Antonia Laucher

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Antonia Laucher ca. 1810

Antonia Laucher (oder Laucher, die Ältere; * 20. Juni 1786 in Dillingen an der Donau; † im 19. Jahrhundert in Wien) war eine deutsche Opernsängerin. Die Tochter eines Kirchenmusikers in Dillingen war in Wien als Hofopernsängerin beschäftigt. Später wurde ihre Stellung als „K.u.k. Hofoperistin“ bezeichnet, was der einer Kammersängerin entsprach.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laucher wurde als Tochter des Chorregenten Joseph Anton Laucher geboren. Sie hatte eine jüngere Schwester Cäcilia, mit der sie praktisch ihren Lebens- und Berufsweg teilte, sowie einen jüngeren Bruder Karl. Eine Notiz in den Gehaltslisten vom 20. und 21. Dezember besagt, dass sie vom Kurfürstlichen Hoftheater in München kam. Auch ihre Schwester Cäcilia Laucher, genannt „Laucher, die Jüngere“, wurde am 7. Januar 1804 angestellt.[1]

Im Jahr 1809 gebar sie in Wien ihren Sohn Eduard. Wiewohl im Januar 1809 in Salzburg als Eduard Dufey getauft, verbrachte er die ersten sechs Jahre als „Pflegesohn Adolf Wagner“ bei seiner Mutter in Wien. Eduards Vater war ein französischer Schauspieler namens Düfey. Er gastierte von 1806 bis 1812 in Würzburg, Augsburg, Regensburg und am Burgtheater. Eduard Dufey wuchs ab 1815 in Lauingen bei Lauchers jüngerem Bruder Karl auf.[2]

20 Jahre später führten die beiden Schwestern in Wien 1 Spiegelgasse 7/ Seilergasse 8 einen Haushalt, in dem auch der junge Nestroy verkehrte. Hier lebte zeitweise auch ihr Sohn Eduard. Es hielten sich im Jahr 1831 zudem ein weiterer Sohn Alexander Laucher (* 1816) sowie Marie Weiler (* 1809),[3] die uneheliche Tochter ihrer Schwester Cäcilia und des Grafen Ferdinand von Stockhammer (1787–1845)[4] auf. In Nestroys Stück Zu ebener Erde und erster Stock spielte ein „armer Pflegesohn Adolf“ einen Part.

Marie Weiler war gemeinsam mit Nestroy in Graz am Ständischen Theater engagiert und wurde nach der Trennung von dessen Frau über dreißig Jahre lang bis zu seinem Tode zur Lebensgefährtin, in einer sog. „Gewissensehe“. Nestroy lobte, dass sie sein Geld zusammen hielt. Laucher wurde Taufpatin von Nestroys Sohn Karl. „Weiler, Marie, geb. 13. Nov. 1809, gest. Wien 31. Oct. 1864 Opernsängerin in Graz bis 1831, dann Localsängerin am Theater an der Wien und in der Leopoldstadt, treue und aufopfernde Freundin Nestroy’s, Nichte der k. k. Hofschauspielerin Antonie Laucher.“[5]

Laucher heiratete im Jahr 1832 von Nespern[6], Sohn des aufgrund seiner Verdienste im Jahr 1787 geadelten Direktors des Wiener Aerarialfrachtamtes [ Aerarium = Schatz], Ferdinand von Nespern. 1845 beantragte Antonia Nespern eine Pensionszulage.[7]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Auftritten in München fasste Laucher im Jahr 1803 in Wien im „Theater nächst der Burg“ und im „Theater am Kärnthner Thor“ Fuß, an denen damals noch abwechselnd Gesangs- und Sprechauführungen stattfanden. Ihr Wiener Debüt gab sie am 20. Dezember 1803 in einer Neuproduktion von Mozarts Don Giovanni in der Rolle der Zerlina. Die Theaterzettel verraten, dass sie von 1803 bis 1821 im Gegensatz zu ihren Kollegen ohne Krankheitsausfälle mindestens zwei Dutzend mal im Jahr sang, neben der Zerlina im Don Giovanni am häufigsten Agnès Sorel in der Oper gleichen Namens von Adalbert Gyrowetz, die Julie in Mädchentreue, wie Così fan tutte damals genannt wurde, die Emmeline in Die Schweizer Familie von Joseph Weigl, die Prinzessin von Navarra in Johann von Paris von François-Adrien Boieldieu, die Marie in Der Augenarzt und die Nanette in Robert oder, Die Prüfung, beide von Gyrowetz. Antonia sang bei der Uraufführung der Prüfung am Donnerstag, dem 15. Juli 1813 und vielen Wiederholungen den weiblichen Hauptpart. „Dieser Oper hat Beethoven den größten Beifall ertheilt und jeder Aufführung davon beigewohnt.“[8]

Gefeiert wurde sie besonders als Agnes Sorel:

„Auszug eines Schreibens aus Wien, den 6 Febr.

Der berühmte hiesige Kapellmeister Gyrowez hat eine vortreffliche Oper, Agnes Sorel, komponiert, in welcher sich Mademoiselle Laucher, der Liebling des hiesigen Publikums, als Agnes durch ihren reizenden Gesang, gewandtes, treffendes Spiel und meisterhafte Deklamation so auszeichnet, daß bey der dritten Vorstellung zu ihrem Ruhm komponierte Sinngedichte ausgeworfen wurden. Die Natur scheint die Demoiselle Laucher zu der Rolle der edlen, sanften, reizenden Sorel gleichsam geschaffen zu haben. Von dieser sagt Voltaire: Nie sey ein Weib vollendeter gewesen, als sie. Der Behauptung des Franzosen stimmt jeder mit Vergnügen bey, sobald er die vortreffliche Laucher jene Rolle spielen sieht.“[9]

Laucher und ihre Schwester Cäcilia traten nicht nur im Wiener Theater am Kärntnerthor und an der Burg, sondern auch in den Palais der Fürsten Lobkowitz und Schwarzenberg, der Hauptmäzene Beethovens, auf, manchmal zusammen mit der Sopranistin Elisabeth Röckel. Die Website der Dillinger Basilicakonzerte wirbt mit einem Auftritt Lauchers im Dom von Salzburg als erster Vokalsolistin unter der Leitung Mozarts, womit allerdings Mozarts Sohn Franz Xaver um 1838 gemeint ist.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C.P. Albrecht: Music in public life: Viennese reports from the Allgemeine musikalische Zeitung. Kent, 2008, S. 227.
  2. Repertorium der pädagogischen Journalistik, 11. Augsburg 1857. S. 386 ff.
  3. Johann Nestroy, Sämtl. Werke, Dokumente 40–41, 2008, S. 54 und 77. Obwohl der Wert dieser Quelle inzwischen stark angezweifelt wird, scheinen alle Personen, wenngleich Dufey pseudonym, zutreffend benannt und nach Geburt datiert.
  4. Michael Lorenz: An Unknown Child of Johann Nestroy, abgerufen am 1. Februar 2016.
  5. Katalog d. Portraitsammlung d. k.u.k Generalintendanz der k.k. Hoftheater. Ganze Fig. im Kostüm mit Johann Nestroy (s. d.)
  6. http://michaelorenz.blogspot.de/
  7. Jahrbuch d. Gesellschaft für Wiener Theaterforschung, Band 13, 1961 S.104
  8. Biographie des A. Gyrowetz. Wien, 1848, S. 93
  9. Augsburger Ordinari Postzeitung, 20. Februar 1807