Arbeitseinsatz

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Arbeitseinsatz ist in der Wirtschaft die von einer Arbeitskraft aufgrund ihrer Arbeitsmotivation und Leistungsmotivation erbrachte Arbeitsleistung.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Arbeitseinsatz besitzt zwei unterschiedliche Begriffsinhalte. Historisch wird er mit der NS-Zwangsarbeit konnotiert, also der planmäßigen Lenkung der Arbeitskräfte nach den übergeordneten Gesichtspunkten der nationalsozialistischen Staatspolitik. Am 15. Mai 1934 wurde hierzu das „Gesetz zur Regelung des Arbeitseinsatzes“ erlassen. Mit dem Begriff „Arbeitseinsatz“ sollten hierin, dem bisherigen Sprachgebrauch folgend, Erinnerungen an Militär und Krieg assoziiert werden.[1]

Heute ist der Begriff des Arbeitseinsatzes ein in der Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre häufig benutzter Begriff im Zusammenhang mit dem Produktionsfaktor Arbeit. Die Mühe des Arbeitseinsatzes erzeugt für den Arbeitnehmer das Arbeitsleid, das durch das Arbeitsentgelt ausgeglichen werden soll.

Betriebswirtschaftslehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Betriebswirtschaftslehre wird der Arbeitseinsatz zuweilen mit der Arbeitsproduktivität gleichgesetzt, etwa als betriebswirtschaftliche Kennzahl durch die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden oder die Anzahl der Beschäftigten. Doch ist die Arbeitsproduktivität () das Verhältnis zwischen dem Arbeitsergebnis (Arbeitsleistung) und dem hierzu erforderlichen Arbeitseinsatz:[2]

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Mithin ist der Arbeitseinsatz der Input des Produktionsfaktors Arbeit.

Bereits Stefan Lorentz erkannte 1932 ein Spannungsverhältnis zwischen Arbeitseinsatz und Arbeitsergebnis:[3] Auch Walter Thoms sah 1940 eine polare Spannung zwischen dem Arbeitseinsatz und dem Arbeitsergebnis: „Die Leistung ist die Synthese von Arbeitseinsatz und Arbeitsergebnis. Arbeitseinsatz und Arbeitsergebnis gehören unmittelbar zusammen. Sie bedingen sich und fördern sich gegenseitig ganz zwangläufig.“[4] Bei niedriger Arbeitsmotivation und Leistungsmotivation ist auch der Arbeitseinsatz gering und umgekehrt.

Makroökonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der makroökonomischen Produktionstheorie wird der Arbeitseinsatz des Produktionsfaktors Arbeit für die Ermittlung der volkswirtschaftlichen Kennzahl der Arbeitsproduktivität herangezogen, wobei dem Arbeitseinsatz () das Arbeitsvolumen () gegenübergestellt wird:

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Die Arbeitsproduktivität steigt, wenn das Arbeitsvolumen bei gleichbleibendem Arbeitseinsatz zunimmt und umgekehrt. Der Arbeitseinsatz soll dazu beitragen, das größtmögliche Arbeitsergebnis zu erzielen.[5] Die Unternehmen erhöhen also den geplanten Arbeitseinsatz bis zu dem Punkt, in dem der Grenzgewinn gleich null und die Grenzproduktivität der Arbeit dem Reallohnniveau entspricht.[6]

Die volkswirtschaftlichen Produktionsverhältnisse spiegeln sich in einer aggregierten Produktionsfunktion wider. Sie beschreibt den Zusammenhang zwischen der gesamtwirtschaftlichen Güterproduktion und den hierzu eingesetzten Produktionsfaktoren:[7]

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Als Produktionsfaktoren dienen hier das Sachkapital und der in Arbeitsstunden gemessene Arbeitseinsatz .

Die Unternehmensziele sollen mit möglichst geringem Arbeitseinsatz (Minimalprinzip) beziehungsweise bei einem gegebenen Arbeitseinsatz größtmöglich erreicht werden (Maximalprinzip).

Personalwesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Personalwesen wird der Arbeitseinsatz als Synonym für Fleiß oder Engagement verwendet und in dieser Form bei Beurteilungen (Leistungsbeurteilung, Mitarbeiterbewertung oder dienstliche Beurteilung) eingesetzt. Beamte haben sich nach § 61 Abs. 1 BBG mit vollem persönlichem Einsatz ihrem Beruf zu widmen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günter Morsch, Arbeit und Brot: Studien zu Lage, Stimmung, Einstellung und Verhalten der deutschen Arbeiterschaft 1933-1936/37, 1993, S. 122
  2. Heinz Hercher, Auf der Suche nach Vollbeschäftigung auf Unternehmensebene, 2002, S. 8
  3. Stefan Lorentz, Der betriebswirtschaftliche Leistungsbegriff, in: Zeitschrift für Betriebswirtschaft, 1932, S. 378
  4. Walter Thoms, Rentabilität und Leistung, 1940, S. 20 ff.
  5. Meike Schröder, Förderung der Leistungsbereitschaft in unternehmensübergreifenden Projektteams, 2010, S. 23
  6. Gerhard Schmitt-Rink, Makroökonomie, 1990, S. 42
  7. Gustav Dieckheuer, Makroökonomik: Theorie und Politik, 1993, S. 179