Armin Gottmann

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Armin Gottmann (* 26. Mai 1943 in Berlin) ist ein deutscher Neurologe, Psychotherapeut und Yogalehrer. Von 1999 bis 2015 war er der oberste Leiter des weltweiten buddhistischen Ordens Arya Maitreya Mandala.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gottmann verbrachte seine ersten Lebensjahre in Berlin, wo er das Gymnasium zum Grauen Kloster besuchte. Als Sohn des Arztes Karl-Heinz Gottmann, der in Gujarat eine der Naturheilkunde gewidmete Klinik aufbaute, verbrachte Armin Gottmann den großen Teil seiner Jugend in den 1950er und 1960er Jahren auf dem indischen Subkontinent. Dort unterzog er sich unter verschiedenen Lehrern einer systematischen spirituellen Schulung mit Schwerpunkten im Yoga und im Buddhismus. In Lonavla im indischen Bundesstaat Maharashtra absolvierte er eine mehrjährige Ausbildung zum Yogalehrer unter Swami Kuvalayananda. In Bangalore war Gottmann ein Schüler des Acharya Buddharakkhita, bei dem er Vipassana und Metta-Meditation studierte. Einige Zeit verbrachte er in Kalimpong mit Sangharakshita. Auch war Gottmann seit früher Jugend ein persönlicher Schüler Lama Anagarika Govindas, der für ihn zum maßgebenden spirituellen Lehrer wurde. 1964 wurde Gottmann mit dem Ordensnamen Asanga zum voll ordinierten Mitglied des von Govinda gegründeten Arya Maitreya Mandala.[2]

Wieder in Europa nahm Armin Gottmann an der Philipps-Universität Marburg Studien der Indologie und der Medizin auf. Das Medizin-Studium schloss er 1972 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit der Promotion zum Doktor der Medizin ab. Es folgten Ausbildungen zum Facharzt für Neurologie und zum analytischen Psychotherapeuten nach der Methode Carl Gustav Jungs am C.G. Jung-Institut in Stuttgart. Gottmann arbeitete in der medizinischen Forschung und in Nervenkliniken. Zwei Jahre leitete er die Suchtabteilung am Klinikum Nordschwarzwald. Von 1974 bis 1978 gab er die Zeitschrift Yoga und unsere Welt heraus. 1982 ließ er sich als freier Psychotherapeut nieder. 1999 wurde er zum obersten spirituellen Lehrer (Mandalacharya) und weltweiten Leiter des Ordens Arya Maitreya Mandala berufen. Er gab dieses Amt im März 2015 an den österreichischen Philosophen Volker Zotz weiter. Armin Gottmann war auch Vorsitzender der „Lama und Li Gotami Govinda Stiftung“ mit Sitz in München, die den künstlerischen, literarischen und spirituellen Nachlass von Lama Anagarika Govinda und Li Gotami Govinda verwaltet.[3] Diese Funktion nimmt seit 2015 ebenfalls Volker Zotz war.[4] Gottmann gab von 1999 bis 2014 die Zeitschrift Der Kreis heraus, die Themen des Buddhismus und der Spiritualität gewidmet ist.

Zu Armin Gottmanns 70. Geburtstag gab Volker Zotz 2013 eine Festschrift mit dem Titel Schnittstellen. Buddhistische Begegnungen mit Schamanismus und westlicher Kultur heraus, zu der unter anderen der Psychologe und Indologe Robert Janssen, der Schriftsteller Heinz Pusitz und der Literaturwissenschaftler Yukio Kotani Beiträge lieferten. Zotz bezeichnet Gottmann in seiner Einleitung als "Grenzgänger zwischen Indien und Europa, dem Buddhismus und abendländischer Kultur, der Medizin westlicher Tradition und klassischen Heilweisen des Yoga."[5]

Yoga und Buddhismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gottmann ist forschend, publizistisch und als Lehrer in den Bereichen Yoga und Buddhismus aktiv. So wies er im Rahmen von Forschungen an der Universität Mainz nach, dass die Pranayama-Übung Bastrika (d. h. Blasebalg) die Grenze der Flimmerverschmelzung heraufsetzt, also die Grenze, bei der man eine Folge von Einzelbildern eines Films noch als individuelle Bilder erkennt. Es wurde damit der Beweis erbracht, dass eine Atemübung des Yoga die visuelle Wahrnehmungsfähigkeit verbessert.[6] Eine kommentierte Bibliografie der Arbeiten Gottmanns zu Themen des Yoga, des Buddhismus und der Medizin findet sich in der Festschrift zu seinem 70. Geburtstag.[7]

Gottmann ist aktiv in der Yogalehrer-Ausbildung in Deutschland unter anderem bei der Gesellschaft für geisteswissenschaftliche Fortbildung e.V (GGF) in Düsseldorf. Er verbindet „buddhistische Meditationspraxis mit psychotherapeutischen oder mit körperaktiven Elementen.“[8] Auch trat er als vehementer Kritiker der Transzendentalen Meditation nach Maharishi Mahesh Yogi hervor, indem er betonte, dass man Abendländern vor dem Aufnehmen entsprechender Meditationsformen ein Wissen über „Gehalt und Hintergrund“ von Mantras vermitteln müsste, weil sie sonst keinen Zugang dazu finden.[9]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Einfluss des autogenen Trainings und Bhastrika-Pranayamas auf die Flimmerverschmelzungsfrequenz: Ein experimenteller Vergleich zwischen autogenem Training (J. H. Schultz) und einer Atemübung des Yoga. Mainz 1972
  • Reise zum inneren Licht. Spiritualität für Anfänger. Stuttgart: Theseus Verlag 2009, ISBN 978-3-7831-9560-6
  • Lama Anagarika Govinda und der tibetische Buddhismus. Pforzheim 2010
  • Buddhistische Meditation und seelisches Gleichgewicht. Der Kreis. Pforzheim 2012.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Baumann: Deutsche Buddhisten. Geschichte und Gemeinschaften. Diagonal-Verlag 1993, ISBN 9783927165144
  • Martin Baumann: Der buddhistische Orden Arya Maitreya Mandala. Religionswissenschaftliche Darstellung einer westlich-buddhistischen Gemeinschaft. Religionen vor Ort - Bd. 3. Marburg 1994, ISBN 3-9802994-4-9
  • Hellmuth Hecker: Buddhismus in Deutschland: eine Chronik. München 1978
  • Volker Zotz (Hrsg.): Schnittstellen. Buddhistische Begegnungen mit Schamanismus und westlicher Kultur. Festschrift für Armin Gottmann zum 70. Geburtstag. Luxemburg: Kairos Edition 2013, ISBN 978-2-919771-04-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die biografischen Angaben folgen weitgehend Birgit Zotz: "Du stehst unter dem Zeichen Śivas." Zur Biografie Arminn Gottmanns. In: Volker Zotz (Hrsg.): Schnittstellen. Buddhistische Begegnungen mit Schamanismus und westlicher Kultur. Festschrift für Armin Gottmann zum 70. Geburtstag. Luxemburg: Kairos Edition 2013 (ISBN 978-2-919771-04-2), S. 17–33
  2. Vgl. Birgit Zotz: „Armin Gottmann: Reise zum inneren Licht. Spiritualität für Anfänger. Stuttgart: Theseus Verlag 2009 (Rezension).“ In: Damaru 34 (Frühjahr 2012), ISSN 2225-4803, S. 30
  3. Michael Zils: World Guide to Foundations: Europe. K. G. Saur Verlag 2001, ISBN 9783598222528
  4. Vgl. Wechsel im Amt des Mandalacarya. In: Der Kreis Nr. 271 (Mai 2015), S. 46–47
  5. Volker Zotz (Hrsg.): Schnittstellen. Buddhistische Begegnungen mit Schamanismus und westlicher Kultur. Festschrift für Armin Gottmann zum 70. Geburtstag. Luxemburg: Kairos Edition 2013 (ISBN 978-2-919771-04-2), S. 7
  6. D. Mitzinger: Yoga in Prävention und Therapie: Manual für Yogalehrer, Therapeuten und Trainer. Deutscher Ärzteverlag 2008, ISBN 9783769105674, S. 35–36
  7. Renate Huf: Armin Gottmann - Eine kommentierte Auswahlbibliografie. In: Volker Zotz (Hrsg.): Schnittstellen. Buddhistische Begegnungen mit Schamanismus und westlicher Kultur. Festschrift für Armin Gottmann zum 70. Geburtstag. Luxemburg: Kairos Edition 2013 (ISBN 978-2-919771-04-2), S. 35–45
  8. Martin Baumann: Deutsche Buddhisten. Geschichte und Gemeinschaften. Diagonal-Verlag 1993, ISBN 9783927165144, S. 189
  9. Michael Mildenberger: Heil aus Asien? Hinduistische und buddhistische Bewegungen im Westen. Quell-Verlag 1974, ISBN 9783791860015, S. 58