Arzthofen

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Arzthofen
Gemeinde Deining
Koordinaten: 49° 15′ 6″ N, 11° 31′ 54″ O
Höhe: 480 m ü. NHN
Einwohner: 82 (1. Jan. 2017)[1]
Postleitzahl: 92364
Vorwahl: 09184
Karte
Arzthofen, Ortseingang von Süden

Arzthofen ist ein Gemeindeteil von Deining im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz in Bayern.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt im Oberpfälzer Jura auf circa 480 m NHN am rechten Talrand des Oberlaufes der Weißen Laber etwa vier Kilometer nördlich des Gemeindesitzes.

Ortsnamensdeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname soll vom mittelhochdeutschen Wort „Aruz“ für „Erz“ herstammen. Tatsächlich wurden hier viele keltische Erzschlacken gefunden, und ein Flurteil trägt noch den Namen „Arzgrube“.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert wurden Hügelgräber der Hallstattzeit aufgedeckt und Gefäße und Schmuck geborgen.

1405 verkaufte Hans Loterbeck zu Burg Rothenfels Besitz in Arzthofen an Georg Frickenhofer zu Neumarkt.[3] Laut einem Eichstätter Visitationsakt von 1480 hatte Ulrich Reif von Arzthofen seinen Hof und seine Güter der Kirche von Deining vermacht.[4] Dem Salbuch von 1491 gemäß, das der Landsasse Erasmus Truchseß von Waltersheim auf Burg Rothenfels anlegen ließ, gehörten Besitzungen in Arzthofen zu den Zugehörungen der Burg, die 1534 zusammen mit der Burg von Philipp Truchseß von Waltersheim an Kurfürst Ludwig und Pfalzgraf Friedrich veräußert wurden; die Pfalzgrafen hatten seit dem Ende des 14. Jahrhunderts die kaiserliche Hofmark Berngau inne, zu dessen Amt Berngau schon 1280 laut dem „Urbarium Baiuarium Transdanubiae“ (= Baierisches Verzeichnis der Güter jenseits der Donau) in „Altshouen“ eine Hube und drei halbe Huben gehörten.[5]

Die Pfarrei Deining und damit auch Arzthofen, das zu deren Filialkirche Oberbuchfeld gehörte, wurden 1542 durch die Kurpfalz der Reformation unterworfen, 1625 erfolgte durch die Gegenreformation die Rückkehr zur katholischen Glaubensausübung.[6]

Gegen Ende des Alten Reiches, um 1800, bestand Arzthofen aus neun Höfen der kurfürstlichen Unteren Hofmark Berngau und der bereits 1450 genannten Arzthofermühle, die dem kurfürstlichen Pflegamt Wolfstein unterstand. Als Hintersassen sind genannt Salzer mit einem ganzen Hof und von den kleineren Höfen Heindl und Hirsch, deren Grundherren das Spital Neumarkt (Heindl) und die geistliche Gefällverwaltung Neumarkt (Hirsch) waren. Der Müller hieß Kranzler.[7]

Im neuen Königreich Bayern (1806) wurde mit dem Gemeindeedikt von 1818 aus dem großen Steuerdistrikt Oberbuchfeld heraus unter anderem die politische Gemeinde Oberbuchfeld im Landgericht Neumarkt in der Oberpfalz gebildet, die das Deininger Filialkirchdorf selber, die Weiler Arzthofen und Rothenfels sowie die Einöden Lengenbach mit der 1767 errichteten Wallfahrtskirche „Mariä Geburt“ und Thannbügl umfasste.[8] 1836 bestand das Dorf aus zwölf Höfen und der Mühle.[9] 1871 wurden in dem Weiler vier Pferde und 54 Stück Rindvieh gehalten.[10] Am 3. Juni 1900 wurden durch einen Tornado zwei Häuser und mehrere Bäume beschädigt.[11]

1943 wurde der Mahlbetrieb der Arzthofermühle eingestellt; ein neues eisernes Mühlrad sollte Strom für den ganzen Ort liefern; der Strom reichte aber nur für den Eigenbedarf.[12]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Oberbuchfeld aufgelöst; Arzthofen kam mit Oberbuchfeld am 1. Januar 1976 zur Gemeinde Deining im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1830: 70 (11 Häuser)[13]
  • 1871: 63 (21 Gebäude)[10]
  • 1900: 68 (15 Wohngebäude)[14]
  • 1937: 63[15]
  • 1950: 77 (14 Wohngebäude)[16]
  • 1987: 87 (24 Wohngebäude, 26 Wohnungen)[17]
  • 2012: 91[18]
  • 2017: 82[1]
Herz-Jesu-Kapelle

Herz-Jesu-Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kapelle, ein kleiner Saalbau mit Dachreiter mit Glocke auf der Eingangsfassade, steht am Ortsausgang nach Oberbuchfeld. Sie wurde nach Genehmigung durch das Ordinariat des Bistums Eichstätt von 1879 im Jahr 1884 von der Familie Hofbeck gebaut. Sie gilt als Baudenkmal.[19] Bei der Kapelle entspringt eine Quelle der Weißen Laber.

Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Deining#Arzthofen

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arzthofen liegt an einer Gemeindeverbindungsstraße zwischen Siegenhofen bzw. Siegenhofermühle und Rothenfels bzw. Oberbuchfeld.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band, Eichstätt: Brönner & Däntler, 1937
  • Bernhard Heinloth: Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 16: Neumarkt, München: Kommission für Bayrische Landesgeschichte, 1967

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Arzthofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Einwohnerzahlen in den Ortsteilen. (Nicht mehr online verfügbar.) Gemeinde Deining, archiviert vom Original am 23. September 2017; abgerufen am 30. Juni 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.deining.de
  2. Sammelblatt Historischer Verein Eichstätt 46/47 (1931/32), S. 15; 50/51 (1935/36), S. 40
  3. Repertorium des topographischen Atlasblattes. Neumarkt, 1836, S. 69
  4. Buchner I, S. 149
  5. Heinloth. S. 209, 212 f.
  6. Buchner I, S. 149
  7. Heinloth. S. 255
  8. Heinloth, S. 326
  9. Repertorium des topographischen Atlasblattes. Neumarkt, 1836, S. 4
  10. a b Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 884, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  11. skywarn.de
  12. Kurt Romstöck (Text) und Alfons Dürr (Zeichnungen): Die Mühlen im Landkreis Neumarkt i. d. Opf. , Neumarkt i. d. Opf. 2004, S. 211
  13. Karl Friedrich Hohn: Der Regenkreis des Königreichs Bayern, geographisch und statistisch beschrieben, Stuttgart und Tübingen: Cotta, 1830, S. 136
  14. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 867 (Digitalisat).
  15. Buchner I, S. 153
  16. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 746 (Digitalisat).
  17. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 257 (Digitalisat).
  18. Müllers Großes Deutsches Ortsbuch 2012, Berlin/Boston 2012, S. 66
  19. Buchner I, S. 156; Sixtus Lampl und Otto Braasch: Denkmäler in Bayern, Band III: Oberpfalz. Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Geländedenkmäler, München: R. Oldenbourg Verlag, 1986, S. 140