Arbeitspferd

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Kreiselschwader mit Bodenantrieb / zweispännig
Holzrücken
Ankunft des von zwölf Pferden gezogenen Granitsteines bei St. Marien in Lübeck (1929)
Pferdebahn in Döbeln (2007)
Touristenbus in Antwerpen (2005)
Brauereiwagen
Wattwagen vor Neuwerk (2014)

Als Arbeitspferd oder Zugpferd bezeichnet man Hauspferde, die zur Verrichtung von Arbeit eingesetzt werden und auf Zuglast spezialisiert sind.

Arbeitsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Aufgaben von Arbeitspferden zählt der Einsatz in der Landwirtschaft zum Ziehen von Geräten zur Bodenbearbeitung, zum Transport landwirtschaftlicher Produkte und zum Betrieb ortsfester landwirtschaftlicher Geräte. Eine abwertende Bezeichnung für Arbeitspferde ist Ackergaul.

Sie wurden lange Zeit im Bergbau als Grubenpferde eingesetzt. Hier kamen vor allem Shetlandponys zum Einsatz.

Arbeitspferde werden auch im Gewerbe zum Transport eingesetzt. Letzteres sind heutzutage bis auf wenige Ausnahmen Pferde, die für Werbezwecke eingespannt werden, man denke hier an Brauereigespanne.

Des Weiteren finden sie als Rückepferde Einsatz beim Holzrücken oder Schneeräumen.

Touristische Planwagenfahrten stellen ein weiteres Arbeitsgebiet für Zugpferde dar, allerdings sind hierfür nicht nur die ursprünglichen schweren Kaltblüter einsetzbar, sondern auch traditionell als Kutschpferde gezüchtete Rassen, insbesondere schwere Warmblüter, wie Alt-Oldenburger, Anglo-Normanne, Cleveland Bay, Friesen oder Sächsisch-Thüringisches Schweres Warmblut.

In den Anfangszeiten des Schienenverkehrs wurden im 19. Jahrhundert häufig Pferde im öffentlichen Personennahverkehr als Zugtiere für Pferdebahnen als Eisen- oder Straßenbahn eingesetzt, bis sie noch vor dem 20. Jahrhundert durch die Dampflokomotive oder den elektrischen Straßenbahn-Triebwagen verdrängt wurden. In vielen Städten existierende Pferdeomnibus-Linien wurden durch motorbetriebene Omnibusse verdrängt.

Im 19. Jahrhundert beförderten Kanalpferde Lastkähne mit Passagieren oder Frachtgut auf Treidelpfaden.

Der Begriff Arbeitspferd wird heute im übertragenen Sinne auch für robuste Maschinen und Menschen gebraucht.

Militär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Arbeitspferde wurden vorwiegend Kaltblüter und Ponys verwendet.

Aus Gebirgsregionen stammen kleine, leichte Arbeitspferdrassen im Kleinpferdetyp, wie Norweger und Haflinger. Diese werden bereits seit den 1970er Jahren auf Reitpferdeeigenschaften gezogen, so dass es einen modernen leichten Schlag und einen schwereren älteren Schlag gibt. Beim Norweger wurden die Reitpferdepoints durch Selektion in Reinzucht erreicht, während Haflinger mit viel arabischem Blut veredelt wurden.[1] Der etwas größere Freiberger ist ebenfalls eine leichte Arbeitspferderasse aus dem Schweizer Jura-Gebirge.[2]

Moderne Kaltblutzucht ist heutzutage vor allem in Nordamerika zu finden. Es handelt sich dabei durchweg um veredelte europäische Kaltblutrassen. Allerdings versucht man in der jüngsten Zeit in Europa durch Zukäufe von nordamerikanischen Hengsten, die schweren, europäischen Linien wieder zu modernisieren. Durch die Mechanisierung im 20. Jahrhundert sind viele der schweren europäischen Kaltblutrassen vom Aussterben bedroht; die Landwirtschaft hat keinen Bedarf mehr an ihnen und das Interesse einzelner Liebhaber reicht zu ihrer Erhaltung kaum aus.

Leichtere Kaltblüter haben seit den 1990er Jahren unter Freizeitreitern neue Anhängerinnen gefunden. Sie schätzen ihre imposante Erscheinung, ihre Genügsamkeit in der Haltung und den zuverlässigen Charakter der Tiere, durch den sie sich auch für Anfänger eignen.[3][4] Im Freizeitbereich besonders beliebt sind leichtere Kaltblutrassen mit viel Langhaar, Kötenbehang und auffälligem Aussehen, beispielsweise Tinker[5] oder Schwarzwälder Füchse[6] und Friesen,[7] die als Wagenpferde eher im Typ von schweren Warmblütern stehen, ohne jedoch deren Ausdauer zu besitzen. Bei diesen Rassen werden daher heute auch leichtere und gängigere Pferde gezüchtet, welche immer langsam dem schweren Warmblut nahekommen. Solche Pferde sind für den schweren Zug weniger gut geeignet. Diese Zuchtrichtungen bewahren die Rassen jedoch vor dem Aussterben und können sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Freizeit eingesetzt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Therese Grosswiele: Langsamer. Kleiner. Gut. Mit natürlicher Pferdekraft aus der Fortschrittsfalle in der Landwirtschaft. Therese Grosswiele Verlag, Egling 2013, ISBN 9783000415487.
  • Michael Koch: Traditionelles Arbeiten mit Pferden in Feld und Wald, 4. Aufl. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart-Hohenheim 2012, ISBN 9783800177264.
  • Eva-Maria Amberger: Ohne Pferde ging nichts. Haltung, Nutzung und Brauchtum des ländlichen Arbeitspferdes um 1900. Edition Güth im Landwirtschaftsverlag, Münster 2003, ISBN 3-7843-2789-3.
  • Jürgen und Uta-Marina Hagenkötter: Als Pferdestärken noch starke Pferde waren. Cadmos Verlag, Schwarzenbek 2009, ISBN 3-8612-7463-9.
  • Erhard Schroll (Hrsg.): Holzrücken mit Pferden – Handbuch für die Waldarbeit mit Pferden, Starke Pferde-Verlag, Lemgo, 2016, ISBN 978-3-9808675-6-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Nutzung von Pferden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Araberhengst "Expert" soll Haflinger decken, Alexandra Decker, 23. Januar 2017, Allgäuer Zeitung
  2. Freiberger (Franches Montagnes), pferdewissen.ch
  3. Kaltblüter – perfekte Freizeit-, Western- und Familienpferde, Ratgeber Pferde, markt.de
  4. Kaltblüter – Pferde mit Charakter, kaltblut-pferd.com
  5. Tinker, ehorses.de
  6. Schwarzwälder Fuchs, pferdefluesterei.de
  7. [https://www.pferde.de/magazin/rasseportrait-friesen/ Rasseportrait: Friesen], Harriet Jensen, 28. August 2020, pferde.de