Atlantic Cartier

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Atlantic Cartier
Atlantic Cartier.JPG
Schiffsdaten
Flagge SchwedenSchweden Schweden
Schiffstyp ConRo-Schiff
Klasse G3-Serie
Rufzeichen SCKB
Heimathafen Göteborg
Reederei Atlantic Container Line
Bauwerft Chantiers du Nord, Dünkirchen
Baunummer 321
Indienststellung 1985
Verbleib 2017 Abbruch in Alang
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
292,02 m (Lüa)
Breite 32,39 m
Tiefgang max. 11,60 m
Vermessung 58.358 BRZ
Maschinenanlage
Maschine 1 × B&W-Dieselmotor
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
20.300 kW (27.600 PS)
Dienst-
geschwindigkeit
18 kn (33 km/h)
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 52.880 tdw
Container 2.908 TEU
Fahrzeugkapazität 1.000 PKW
Sonstiges
Klassifizierungen

Lloyd’s Register of Shipping

Registrier-
nummern

IMO-Nr. 8215481

Die Atlantic Cartier war ein ConRo-Schiff der Reederei Atlantic Container Line.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schiff wurde 1985 auf der Werft Chantiers du Nord in Dünkirchen gebaut und gehörte zu der aus fünf Einheiten bestehenden ACL G3-Serie. Es wurde im Transatlantikdienst der Reederei zwischen Europa und Nordamerika eingesetzt.

1987 wurde das Schiff auf der koreanischen Werft Hyundai Mipo Dockyard in Ulsan um 42,5 Meter verlängert. Dabei wurde das Schiff im vorderen Bereich getrennt und eine zusätzliche Sektion eingefügt. Im September 2017 wurde es im indischen Alang zum Abbruch auf den Strand gesetzt.

Brand am 1. Mai 2013 in Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Mai 2013 lag das Schiff zur Beladung am O’Swaldkai im Hamburger Hafen. Das Schiff hatte auf mehreren Decks bereits Autos und mehrere hundert Container geladen. Es befanden sich unter anderem 8,9 t des Gefahrguts Uranhexafluorid, etwa 11 t radioaktive Brennstäbe, 3,8 t Munition sowie 180 t Ethanol an Bord.[1] Die Besatzung bestand aus 26 Personen, außerdem befanden sich sechs Personen für Reparaturarbeiten an Bord.

Gegen 19:30 Uhr brach aus ungeklärten Gründen auf einem Fahrzeugdeck mit 70 Neuwagen[2] ein Brand aus, der sich zu einem Großbrand ausbreitete.

Aus mehreren Stadtteilen Hamburgs wurden daraufhin im Laufe der Nacht Einsatzkräfte zusammengezogen, die Hamburger Feuerwehr schaffte schweres technisches Gerät heran. Zwei Löschboote und drei Hafenschlepper spritzen über Wasserwerfer Wasser aus dem Hafenbecken zum Kühlen von außen gegen die Bordwand. Die Feuerwehrleute an Bord des Schiffes setzten einen unbemannten, ferngelenkten Löschpanzer ein.

Die 33 Container mit Gefahrstoffen konnten vom Terminalpersonal während des Feuerwehreinsatzes geborgen und in sicherer Entfernung auf dem Betriebsgelände gelagert werden. Weil am 1. Mai im Hamburger Hafen nicht gearbeitet wird, fehlte zunächst ein Kranführer.[3]

Uranhexafluorid darf nicht mit Löschwasser in Kontakt kommen, aber nirgendwo in Norddeutschland stand Kohlenstoffdioxid bereit, um auf diese Weise die Flammen zu ersticken.[4] Am 2. Mai um 5:11 Uhr[5] hatte die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle[6], nach 16 Stunden waren die letzten Brandnester gelöscht; Gefahrstoffe traten nicht aus. Von den in Brand geratenen Fahrzeugen wurden zwölf vollständig zerstört.[2]

Bei einem erneuten Anlauf des Schiffes im Hamburger Hafen im August 2013 kam es zu Protesten.[7]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schiff wurde von einem Sechszylinder-Zweitakt-Dieselmotor des Herstellers B&W (Typ: 6L90 GB) mit 20.300 kW Leistung angetrieben. Es erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 18 Knoten.

Der Containertransport erfolgte in Laderäumen im vorderen Bereich des Schiffes sowie auf dem mit Cellguides ausgerüsteten offenen Deck. Weitere Container konnten in dem für RoRo-Ladung vorgesehenen Bereich gestaut werden. Die Containerkapazität des Schiffes betrug zunächst 2.157 TEU. Nach der Verlängerung des Schiffes erhöhte sich die Containerkapazität auf 2.908 TEU. Die Laderäume für RoRo-Ladung wurden über eine Heckrampe mit einer Tragfähigkeit von 420 Tonnen erreicht.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Atlantic Cartier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Radioaktives Material auf brennendem Frachter (Memento vom 7. Juni 2013 im Internet Archive), NDR 90,3, 17. Mai 2013, abgerufen am 17. Mai 2013.
  2. a b Stundenlange Löscharbeiten, THB – Deutsche Schiffahrts-Zeitung, 3. Mai 2013.
  3. „Erhebliche Probleme beim Löscheinsatz“ auf Gefahrgutfrachter, Interview mit Anjes Tjarks, Deutschlandradio, 18. Mai 2013.
  4. Kai von Appen: Beinahekatastrophe beim Kirchentag, TAZ, 18. Mai 2013.
  5. Atomfracht an Bord – Beinahekatastrophe am 1. Mai?, Grüne Bürgerschaftsfraktion Hamburg, Bündnis 90/Die Grünen, 16. Mai 2013, abgerufen am 17. Mai 2013.
  6. Christian Patzelt: 200 Kräfte bekämpfen Brand auf Frachter, Feuerwehr-Magazin, 2. Mai 2013.
  7. „Atlantic Cartier“ verlässt unter Polizeischutz den Hafen, Hamburger Abendblatt, 24. August 2013. Abgerufen am 29. August 2013.