägypten, aus meinem Tagebuch 1826–1841. Stuttgart 1877.
  • Kleine Schriften. Stuttgart 1842–1844, 7 Bände.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daniel Bertsch: „Anton Prokesch von Osten (1795-1876): ein Diplomat Österreichs in Athen und an der Hohen Pforte: Beiträge zur Wahrnehmung des Orients im Europa des 19. Jahrhunderts“, Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2005, Seite 554
  2. http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_P/Prokesch-Osten_Anton_1795_1876.xml
  3. http://www.viribus-unitis.co.at/images/9/90/2015-07-26_214123.jpg
  4. Franz Gall: Österreichische Wappenkunde. Handbuch der Wappenwissenschaft. 2. Aufl. Böhlau Verlag, Wien 1992, S. 339, ISBN 3-205-05352-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Anton von Prokesch-Osten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien